Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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1052 DIE3§KELT No. 41 Jugenderziehung. Will man neben der Nationalsprache die Landes- und Reichssprache und eine europäische Sprache, wie es viele als Minimum betrachten, den Kindern beibringen, dann bat man schon vier Sprachen, ein Pensum, welches Kinder im zarten Alter unmöglich bewältigen können. In dieser Hinsicht muß einmal Klarheit geschaffen und den elementarsten Forderungen der Pädagogik Rechnung getragen werden. Als obersten Grundsatz hierfür stelle ich auf: Eine gute Bildung kann einem Kinde nur in einer Hauptsprache vermittelt werden. Viele Sprachen bringen eine Zerrissenheit in der Qedankenbildung mit sich.1) Kinder unter zehn Jahren dürfen in nicht mehr als einer Sprache unterrichtet werden. Man halte sich vor Augen, daß es sich darum handelt, nämlich vollständig, wenn man außer dem Sprechen, das man außerhalb der Schule im täglichen Umgang mit der arabischen Bevölkerung ohnehin erlernt, noch lesen und notdürftig schreiben versteht. Eine europäische Sprache ist schon als Repräsentantin des okzidentalen, von den semitischen, hebräischen und arabischen Sprachen so gänzlich verschiedenen Sprachstammes für die Ausbildung des reifern Kindes von Wichtigkeit. Hierbei sind in der Kolonieschule die Kenntnisse der Anfangsgründe, um dem Schüler nur eine Grundlage für eine eventuelle spätere Fortbildung zu geben, genügend, wohingegen in den Stadtschulen allerdings eine etwas gründlichere Ausbildung am Platze ist, die den praktischen Erfordernissen möglichst angepaßt (Schreiben von Geschäftsbriefen, Rechnungen und der- ^V-. \ ,y.. >r'~*V7i v A*W>>t i Kindergarten II des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem Kindern in diesem Alter lediglich elementare Kenntnisse, wie das Lesen und Schreiben in irgendeiner Sprache überhaupt, das richtige Verständnis des Buches in Prosa und Poesie, das Wiedergeben einfacher Gedanken in Schrift, in fehlerfreier Sprache, das Rechnen usw. beizubringen. In diese elementaren Kenntnisse aber gehören niemals Brocken aus verschiedenen Sprachen, die das Kind nicht verdauen kann. In den letzten vier Jahren des schulpflichtigen Alters kann dazu allerdings noch der Unterricht im Lesen und Schreiben der arabischen Sprache und Unterweisung in den Elementen einer europäischen Sprache hinzukommen. Für den allgemeinen Verkehr genügt es *) Ich glaube beobachtet zu haben, daß in Ländern mit einigen mit gleicher Kraft nebeneinander geltenden Sprachen Kinder und Erwachsene weniger exakt sich ausdrücken können und eine viel weniger nuancierte, eine ärmere Sprache besitzen als ihre gleichaltrigen Genossen in Ländern mit vorwiegend einer Sprache. gleichen) und möglichst wenig literarisch sein solL Von den europäischen Sprachen muß der französischen unbedingt der Vorzug gegeben werden als der vorherrschenden Kultursprache des Orients. Wenn aber die Alliance Israelite Universelle in ihren Schulen in weit übermäßiger Weise die französische Sprache pflegt und als Qrund hierfür angibt, ihren Zöglingen damit die Möglichkeit eines Erwerbes im Auslande zu sichern, so ist dagegen zunächst einzuwenden, daß die Hauptimmigrationsländer, die für die große Masse in Betracht kommen, wie Ägypten, Australien, Amerika, Südafrika, gerade ausschließlich Länder mit englischer und nicht französischer Sprache sind. Dann ist aber die — gewissermaßen zielbewußte — Erziehung zur Auswanderung überhaupt ganz verhängnisvoll.2) 2) Herr Rabbiner Porges aus Leipzig, der vor zwei Jahren zusammen mit Professor Levy und Herrn Benedict aus Paris die Allianceschulen inspizierte, sagte dem Schreiber dieser Zeilen, er