Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53839-3347608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No,4l DIE'3§KLT 1051 Die erfreulichste Erscheinung des neuen jüdischen Lebens in Palästina bilden die Schulen der Kolonien. Auch die kleinsten Kolonien besitzen ihre Schulen, die zumeist wohl eingerichtet sind und von ihrem Berufe mit hohem Pflichteifer ergebenen Lehrern geleitet werden. Fast alle galiläischen und ein großer Teil der übrigen Schulen werden von der J. C A. subventioniert. In Judäa gibt es in den Kolonieschulen 535 Kinder, 230 Knaben und 305 Mädchen*); in Samaria 253Kinder, 113 Knaben und 140 Mädchen; in Galiläa zirka 650 Kinder, 350 Knaben und 320 Mädchen. Die Kolonieschüler sind überall ziemlich gleich organisiert, ihre Lehrer sind von gleichen Bestrebungen beseelt und bereit, Reformen, die von der Repräsentanz der gesamten Lehrerschaft vertreten werden, durchzuführen. Im übrigen bildet das palästinensische Schulwesen noch ein buntes Vielerlei mit verschiedenen Lehrsprachen, verschiedenen Programmen und verschiedenen Zielen. Dieser Zustand kann nicht lange anhalten; mit der Zeit muß sich die einheitliche, von einem Prinzip getragene nationale Schule ausbilden und behaupten. Schulgebäude in einer Kolonie II. Die moderne nationale Schule Es wird g die moderne na! angenommen ha' zu ihrem klaren Hauptpunkt, auf über alle Zweifel gehoben, und der Zeitpunkt nicht fern ist, in eine geraume Zeit verstreichen, bis Schule einen festgebildeten Typus sie durch eine sichere Methode ffe sich' durchgerungen hat. Der den sie sich stützt, ist jetzt schon man darf hoffen, daß dem auch die nichtnationalen Schulen in Palästina vor dieser Erkenntnis sich beugen und ihr in praxi nachgeben werden: 1. Die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen Palästinas darf nur die hebräische sein. Für unsere nationalen Aspirationen ist dieses Postulat natürlich eine conditio sine qua non. Die nationale Regeneration unseres Volkes im Lande unserer Geschichte kann nur mit der Wiederbelebung unserer nationalen Sprache beginnen. Die Erstarkung der hebräischen Sprache in Palästina ist für uns vielleicht auch der einzige Trost für die letzten Jahre, in denen die Kolonisation beinahe stille gestanden hat. Als nationaler Organismus hat die palästinensische Judenheit in den letzten Jahren an Kraft zugenommen, wenn auch dieser Organismus noch von einer sehr zarten Struktur ist. Diese Stärkung aber ist hauptsächlich auf die Ausdehnung der nationalen Schulen zurückzuführen, von wo aus die hebräische Sprache ausgegangen ist und in immer weitere Schichten Schulkinder in Petach-Tikwah mit zunehmender Intensität eindringt. Die hebräische Sprache ist also gegenwärtig, so kann man sagen, ein realer Machtfaktor, mit dem auch nichtnationale Elemente, welche am jüdischen Schulwesen sich beteiligen wollen, früher oder später rechnen müssen. Aber auch aus rein pädagogisch-praktischen Motiven kann die hebräische Sprache einzig als Unterrichtssprache gelten. Nur sie kann die Sprachenverwirrung, unter der die palästinensische, aus allen Teilen der Welt hergekommene Judenheit leidet, überwinden, die vielen verdorbenen Dialekte, die einer kulturellen Fortentwicklung nicht fähig sind, beseitigen und die Kinder Litauens, Polens, Rumäniens, der Krim und des Kaukasus, Marokkos, Algiers und Jemens, Mesopotamiens, Persiens, Kleinasiens usw. zu einem einheitlichen Volke von Brüdern vereinigen. Nur die hebräische Sprache kann in Palästina den natürlichen Nährboden abgeben *) Ein großer Teil der Knaben besucht die Talmud-Thora, die Mädchen sind alle in der Schule. Schulkinder in Petach-Tikwah für eine geistige und moralische Ausbildung der jungen Generation. Die Darbietung von Kenntnissen in einer fremden Sprache, die dem Kinde in Palästina fremd bleiben muß, ist von einer falschen Note begleitet und bringt eine Kälte in das Herz des Kindes, die eine wahrhafte Durchbildung des Gemütes außerordentlich erschwert. 2. Damit ist die Frage des Sprachunterrichts überhaupt verbunden. Die Vielsprachigkeit ist eines der Hauptübel der palästinensischen Schule un£ der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.