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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 42)
Language
German
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1038 DIE LT No. 41 die Vorbedingung für das Gedeihen des Instituts. Aus diesem Grunde werden wir auch verlangen müssen, daß der Direktor des Hygienischen Instituts sich auf die ihm zugewiesene Tätigkeit beschränkt und keine Praxis ausübt. Nur auf solche Weise ist Eifersüchteleien und Mißhelligkeiten vorzubeugen, die nur zum Schaden des Instituts auslaufen können. Es wäre wünschenswert, daß die zum Bau nötigen Mittel recht bald beisammen wären, da das Technikum bekanntlich jetzt im Baue ist und durch die gleichzeitige Errichtung unseres Instituts Kosten gespart werden könnten. Das Terrain hoffen wir vom Nationalfonds geschenkt zu bekommen. Wenn sich die Hoffnungen, welche wir au die Gründung des Hygienischen Instituts in Paliistina knüpfen, erfüllen, so wird nicht nur das Land und das Volk, welches dieses Land bewohnt, und dessen Gros hoffentlich bald das unsrige sein wird, den Nutzen davon haben, sondern wir dürfen hoffen, daß es auch ein mächtiges Instrument unserer Bewegung sein wird, welches uns unserm Ziele näher führen kann als manche andern Unternehmungen. Nachfolgend der von unserm verstorbenen Freunde Dr. Arndt verfaßte Aufruf, welchen das obengenannte Ehrenkomitee unterzeichnet hat. Aufruf. Mit dem Aufschwung, den die jüdische Bevölkerung des ottoinanisehen Reiches und speziell Palästinas in den letzten Jahren dank der politischen Ereignisse genommen hat, bewegt sich auch ihre soziale Lage in ständig aufsteigender Entwicklung. Hand in Hand hiermit ist den gesteigerten kulturellen Bedürfnissen der Bevölkerung durch Schaffung bzw. Hebung von Kindergärten, Schulen, Gymnasien, Seminaren Rechnung getragen worden, denen sich neuerdings, dank der Initiative des Hilfsvereins der Deutschen Juden, die Errichtung des ..Jüdischen Instituts für technische Erziehung11 in Haifa anschließt. All diese im besten Sinne kolonisatorische Tätigkeit hat zur natürlichen Voraussetzung die Gesundheit des Landes und die Ilegolung der sanitären Verhältnisse der Bevölkerung. Schon jetzt besitzt Palästina eine große Anzahl europäisch ausgebildeter, teils frei, teils an Spitälern wirkender Arzte, deren Funktion um so schwieriger und eingreifender ist, als sie es einerseits mit zum Teil noch recht rückständigen und armen Bevölkerungsschichten, andererseits mit schweren endemischen Krankheiten, die über weite Gebiete des Landes ausgebreitet sind, wie Malaria und Trachom, zu tun haben. Diese besten Pioniere des Landes sahon sich bisher einzig auf ihre eigene Kraft angewiesen, und der Hilfsmittel, die die moderne Medizin in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht jedem Arzt eines Kulturlandes bietet, fast gänzlich beraubt. Denn die wenigen, meist von frommen Institutionen unterhaltenen Krankenhäuser sind kaum notdürftig imstande, ihre engste Pflegeaufgabe zu erfüllen, geschweige denn jenen weitergehenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Dazu kommt die Unmöglichkeit der wissenschaftlichen Fortbildung des dort lebenden Arztestandes. Die drei im türkischen Orient allein vorhandenen medizinischen Lehrstätten, das amerikanisch-protestantische College in Beirut und die katholische St. Josephs-Universität daselbst sowie die Medizinschule in Konstantinopel kommen teils wegen ihrer weiten Entfernung, teils wegen ihres streng konfessionellen Charakters so gut wie gar nicht in Betracht. Von der Erfüllung größerer dringender Aufgaben, der S ani erung des Landes von Malaria z. B, kann schon angesichts der mangelnden Organisation der Einzelkräfte keine Rede sein. Ein Zusammenwirken aller im Lande bereits vorhandenen sanitären Faktoren ist daher auf das innigste anzustreben. Die Unterzeichneten sind zu der Überzeugung gelangt, daß die Wurzeln der oben genannten Mißstände am wirksamsten durch die Err ich tung eines hygienischen Instituts in Pal ästina beseitigt werden können. Dieses Institut soll den Ärzten des Landes die Möglichkeit bieten: 1. die diagnostischen Hilfsmittel der modernen Medizin auszunutzen durch Anwendung der chemischen, physikalischen, histologischen, bakteriologischen und serologischen Untersuchungsmethoden; 2. schwer zugängliche oder ständiger Kontrolle bedürfende therapeutische oder prophylaktische Hilfsmittel ohne großen Zeitverlust zu erhalten, wie Heilsera, Vaccine, Organpräparate; o. Abhaltung von Fortbildungskursen über die wichtigsten den obigen Methoden zukommenden Disziplinen; 4. Bereitstellung von Arbeitsplätzen für eigene wissenschaftliche Untersuchungen; 5. Literarische Beihilfe