Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 59)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53843-3347612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

\To. 41 DIE ELT- 1055 arbeiten zur Hilfe herangezogen werden. Auch die Kinder aus den Stadtschulen* für die dies eine große Erholung wäre, — und für die Kolonisten, die zur Zeit dringender Arbeit oft nur mit Mühe arabische Kräfte bekommen können, eine große Aushilfe. Neben der landwirtschaftlichen muß — natürlich erst in den reiferen Jahrgängen oder in den Fortbildungsschulen — für eine gewerbliche Ausbildung der Kinder gesorgt werden. In Betracht kommt insbesondere Handfertigkeitsunterricht für Holz- und Metallbearbeitung, zunächst soweit man auf den Konsum im Lande rechnen 'vann, sodann in kunstgewerblichen Zweigen für den Export. * * * Zu einem innerlich festgefügten, organisch gegliederten System muß sich das palästinensische Schulwesen ausgestalten: auf der breiten Basis der Kindergärten und Elementarschulen, in denen außer den eigentlichen Elementarfächern in der einzigen nationalen hebräischen Sprache die Kinder vor Überladung mit trockenem gedanklichen Wissenskram verschont, dafür aber um so mehr durch Spiel in freier Natur, Turnen, Gesang usw. in ihrer Natürlichkeit, Frische und Lebenslust erhalten werden, soll sich eine Oberstufe mit einem weiten naturwissenschaftlich-landwirtschaftlichen, technisch-industriellen und kunstgewerblichem Programme uifbauen. Für die Schulentlassenen sollen Fortbildungskurse bestehen und für diejenigen, die nach Überschreitung ies schulpflichtigen Alters noch keinen Erwerbsberuf rgreifen und über den Durchschnitt begabt sind, Fachschulen höheren Ranges, wie eine landwirtschaftliche Mittelschule, Industrie- und Kunstgewerbeschule, "echnikum und Realschule, Lehrerseminar u. dgl. den vbschluß bilden. Das Gymnasium mit humanistischem Programm aber sollte nur einer auserlesenen Schar mit besonderer Veranlagung für wissenschaftliche Berufe ugänglich sein. Freilich, betrachtet man das Land, wie es jetzt ist, lann gehen die bereits vorhandenen und demnächst entstehenden höheren Schulen schon über seinen engen Bedarf hinaus. In der Tat werden die Zöglinge dieser Schulen, die Techniker sowohl wie die akademisch gebildeten wie sogar die Lehrer zum Teil darauf angewiesen sein, nicht in Palästina ihren Beruf auszuüben, sondern ihre Intelligenz und Bildung in den Dienst anderer Länder der sich verjüngenden Türkei zu stellen. Das Land eben braucht Bauern und Qewerbler, aber noch wenig „gebildete" Berufe. Aber ebensowenig wie die ganze Ansiedlungsarbeit sich in systematische Formen bringen ließ und die den Anomalien des Qolus entspringenden Unregelmäßigkeiten gerne mit in Kauf nehmen muß, muß man auch im Schulwesen Sprünge sich gefallen lassen. Das Gymnasium, welches vielleicht gegenüber der allgemeinen Entwicklung des Landes noch etwas verfrüht war, hat neben seiner hohen Bedeutung als Pflanzungsstätte nationalen Geistes in rein kolonisatorischer Beziehung einen großen Zweck erfüllt, indem es viele Familien (Familien, nicht Kinder allein!) von der Auswanderung aus Palästina zurückhielt und viele andere aus dem Golus nach dem Lande brachte. Vielleicht wird auch die Hochschule früher kommen, als das Land dafür reif sein wird. Dennoch wird sie vielleicht früher kommen, als wir selbst zu hoffen wagen, nicht weil das Land eine Akademie braucht, sondern