Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
- Safed 2× ep/1046078
- Tiberias 2× ep/1048138
- Hebron 1× ep/1047559
- Odesa 1× ep/1000834
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Das jüdische Schulwesen in Palästina Von Dr. Jakob Thon, Jaffa. Mehr als auf jedem andern Gebiete, konzentriert sich auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina die Tätigkeit der verschiedensten, einander durchaus fernstehenden Kreise des Judentums. Hier kommt es klarer als sonstwo zum Vorschein, wie sehr Palästina ein Brennpunkt für h&w bbz ist, wie sehr die Bestrebungen aller in allen Enden der Welt verstreuten Glieder des ganzen jüdischen Volkes in Palästina sich treffen. Von den vielen Talmud-Thoraschulen und Jeschiwoths über die Schulen der Alliance bis zu den Kindergärten, den jetzigen Kolonieschulen und dem Hebräischen Gymnasium führt eine Leiter mit vielen Stufen, die alle bestimmte Epochen aus den letzten fünf bis sechs Jahrzehnten unserer Geschichte widerspiegeln, gewissermaßen den geologischen Schichten, aus denen sich das Judentum dieser Periode zusammensetzt, entsprechen. Am zahlreichsten sind noch immer die Schulen alten Stils, Talmud-Thora und Jeschiwoth, vertreten. In Jerusalem allein dürfte es solcher Schulen mit nahezu 200 Lehrern und annähernd 4000 Zöglingen geben. Etwa 2500 Zöglinge sind aschkenasischer und zirka 1500 sephardischer, jemenitischer, persischer und sonstiger orientalischer Abstammung. In den übrigen palästinensischen Städten gibt es wohl gegen 20 Schulen dieser Gattung, hiervon in Jaffa 8 mit zirka 20 Lehrern und 450 Kindern, „ Hebron 4 „ 10 „ „ 80 * Haifa 1 „ 3 „50 „ Tiberias 2 „ 13 „ „300 „ Safed 4 „ 25 „ 500 Auch in allen größern Kolonien, wie Petach-Tikwah, Rischon, Rechowoth, Ekron gibt es Talmud-Thoras; in Petach-Tikwah allein zählt die Talmud-Thbra 170 Kinder (gegen 148 in der dortigen Knabenschule). Einen neuen Typus bildet die vor 3 Jahren gegründete Tachkemoni-Schule in Jaffa mit 9 Lehrern und 150 Kindern. Die Unterrichtssprache ist Hebräisch in jetzt üblicher korrekter sephardischer Aussprache, das Lehrprogramm ist das einer modernen Mittelschule mit weitgehendster Berücksichtigung der jüdisch-religiösen Fächer (wie Bibel, Talmud usw.) und mit dem Ziele streng religiöser Erziehung der Kinder. Der Alliance Israelite Universelle gebührt das Verdienst, die ersten modernen Schulen in Palästina ins Leben gerufen zu haben; sie unterhält zwei der größten und für die berufliche Vorbereitung der palästinensischen Kinder wichtigsten Schulanstalten; die Ackerbauschule Mikweh Israel (zugleich die älteste jüdische Niederlassung auf dem Lande in Palästina überhaupt) bei Jaffa und eine Handwerkerschule in Jerusalem. Es ist sehr zu bedauern, daß diese große Gesellschaft nicht der Entwicklung der Zeit und des Landes gefolgt ist und mit den Leistungen ihrer Institute deshalb hinter den Erwartungen, die man an sie berechtigterweise knüpfen konnte, zurückgeblieben ist. Jetzt dürften die Schulen der Alliance in Jerusalem, Jaffa, Haifa, Tiberias und Safed 1800 bis 2000 Kinder zählen. Vom englischen Zweige der Alliance (der Anglo Jewish Association in London) wird die große Mädchenschule der Evelina de Rothschild in Jerusalem mit über 300 Kindern geleitet. Die Unterrichtssprache in der Rothschildschule ist englisch, die der Allianceschulen französisch. Von großer Bedeutung sind die Schulen des Hilfsvereins der deutschen Juden, der in seiner Knabenschule in Jerusalem (begründet von Freifrau von Lämel) 306 und in der Mädchenschule 312 Kinder erzieht. Er unterhält auch eine gehobene Knabenschule in Jaffa, subventioniert in letzter Zeit mehrere Kolonieschulen, in denen als Lehrer Absolventen des vom Hilfsverein begründeten und unterhaltenen Lehrerseminars wirken. In letzterem sowie in der ihm angegliederten Kommerzschule erhalten zurzeit 80 Zöglinge Unterricht. Die Unterrichtssprache in den Schulen des Hilfsvereins ist vorherrschend Hebräisch, in einigen Fächern auch Deutsch. Ein großes Verdienst hat sich der Hilfsverein mit der Errichtung und Ausgestaltung der Kindergärten erworben, welche einen wahrhaften Segen für die palästinensische Bevölkerung bilden. Die Chowewe-Zion in Odessa unterstützen viele Kolonieschulen, besolden den hebräischen Lehrer an einigen Allianceschulen und haben das meiste durch die gänzliche Übernahme der Verwaltung der Mädchenschule in Jaffa geleistet, welche für die nationale Erziehung und für die Verpflanzung der hebräischen Sprache von entscheidender Bedeutung in Palästina war. Sie zählt zirka 300 Kinder. Auch das Hebräische Gymnasium in Jaffa hat sein Entstehen dem Interesse, welches es beim Odessaer Chowewe-Zion- Komitee gefunden hat, in hohem Maße zu verdanken. Das Gymnasium bildet jetzt unsere oberste nationale Erziehungsstätte in Palästina. Es zählte im verflossenen Schuljahre in drei Vorbereitungskursen und fünf Gymnasialklassen 193 Kinder (105 Knaben und 88 Mädchen). Eine Schule sui generis bildet der Bezalel in Jerusalem, der zurzeit etwa 250 Personen beschäftigt und zirka 100 000 Frcs. im Jahre ins Land bringt, welche für redliche und zukunftsreiche Arbeit Familienvätern und Kindern, die ihre Eltern unterstützen, zukommen. Am Bezalel wird auch Zeichnen und Malen gelehrt, sowie im Hebräischen, Turnen und Gesang Unterricht erteilt. Er bildet mit seinem Museum eine Kulturstätte, die großen Einfluß auf die Jerusalemer Bevölkerung ausübt.