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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 52)
Language
German
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ist das aus Kleinasien beschaffte Kathraniholz, das aber nur in sehr schwachen Balken vorkommt. In den Decken und Dächern werden diese Balken infolgedessen in ganz kleinen Abständen von ca. 40 cm verlegt. Auch die Gerüste für große Bogen und schwere Gewölbe werden aus diesen schwachen Hölzern in äußersts naiver Weise hergestellt, so daß dem europäisch geschulten Architekten die Haut schaudert. (Fig. 3.) Aber gerade im Gewölbebau erzielen die Araber mit den primitivsten Mitteln hervorragende Resultate; wird doch auf dem Stangengerüst die eigentliche Form für die Wölbung aus Reisig und Kamelmist hergestellt! — Auch hier beim Decken- und Gewölbebau hat die neue Zeit mit ihren Eisen- und Betonkonstruktionen ihren siegreichen Einzug gehalten. Gibt es doch bereits in Jaffa und Haifa Eisengießereien und Werkstätten für Eisenkonstruktionen. Die Bautischlerei wird in den Städten mit ziemlichem Geschick betrieben; natürlich darf man die Arbeitennichtmit den europäisch maschinell hergestellten vergleichen. Eine wirklich künstlerische Tischlerarbeit entwickeln die Araberin derHerstellung der zierlichen Fensterläden und Erkervergitterungen, die unter dem Namen Muscharabije bekannt und berühmt sind. Die Fabrikation von Glas, dessen Erfindung die Welt doch den Phöniziern verdankt, ist nach dem Scheitern des großzügig angelegten Rothschildschen Versuchs — der Glasfabrik in Tantura — in Palästina erloschen. Heute wird es aus Frankreich importiert. Die Fußböden werden meistens aus Fliesen hergesteilt, die im Lande selbst, und zwar in Fabriken in Jaffa, nach reizenden teppichartigen Mustern erzeugt werden. Für opulentere Anlagen kommt der dauerhaftere und schönere Fußbodenbelag aus Marmorplatten, die aus Italien importiert werden, in Frage. Interessanter als die Beschaffung der Baumaterialien, deren hauptsächlichste wir erwähnten, ist die Arbeiterfrage. Im allgemeinen werden arabische Arbeitskräfte in Frage kommen. Der arabische Bauarbeiter arbeitet nur, wenn er muß, und ist an ein stetiges und schnelles Arbeiten kaum zu gewöhnen. Hat er etwas verdient, so läßt er Arbeit Arbeit sein und erholt sich im Schöße seiner Familie. Verlangt man von ihm eine eilige Arbeit, die noch am selben Tag erledigt werden soll und die nur wenig Zeit in Anspruch nimmt, so wird er in der Regel zur Antwort geben: „bukra" d. h. „morgen." Und aus dem „morgen" wird meist „übermorgen". Die Fig. 10: Haus in Jaffa Arbeitslöhne für Handwerker betragen ca. 2 Frs. pro Tag. Steinhauer bekommen ca. 4—6 Frs. täglich und Maurer, d. h. Leute, die die Werksteine versetzen, 9—10 Frs., also etwas mehr wie die Maurer in Berlin. Der Mörtel wird von Kindern, Jungen und Mädchen, bereitet und den Maurern zugetragen derart, daß ungefähr eine Portion von 10 Kellen Mörtel auf ein Holzbrett gepackt wird, welches das Kind auf dem Kopfe die Leiter heraufträgt. Daß ein Gebäude mit einer gezimmerten Rüstung oder auch nur mit einer Stangenrüstung versehen wird, kommt nicht vor. Das Material wird nicht heraufgewunden, sondern auf an die Mauern gelehnten Leitern heraufgetragen. Die Araber schleppen so 4—6 Zentner schwere Werkstücke herauf. Der Maurer, der nun auf dem zu erbauenden Pfeiler steht, mauert demnach die Steine, die ihm zugetragen werden, unter seinen Füßen hoch und steht dabei immer auf dem letzten, eben vermauerten Stein. Das Wasser wird in Schläuchen aus Ziegenfellen der Baustelle zugetragen, dabei soll es vorkommen, daß die Araber, um nicht so viel tragen zu müssen, den Schlauch nur teilweise mit Wasser füllen und den Rest mit Luft auf pusten! Es sieht sehr drollig aus, wenn ein Mann, der die Straße sprengen soll, das eine Bein des Ziegenfellschlauches, den er auf dem Rücken trägt, hervorholt, es aufbindet, das Wasser in eleganten Kurven herausströmen läßt und selbst erstaunt ist, daß der Schlauch auf seinem Rücken schon nach einigen Sekunden schlaff und leer ist. Während, wie wir sahen, für die Anlage von Ansiedlungen die Wasserfrage, die Baumaterialienbeschaffung und die Arbeiterfrage bestimmend sind, hat auf die Grundrißdisposition und die Konstruktion des Gebäudes selbst das . Klima Palästinas den größten Einfluß. Die Regenperiode, der schnelle Wechsel von großer Hitze am Tage und energischer Abkühlung mit reichlicher Taubildung in der Nacht, die tageiangen Windstillen bei heißestem Sonnenbrand stellen dem entwerfenden Architekten besondere Bedingungen. Das tropische Klima ermöglicht dem Bewohner, das ganze Jahr im Freien zu verweilen. Die jährliche Regenperiode erfordert das flache Dach, der schroffe Temperaturwechsel verlangt starke Wände, am besten mit einer Isolierschicht, und gegen den erschlaffenden Chamzin oder Schirokko gibt es nur ein Mittel: Luftströmungen im Innern der Wohnräume zu schaffen. Allen diesen Bedingungen wird die in Palästina angewandte bodenständige Bauweise in außerordentlich Fig. 11: Portal an einem Haus in Haifa

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