weil das Judentum im Golus eine hebräische Akademie braucht, weil das Judentum desGolus neue Heiligtümer in Palästina sich errichten muß, um aus ihnen neue Kraft zu schöpfen! Das Hebräische Gymnasium in Jaffa (Bericht über das letzte Jahr) Das wichtigste äußere Ereignis im Leben des Gymnasiums ist der Bau des neuen Gebäudes, das wir der Mumfizenz unseres Freundes und Gönners, Hirrn Alderm *n Jakob Moser, verdanken. Als Herr Moser mit seiner Gattin zweimal nacheinander Palästina und das Gymnasium besuchte, machte das innere Leben der Schule einen so tiefen Eindruck auf ihn, daß er in großartiger Weise 2U den bereits gespendeten 80000 Fr. noch weitere 45 000 Fr. hinzufügte. Jetzt ist dank ihm das Werk, das den Namen Theodor Herzls trägt, bereits zur Tat geworden. An dem einen Ende von Te!-Awiw erhebt sich der Bau, die Herzlstraße mit seinem mächtigen Portal abschließend, ein Wahrzeichen der neuen Siedelung, von überall sichtbar, alles überragend. Es ist t in Werk des begabten Arcnitekten Barsky, in einem ganz originellen Stil, mit Benutzung alter semitischer Motive gebaut. Innen ist er mit geräumigen, lichten, luftigen Sälen und mit breiten Wandelhallen ausgestattet; im ersten Stockwerk befindet sich die Aula des Gymnasiums, die auch für die Abhaltung von Versammlungen und Theatervorstellungen verwendet werden soll. Von einzelnen Zimmern genießt man einen entzückenden Blick auf das malerisch^ gelegene Ja*fa und auf das Meer. An das Gebäude schließt sich -ein großer Hof an, binnen kurzem wird auch ein botanischer Garten angeleg werden. — Das Haus ist bereits von außen und innen vollständig fertiggestellt, so daß wir schon mit Beginn des neuen Jahres die Arbeit darin beginnen können. Den Aufschwung, den das Gymnasium im letzten Jahre genommen hat, erkenmn wir äußerlich, wenn wir den Stand der Schüler in diesem Jahre mit dem Stand der Schüler im Vorjahre vergleichen. Folgende Tabelle wird die Sache veranschaulichen: Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen im Jahre 5669 8 16 17 23 21 11 29 im Jahre 5670 13 11 25 22 31 28 28 35 1. Vorbereitungsklasse 2. 3. 1. Klasse 2. „ 3. „ 4. 5. „ Zusammen 125 Schüler im Jahre 5669 193 Schüler im Jahre 5670 Der Zuwachs beträgt also 68 Schüler. Von den Schülern waren Zusammen 105 Knaben 88 Mädchen Die erste Tabelle zeigt uns, daß die Schülerzahl von den untern Klarsen gegen die obern Klassen zunimmt. Dies findet seine Erklärung in dem Umstand, daß ein großer Teil der Schüler aus andern Schulen und andern Ländern an unsere Anstalt kommt, nachdem er sich für eine der höhern Klassen vorbereitet hat. Unsere Anstalt wird so ein Sammelort der Verbannten, ein rpra pup Wir haben außer den Pa;ästinensern Schüler aus Amerirka, Australien, Südafrika, aus allen Teilen Rußlands, aus Rumänien und Portugal. Das, was die Schüler trotz all ihrer Verschiedenheiten einigt und untereinander verbindet, ist die Sprache — das Hebräische, und die Liebe zum Lande — zu Palästina. Mit dem Ende des fünften Jahrgangs haben wir den mittlem Teil unseres Programms beendigt; wir bemühten uns, in den fünf ersten Klassen, denen drei Vorbereitungsklassen vorausgehen, den Schülern ein System von Kenntnissen zu vermitteln, das sie befähigt, Knaben Mädchen '■ 5- 11 2 1. Vorbereitungsklasse 1!) 2 9 2. 13 12 3.! h 11 11 1. Klasse 18 13 2. „ \i 17 11 3. „ < \ "1 9 19 4. „ \.) 24 11 5. „ V\:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.