Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 DlE^ELT 1053 Die Schule muß im Gegensatz zu ihrer bisherigen Leistung mit dem Guten, das sie durch ihre Bildung bringt auch das Oute, das sie in diesen Naturkindern übernimmt: die Anspruchslosigkeit und Fähigkeit zu allen Arbeiten, nicht ausrotten. Dies kann nur die nationale Schule, die Liebe zum Lande ihren Kindern einpflanzen kann, erreichen. Dann wird es keinen Mangel an Arbeit geben. Unsere Kolonien allein werden eine zehnfache jüdische Bevölkerung als sie heute haben, ernähren können. Je höher die Schule wird, desto breitern Umfang darf der Sprachunterricht in ihr einnehmen. So hat Sprachen zu pflegen: neben der hebräischen die arabische, die als Schwestersprache mit ihrer Literatur, die zugleich auf unsere Literatur von so hohem Einfluß war, nicht gleichgültig sein kann, die türkische Sprache, die unsere auf die Arbeit im türkischen Reiche angewiesene Intelligenz gründlich kennen muß, und schließlich mindestens eine oder sogar zwei westeuropäische Sprachen mit ihrer Literatur, wohl Französisch und ev. noch Deutsch.3) Im übrigen aber dämme man das viele Sprachstudium ein, schon um das Bildungsniveau unserer orientalischen Brüder dadurch zu heben. Für sie nämlich ist heute Bildung Die Zöglinge des Kindergarten I des Hilfsvereins der deutschen Juden zu Jerusalem auf dem Spielplatz denn das Gymnasium bereits die Pflicht, mehrere werde als der erste dafür eintreten, daß die Alliance all ihre Anstalten der zionistischen Organisation zur Verwaltung übergebe, wenn wir den Beweis erbracht hätten, daß die Zöglinge hier im Lande bleiben und sich ernähren können. Herr Dr. Porges vergaß aber leider hierbei, daß es in der Tat für alle eine Möglichkeit gebe, im Lande zu bleiben, und daß vielleicht die Schulen den ersten Anstoß zur Auswanderung geben. Wie nämlich die Araber ohne Schulen und mit bescheidenen Bedürfnissen, im Lande ihre Ernährungsquelle finden und an eine Emigration gar nicht denken, so sind auch die autochthonen und überhaupt orientalischen Juden sehr wenig auswanderungslustig, weil in ihren Ansprüchen bescheiden und arbeitsam. Erst die Schule steigert die Ansprüche und gibt den Anlaß zum Aufsuchen eines neuen Landes, wo man sie eher befriedigen zu können hofft. Ob aber damit die Schulen eine Kulturmission erfüllen, scheint mir mehr als zweifelhaft. Ich meinerseits ziehe den ungebildeten, abgerissenen, aber bodenfesten, aller Ansprüche beinahe baren, aber natürlichen und zufriedenen Feilachen dem halbgebildeten Großstadtprotzen, den die Allianceschulen herauswerfen, in seiner menschlichen Wertigkeit vielmals vor. und Sprachkenntnis gleichbedeutend. So haben daher zumeist auch die sogenannten Intelligenten, Ärzte, Advokaten usw. ein außerordentlich lückenhaftes positives Wissen und fast gar keine Gemütsbildung, dagegen prahlen sie mit vielen Sprachen, die sie zumeist auch nur oberflächlich und inkorrekt beherrschen.2) 3. Vielumstritten ist die Frage, welche Stellung die religiöse Erziehung im Programm unserer Schulen einnehmen soll. Während die einen der Ansicht sind, *) Ich möchte nicht einmal gerne das Studium der griechischen Sprache im Gymnasium aufgeben, um unsere gebildete Jugend mit den wichtigsten Grundlagen der klassischen mittelländischen Kulturwelt bekannt zu machen. Man muß jedoch darauf, da es sie zu sehr belasten würde, aus praktischen Gründen verzichten. *) Konsequenterweise müßten natürlich als die Gebildeten die Hotelkellner gelten, die sich immer in 6—8 Sprachen mit ihren internationalen Gästen verständigen können.