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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 49

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 49)
Language
German
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No. 41 DIE^qKE LT1 1045 7ii schaffen, sondern nur Verfallenes wiederaufzurichten. Es gilt nur, das Land in seinen ehemaligen normalen Zustand zu versetzen. Alle dahin zielenden Maßnahmen werden aber auch gleichzeitig andern als sanitären Zwecken, insbesondere den agronomischen, dienen. Die Wasseranlagen z. B. werden Ödland der Kultur erschließen und gleichzeitig das Gebiet von Malaria befreien. Auf der Höhe der Kultur wird das Land gesund und heilkräftig sein, und es wird auf ihm ein neuor gesunder jüdischer Menschenschlag erblühen können. Ärztliche Aufgaben in Palästina Von Dr. Hillel Joffe, Sichron-Jakob Es wurde schon öfters darauf hingewiesen, daß das Klima Palästinas so günstig ist, daß man nur mit einer geringen Sterblichkeitsquote zu rechnen hat. Anderseits ist aber das Klima mi manchen Stellen des Landes den Dingen, die ein ruhiges Entfalten der Bevölkerung bedingen, recht ungünstig. Fieber und Augenkrankheiten bestimmen das Bild der palästinensischen Pathologie. Sie bilden, auch wenn man von einigen als Krankheitsherde besonders gefährlichen Orten absieht, ein rocht starkes Hindernis für die Seßhaftmachung von Familien und die Ansiedlung einer großem Zahl von Arbeitern. Denn gerade die in schiechtem hygienischen Verhältnissen lebende ärmere Klasse ist nicht in der Lage, versteht es auch manchmal nicht, sich gegen Wechselfieber und Übertragung der Augenkrankheit zu schützen. Wenn die Fieberanfälle auch nicht ernstlich gefährlich sind, so tragen sie bei einer Wiederholung doch leicht zur Schwächung und Entmutigung des Arbeiters bei. Auch neigt er dann desto leichter zur Ansteckung, je öfter er das Fieber gehabt hat. Das ist eine recht gefährliche Sache, denn wir dürfen nicht vergesser),-daß jeder ernstliche Fortschritt der jüdischen Kolonisation Palästinas notwendigerweise auch die An- >iedlung einer großem Zahl Proletarier mit sich bringt. Wir müssen gestehen, daß von unserer Seite auf diesem Gebiete bis heute nichts geschehen ist. Es wurden keine systemarischen Studien angeregt und auch kein Versuch unternommen, die Fragen der hygienischen Bedingungen in den verschiedenen Teilen des Landes zu beleuchten und nach Mitteln zu suchen, um die ungünstige Wirkung des Klimas abzuschwächen. Nur vereinzelt sind einige Artikel von Ärzten Uber bestimmte palästinensische Krankheiten veröffentlicht worden. Es sind auch einige vergebliche Versuche von einzelnen Persönlichkeiten unternommen worden, das Publikum für diese Fragen zu interessieren. Aber 'las ist alles. Der gegenwärtige Moment sehoint uns nun sehr geeignet, diesem Mangel abzuhelfen. Man spricht jetzt von dem biologischen Institut, dessen Plan mir allerdings recht flüchtig skizziert rscheint. Wir unterstützen ferner die Gründung der landwirtschaftlichen Versuchsstation, einer großangelegten wissenschaftlichen Einrichtung, die ihro Aufgaben sicherlich sehr systematisch und ernst auf einer großen Basis durchführen wird. Viele Angelegenheiten, mit denen sich diese Station zu beschäftigen hat, streifen das Gebiet der Hygiene und Gesundheitspflege. Endlich hat auch der Plan einer Organisierung der jüdischen Arzte in Palästina nunmehr Aussichten auf Verwirklichung, nachdem nicht nur einige Ärzte an Ort und Stelle für diese Idee arbeiten, sondern auch das Odessaer Komitee mit konkreten Zusagen hervorgetreten ist, welche ein mehr als platonisches Interesse verraten. Ich bin überzeugt, daß dieser Plan, wenn -sich diese Bemühungen konzentrieren und führende Persönlichkeiten die Bestrebungen in die rechte Bahn und in eine praktisch verwirklichungsfähige Form bringen werden, Palästina im allgemeinen und insbesondere unsern Brüdern in diesem Lande von größtem Nutzen sein wird. Wenn auch nur der geringste Zweifel darüber bestehen würde, ob die Idee des biologischen Instituts in ihrer Auslührung des Mannes würdig sein wird, dessen Namen es tragen soll, oder ein Zweifel, ob man in Palästina die auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden beruflichen Kräfte finden wird, und ob man alles das wird einrichten können, was zur Durchführung des nesigen allgemeinen Programms erforderlich ist, so wäre die Gründung des Instituts eine sehr gewagte Unternehmung. Anders ist es natürlich, wenn man sein Programm auf die Erforschung und Bekämpfung der hauptsächlichsten Landeskrankheiten beschränkt. Anders wäre es natürlich auch, wenn man das Institut unter Beibehaltung seiner vollständiger Unabhängigkeit an die landwirtschaftliche Versuchsstation angliedern würde. Es ist zwar eine bescheidene Aufgabe, sich nur mit der Malaria und den Mitteln zu ihrer Heilung zu beschäftigen, aber