durch Unterhaltung einer fach wissenschaftlichen Bibliothek und Vermittlung mit fremden Bibliotheken. Die Landwirtschaft soll das Institut fördern durch Errichtung einer besondern, unter der Leitung eines eigens ausgebildeten Tierarztes stehenden Abteilung für Tierseuchen. Die Belehrung und Aufklärung der Bevölkerimg über die wichtigsten hygienischen Fragen soll durch Flugschriften, Vorträge und Einwirkung auf die Schulen erfolgen. Den Gemeinde- und Regierungsbehörden soll das Institut bei allen sanitären Einrichtungen als beratende und untersuchende Stelle zur Seite stehen. Es wird von den Unterzeichneten Wert darauf gelegt, daß bei all diesen praktischen Obliegenheiten der wissensch aftl iche Charakter des Instituts auf das strengste gewahrt bleibt. In der Inneha'tung dieses Grundsatzes wird eine Gewähr dafür gesehen, daß das Institut sich zu dem Vertrauen des engern Landes und der türkischen Kegierung auch dasjenige der im Orient und Europa bestehenden hygienischen Schwesterinstitute erwirbt, so daß es mit der fortschreitenden Entwicklung des Landes und der eignen Hilfsmittel in den Stand gesetzt wird, Aufgaben größern Stils in die Hand zu nehmen. Insbesondere kommt bei der geographischen Lage Palästinas in Betracht, daß durch die neuen Bahnverbindungen mit dem südlichen Arabien — Hedschasbahn — einerseits und nach Vollendung der Bagdadbahn mit Konstantinopel andererseits die Gefahr der Seueheneinschleppung( Cholera und Pest) nicht bloß für Palästina, sondern auch für Europa in greifbare Nähe gerückt worden ist. Als Ort für die Errichtung des Instituts ist die Hafenstadt Haifa ausersehen worden. Haifa ist der Punkt, wo die von Mekka kommende Hedschasbahn das Meer erreicht, und wird nach vollendetem Ausbau des Hafens wohl binnen kurzer Zeit einer der wichtigsten Knotenpunkte des Seeverkehrs jener Gegenden sein. Hier ist daher der gegebene Platz für ein Institut, das bestimmt ist, seine Wirksamkeit über weite Gebiete zu erstrecken. Die Gesundheitsverhältnisse Palästinas Von Dr. Aroit Sandler-Breslau Das Kapitel aus der Landeskunde Palästinas, das hier dargestellt werden soll, muß je nach den Zwecken, denen die Darstellung zu dienen bestimmt ist, sehr verschieden behandelt werden. Für die Leser dieser Zeitschrift kommt nicht eine systematische Anordnung des Stoffes in Frage, sondern seine völlige Unterordnung unter den praktischen Gesichtspunkt der kolonisatorischen Tätigkeit, eine Gruppierung der Einzelangaben, die auch ein Urteil über die zukünftigen sanitären Chancen unseres Kolonisationslandes ermöglicht. Zweifellos ist die Kenntnis dieser Zustände von unmittelbarster, oft einschneidender Bedeutung für jede Siedelungst'ätigkeit. Manche bittere Erfahrung, manche Enttäuschung wäre den jüdischen Pionieren in Palastina erspart geblieben, hätte man in besserer Kenntnis der Gesundheitszustände des Landes auf diese Faktoren mehr Bück sieht genommen und darnach die Auswahl des Bodens bei der Gründung von Kolonien getroffen. Noch heute stehen wir vor schwierigen Assanierungsaufgaben, mit denen wir uns in jenen Jahren unnötig belastet haben. Aber nicht nur die momentane Arbeit im Lande muß der sanitären Einsicht Rechnung tragen, sondern wichtiger noch ist der weite Ausblick in eine fernere Zukunft, in der das Land unserer Väter wieder das Heim unserer Enkel geworden ist. Ist dieses unser Zukimftsland „gesund" oder verseucht? Ist es mit Leichtigkeit, ist es nur unter großen Opfern möglich, die bestehenden Schwierigkeiten zu beseitigen? Ist der Kampf aussichtsreich? Kann unser Volk in dem Lande, in dem es politisch, sozial und wirtschaftlich gesunden soll, auch körperlich gesunden? In knapper, populärer Darstellung sollen hier also, unter Übergehung aller strittigen Fragen, diejenigen gesicherten Resultate zusammengestellt werden, die eine Beantwortung jener bedeutsamen Fragen ermöglichen — in einer Anordnung, die nur dem praktischen Interesse Rechnung trägt.*) Die Gesundheitsverhältnisse eines Landes sind zumeist letzten Endes durch seine geographische Lage und seinen geologischen Aufbau bedingt. Aus ihnen ergeben sich z. B. die Grundwasserverhältnisse, die Wind- und Regen Verteilung und sonstige klimatische Eigentümlichkeiten des Landes, von denen aus wir auf verschlun- *) Die bezügliche Literatur ist außerordentlich zerstreut. Nur wenige der mitgeteilten Resultate gehen auf eigene Erkundigung und Beobachtung im Lande zurück, die meisten auf das Studium der ältern und neuern Quellen; von ältern sind hauptsächlich die Schriften von Tobler und Bernhard Neumann, von jüngern besonders die von Cropper, Masterman und Joffe benuszt worden.

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