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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 53)
Language
German
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No. 41 DlE^ELT 1049 geschickter Art gerecht; und zwar geht die Anpassung der Bauart und die Grundrißbildung der Gebäude an die klimatischen Verhältnisse des Landes so weit, daß in Orten verschiedenen Klimas in Palästina auch verschieden gebaut wird, also z. B. in Jerusalem anders als in Haifa. Nach der Art, wie die Räume eines Hauses gruppiert sind, um auch im Innern des Hauses sich nach Möglichkeit im Freien aufhalten zu können, kann man bei Privathäusern drei Gruppen unterscheiden. Die eine Gruppe legt alle Zimmer um einen offenen Hof, der die Stelle der Diele in unsern Landhäusern vertritt. In diesem Hof spielt sich ein großer Teil des häuslichen Lebens ab; an einer Langseite oder in einer Ecke des Hofes liegt die meist unbedeckte Treppe zum Obergeschoß, dessen Zimmer durch eine Hofgalerie miteinander in Verbindung stehen. Natürlich gibt's hier unendlich viele Variationen. Der Hof kann z. B. mit der einen Seite an der Straße liegen und durch eine Mauer mit dem Eingangstor abgeschlossen sein. (Fig. 4) An der einen Seite des Hofes liegt in der Regel eine offene Spitzbogenhalle, in der der Hausherr die Gäste empfängt. Bei der andern Gruppe von Häusern liegen die Zimmer nebeneinander, und eine vorgelegte offene spitzbogige Säulenhalle bildet einen offenen Korridor und gleichzeitig die Verbindung der Zimmer untereinander. Wie reizvoll diese Anlage wirkt, zeigendie AbbildungenFig.5und6. DiedritteHauptgruppe, die sich mehr europäischen Wohnungsformen anschließt, zeigt als Hauptbestandteil eine meist durch 2 Stockwerke reichende Halle, an die sich rechts und links die andern Wohnräume anschließen. Von der Halle pflegt nach der Hingangsseite eine Garderobe abgeteilt und an der gegenüberliegenden Seite eine offene oder überdeckte Terrasse vorgelegt zu sein, doch stets ohne den Luftdurchzug zu verhindern. (Fig. 7.) Die Notwendigkeit, überall für Luft zu sorgen, hat fast ausnahmslos dazu geführt, über den Zimmerfenstern dicht unter der Decke noch Lüftungsfenster in verschiedenster Form rund, halbkreis- oder rautenförmig, anzulegen, deren Flügel im Sommer herausgenommen werden. Den besten Schutz gegen die Strahlen der Sonnenwärme bieten massive Gewölbe. Die Anwendung des Gewölbebaues wird besonders durch den Holzmangel begünstigt. Die auf die Umfassungswände prallenden Sonnenstrahlen werden durch die bereits erwähnten engvergitterten Fensterläden vom Innern der Zimmer abgehalten. Die äußere Gestaltung der bürgerlichen Bauten Syriens ist der getreue Spiegel von Grundriß und Aufbau. Die arabischen Baumeister Syriens haben verstanden, ohne Aufwendung von ornamentalen Mitteln (im Gegensatz zur arabischen Bauweise in Ägypten und Spanien, bei der das Ornamentale die Konstruktion teppichartig überzieht) mit den einfachen architektonischen Mitteln der großen ruhigen Mauerflächen, mit den geschickt in die Fläche gesetzten Fensteröffnungen charaktervolle und eigenartige Architekturbilder zu schaffen. Die charakteristische Architekturform ist der Spitzbogen, weleher teils selbständig, teils auf schlanken Säulen auftritt. (Fig. 8 und 9). Hier und da wird ein Erker mit zierlichem Gitterwerk oder reicheres Portal in pikanten Gegensatz zu den ruhigen gequaderten Flächen der Umfassungsmauern gebracht, auch die Fenstersprossen zeigen oft reizende Holzschnitzereien mit pflanzlichen Motiven. (Fig. 10 und 11). Das Haus schließt entweder mit der ruhigen horizontalen Dachlinie ab oder mit einem Zinnenkranz, der in seiner Funktion als Geländer der Plattform mit seiner zackigen Umrißlinie sich reizvoll gegen den blauen Himmel abhebt. All diese einfachen architektonischen Mittel geben den syrischen Städten ihr einheitliches orientalisches Gepräge, das sich im Geiste der Beschauer untrennbar mit der eigenartig schönen Landschaft und mit dem Pflanzenwuchs des Landes, der Palme, dem Ölbaum, dem Kaktus, zum einheitlichen Begriff und zum harmonischen Gemälde formt. Leider zeigt sich bei den neuem Bauten des Landes nur in den allerseltensten Fällen das Bestreben, sich dem Charakter der dortigen Bauweise anzupassen, und hier wie in andern Ländern, z. B. Japan, kommt man für die Architektur zu dem Ergebnis, daß durch die Berührung mit der europäischen Kultur die künstlerische Eigenart, die am augenfälligsten sich in den Baulichkeiten ausspricht, verwässert und verflacht. Rühmliche Ausnahmenvon solchen allerorts begangenen ästhetischen Rücksichtslosigkeiten bilden das englische Hospital in Jerusalem, das sich mit großem Geschick dem Lokalkolorit anpaßt, und das neue hebräische Gymnasium in Jaffa, das kürzlich fertig geworden ist. Gerade wenn man ein Land kulturell erobern will, müßte man die künstlerischen Resultate der vorhandenen Kultur des Landes nicht verdrängen und schließlich verwischen, sondern sie mit feinstem künstlerischem Instinkt erfassen und durch Nutzbarmachen der durch die Fortschritte der europäischen Technik gegebenen Mittel zu weiterer Entwicklung führen. Und so werden diejenigen Ansiedler Palästinas den größten Erfolg haben, die auch in ihren Bauten — und seien es auch nur Nützlichkeitsbauten, — den einzig sichtbaren und bleibenden Denkmälern ihres Wirkens, ein Stück wirklicher künstlerischer Kultur ins Land bringen. ^ertJtr -&fT3it£t Jüdisches Institut für Technische Erziehung, Haifa. Entwurf: Regierungsbaumeister Alex Baerwald

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