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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 41)
Language
German
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No. 41 DIE3^ELT= 1037 der dort zu wohnen gezwungen ist, Mosquitonetz© und andere Schutzmaßregeln gebraucht. Eine geringere Rolle spielt das Maltafieber und die Orientbeule, deren Bekämpfung auch nicht so umfangreiche Aufwendungen erfordert wie die der Malaria. Nicht selten sind in Palästina Seuchen, die aus Persien, Mesopotamien oder andern östlich gelegenen Ländern eingeschleppt werden, vor allem Pest und Cholera. Da ist es die Aufgabe des hygienischen Institutes, Quarantäne und Isolierungen anzuordnen, um ein Umsichgreifen der Seuchen zu verhindern. Bisweilen nehmen auch Typhus und Ruhr einen epidemischen Charakter an; man kann beide nicht nur auf demselben Wege an der weitern Verbreitung hindern, sondern es muß auch der Ansteckungsstoff außerhalb des infizierten Körpers vernichtet werden. Das hygienische Institut muß dafür sorgen, daß das Trinkwasser frei von Infektionserregern ist, und daß die Dejekte der Erkrankten derart beseitigt werden, daß eine Ansteckung Gesunder unmöglich wird. Eine gute Kanalisation empfiehlt sich schon aus diesem Grunde. Von Krankheiten, deren Übertragung im Allgemeinen direkt von Mensch zu Mensch erfolgt, sind außer den auch hei uns öfters einen epidemischen Charakter annehmenden (Masern, Scharlach) vor allen Dingen die Pocken zu erwähnen. Ihre Übertragbarkeit ist ungeheuer, so daß selbst die größte Eeinlichkeit keinen zuverlässigen Schutz gewährt. Seit Jenner s Entdeckung kennen wir den Wert der Impfung gegen die Pocken, und es ist deshalb die Aufgabe des hygienischen Institutes, einwandfreie Lymphe herzustellen und die Bevölkerung durchztiimpfen. Vielleicht eine ebenso große Rolle spielt das Trachom (Granulöse, ägyptische Augenkrankheit). Das hygienische Institut hat durch Belehrung der Bevölkerung und eventuell Isolierung der Patienten während des Stadiums größter Ansteckungsfälligkeit für den Schutz der Gesunden zu sorgen. Die Lepra (Aussatz). erfordert in jedem Falle die lebenslängliche Isolierung des von der Krankheit befallenen Unglücklichen, da wir zur Zeit ein Mittel, diese Erkrankung mit Sicherheit zu heilen, leider noch nicht besitzen. Eine Eeihe von weiteren Krankheiten spielt teilweise gegenüber den genannten keine Rolle, teilweise gehört ihre Bekämpfung nicht in das Ressort eines hygienischen Institutes. Aber schon bei den erwähnten haben wir gesehen, daß die Bekämpfung nicht von dem guten Willen des einzelnen abhängig gemacht werden kann, sondern das eventuell eine äußere Gewalt den Erkrankten oder Gefährdeten zwingen muß, sich dem Wohle der Gesamtheit zuliebe Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit gefallen zu lassen. Weder die Tmpfung, noch die Isolierung oder Quarantäne läßt sich ohne die Mittel der Gewalt durchführen, welche die Regierung in den zivilisierten Ländern den hygienischen Instituten für diese Aufgabe in die Hand gibt. Diesen Einwand hatte man uns von maßgebender Seite gemacht, und tatsächlich scheint auf den ersten Blick das Problem daran zu scheitern, daß uns zur Durchführimg unserer Pläne die Macht fehlt, welche nicht durch Geldmittel und persönliche Arbeit zu ersetzen ist. Aber es hieße den Bau eines Hauses beim Dache anfangen, wollten wir mit den höchsten Aufgaben des hygienischen Instituts beginnen. Wir glauben vielmehr, daß durch unsere Betätigung auf hygienischem Gebiete die Türkei am ehesten von den loyalen Absichten der Zionisten überzeugt und ihr das Verständnis für die Vorteile beibringen wird, welche ihr durch unsere Arbeit erwachsen. Diese Einsicht könnte auch die übrigen zionistischen Arbeiten fördern. Aus diesem Grunde soll das hygienische Institut sich zunächst die Aufgabe setzen, die im Lande praktizierenden Arzte durch solche wissenschaftliche Hilfsmittel zu unterstützen, deren Anwendung für den modernen Arzt unerläßlich, deren Handhabung aber dem einzelnen unmöglich ist. Es handelt sich dabei um ehemische, anatomische, bakteriologische und aerologische Untersuchungen eingesandter Proben von Geschwülsten, Eiter, Blut usw. Auf diese Weise wird nicht nur dein behandelnden Arzt die Diagnose erleichtert oder erst ermöglicht, sondern es wird auch der Allgemeinheit ein Dienst geleistet. Werden z. B. in einem eingesandten Stuhl Typhus- oder Cholerabazillen gefunden, so kann der behandelnde Arzt direkt oder besser durch Vermittlung des