sie ist auch leichter durchzuführen und verspricht reiche Resultate. Immerhin gehören auch hierzu recht umfangreiche Forschungen. Es handelt sich um allgemeine Maßregeln: um die Reinigung der Luft, um die Vernichtung der Anophelesfliege (einer besondern Möskitoarfc, welche den Malariaparasiten überträgt), um die individuelle Hygiene, und schließlich gehören dazu auch Vorstudien, die unter Umständen der Wissenschaft manche überraschende Ergebnisse liefern können. Die Wissenschaft hat vielleicht noch nicht ihr letztes Wort über die Ursachen der Malaria, ihre Ubertragbarkeit und ihre verschiedenen Ausdrucksformen, wie auch über gewisse Komplikationen bei ihrer Behandlung gesprochen. Es gibt noch manche unaufgeklärte Fragen und noch viel-e Widersprüche in den Behauptungen der Gelehrten. Vielo Irrtümer sind darauf zurückzuführen, daß diese Fragen z« sehr aus dem Zusammenhang herausgerissen von den einzelnen Spezialisten behandelt wurden, ohne daß ein genügender Gedankenaustausch stattgefunden oder eine rationelle Arbeitsmethode angewandt worden wäre. Die Lebensgewohnheiten der Anophelesfliege, von der wir eben sprachen, müssen von den Entomologen untersucht werden, die zu gleicher Zeit gewisse Fragen der Hygiene und Pathologie zu beleuchten hätten. Die Arzte anderseits hätten zu beobachten, welche Veränderung in diesen Tierchen durch die Parasiten hervorgerufen wird, welche man dem Blut eines kranken Menschen entnommen hat. Sie hätten außerdem die Wirkung bestimmter heilkräftiger Substanzen zu prüfen. Wichtig ist auch die Frage der Kanalisation, der Austrocknung von Sümpfen, Anlegung von Terrassen, Nivellierung des Bodens, Regulierung der Flußläufe, Errichtung von Kolonistenhäusem usw., lauter Dinge, in denen sich die Interessen der Landwirtschaft und der Hygiene teils berühren, teils widersprechen. Schließlich könnte man durch die Vereinigung des biologischen Instituts mit der Versuchsstation so viel sparen, daß die Errichtung des biologischen Instituts um vieles seiner Aktivierung nähergerückt wäre. Es ist klar, daß das eine Institut das andere keineswegs hindern wird, sich ku entwickeln und sein Forschungsgebiet zu vergrößern, neue Abteilungen und neue Laboratorien einzurichten. Ich glaube im Gegenteil, daß die Nachbarschaft einer mit allen nötigen Mitteln ausgerüsteten wissenschaftlichen Zentrale, deren vorzüglichen Einrichtung wir sicher sein können, eine überaus mächtige Stütze wäre. Die Tatsache, daß man bescheiden beginnt, würde das Prestige der Institution nur erhöhen, welche sich alsdann mehr in realen Bahnen bewegen wird und wohl schon in kurzer Zeit schöne Erfolge zeitigen dürfte. Kehren wir nun zur Organisation der jüdischen Arzte zurück, die schon seit vielen Jahren von einigen Kollegen erträumt, aber bis heute noch nicht geschaffen worden ist. Ohne das Programm dieser Organisation, wie es von einigen meiner Kollegen und von mir öfter gezeichnet worden ist, allzusehr einzuschränken, glaube ich doch hier meine Ansicht mid meinen Wunsch mehr in dem Sinne äußern zu müssen, daß die Tätigkeit der Organisation in erster Linie die Bearbeitung und Vorbereitung solcher Daten betroffen soll, aus denen man praktisch verwertbare Schlüsse ziehen kann und die gleichermaßen von öffentlichem wie privatem Interesse sind. Die Organisation der palästinensischen Arzte könnte recht viel leisten. Sie könnte unverzüglich die Arbeit in Angriff nehmen, indem sie bei der Lösung gewisser hygienischer Fragen die Initiative ergreift, das Problem der Luftreinigung behandelt, allgemeine und individuelle Vorsichtsmaßregeln ausarbeitet, die Gründung von Sanatorien anregt usw. Sie kann durch Anlegung genauer Statistiken über die allgemeine Sterblichkeit sowie die Sterblichkeit infolge spezieller Krankkeiten, über die Sterblichkeit während dor verschiedenen Jahreszeiten, über den Einfluß von Alter, Beruf usw., für die Zukunft ungeheure Dienste leisten. Sie könnte vielleicht auch Berichte über die Behandlung gewisser Krankheitsfälle zusammenstellen, beidenender jung;e Arzt infolge der widersprechenden Meinungen der Autoritäten häufig nicht weiß, was er tun soll. Sie würde mit der Zeit sicher noch viele unaufgeklärte Fragen der exotischen Pathologie beleuchten können. Da jeder Versuch einer gemeinsamen Anstrengung bei uns Juden und besonders in Palästina auf große Schwierigkeiten stößt, wäre es gut, wenn man den Plan etwras mehr und eingehender besprechen würde, damit dann diejenigen Persönlichkeiten und Institutionen, die unserer Ansicht sind, ihre Sympathie für die Organisation zeigen können und so unsere schlafenden Genossen etwas anregen. Natürlich muß das in der rechten Weise geschehen. Dann wird die Idee schon einschlagen; wenn sie aber im rechteu Moment einschlägt, wird sie sich auch durchsetzen. Fiat! □=

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