Instituts die Regierung darauf aufmerksam machen und durch zweckmäßige Vorschläge die Verhütung der Weiterverbreitung veranlassen. Das Institut kann auch selbständig Arbeiten vornehmen, welche dem Interesse der Allgemeinheit dienen, z. B. die Untersuchung des Brunnenwassers, die Ausarbeitung von Kanalisationsvorschlägen usw. So bieten sich Gelegenheiten genug, mit den Behörden Fühlung zu bekommen. Es wird natürlich Sache des Institutleiters sein, Beziehungen in taktvoller und unaufdringlicher Weise anzubahnen und auszubauen. Ist auf diese Weise erst eine Verbindung hergestellt, so wird auch die Erteilung der Regierungsmachtvollkommenheiten für besondere Fälle an das Institut nicht ausbleiben. Auch bei uns zu Lande beschränkt sich die Regierungsgewalt der hygienischen Ämter auf besondere Fälle, für welche jedesmal ein Erlaß des Reichskanzlers notwendig ist. DaswichtigsteErfordernisist,daß die Ottomanische Regierung sich von der Nützlichkeit eines derartigen Instituts überzeugt, und daß politische Aspirationen irgendwelcher Art von seiten der Beamten dos Instituts vermieden werden. Es dürfte zweckmäßig, sein, in dem Institut Ar beitsplä tz e einzurichten, um jüngern Ärzten die Möglichkeit zur Ausbildung zu geben. Derartige Kurse können die Grundlage für eine spätere medizinische Akademie, den Grundstock einer Universität abgeben. Was die für das Institut notwendigen Mittel anlangt, so werden wir solcher nur für die Gründung bedürfen, da anzunehmen ist, daß das hygienische Institut durch die ihm von seiten der Ärzte des Landes sowie späterhin von den Landesbehörden zugewiesenen Arbeiten sich selbst erhalten können wird. Auch könnte durch die Vermittlung des Verkaufs von Pockenlymphe, Diphtherie- und Tetanusserum, Bakterien- und Organpräparaten ein wenn auch geringer Nebenverdienst erzielt werden. Der Gesamtkostenbetrag dürfte etwa 200 000 Mark für die Einrichtung des Instituts, Baukosten usw. eingerechnet, betragen. Die Höhe der Gehälter läßt sich noch nicht bestimmen. Um die Mittel aufzubringen, haben sich Ehrenkomitees in verschiedenen Ländern gebildet. In Deutschland haben folgende jüdische Ärzte unsern Aufruf unterzeichnet: Geheimer Oberniedizinalrat Prof. Dr. Paul Ehrlich, Direktor des Instituts für experimentelle Therapie und des Goorg Speyer-Hauses (dessen Name ja in der ganzen Welt berühmt ist), Geheimer Medizinalrat Professor Dr. y. Wassermann, Äbteilungsvorsteher im Königlichen Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin (bekannt durch die Entdeckung der nach ihm benannten Wassermannsehen Reaktion, welche uns gestattet, eine im Körper verborgene Syphilis aus dein Blute zu diagnostizieren), die bedeutenden Kliniker: Geheimer Medizinalrat Dr. Senator, Professor an der Universität Berlin, und Geheimer Medizinalrat Dr. Landau, Professor an der Universität Berlin, Geheimer Regiemngsrat Professor Dr. Pros kauer, Direktor des Städtischen Untersuchungsamtes für hygienische etc. Zwecke, der berühmte Chirurg Professor Dr. James Israel, Direktor der chirurgischen Abteilung, und Professor Dr. Strauß, Direktor der innern Abteilung des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Dem Ehrenkomitee für Nordamerika ist der ausgezeichnete Biologe Professor Dr. Jaques Loeb in einem sehr herzlichen Briefe an den Referenten beigetreten; für Holland der bedeutende Physiologe Professor Dr. Hamburger. Auch in andern Ländern haben wir die größten Autoritäten für unsere Sache gewonnen, und wir können mit Stolz als Juden auf diese Männer blicken, welche zu den Ersten ihres Landes gehören, und welche durch glänzende Entdeckungen und Erfolge sich und dem jüdischen Volke Ehre und Ruhm gebracht haben. Auf Grund dieser Namen erhoffen wir reichlichen Zufluß von Mitteln. Leider ist diese Hoffnung bisher nur in sehr bescheidenem Maße in Erfüllung gegangen, aber wir erwarten von der Winterkampagne einen bedeutendem Erfolg. Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Mitglieder der Arbeitausschüsse in den verschiedenen Ländern dringendbitten, mit aller Kraft für die Sache tätig zu sein, welche sie so freundlich waren, zu übernehmen; und ich möchte sie ferner bitten, Mahnbriefe, die der Sekretär des Zentralkomitees für die Errichtung des Hygienischen Instituts in Palästina an sie richtet, erst dann in den Papierkorb zu werfen, wenn sie sie sich zu Herzen genommen, befolgt und beantwortet haben. Es ist uns nahegelegt worden, das Institut an eines der bestehenden Krankenhäuser in Palästina anzugliedern. Einem derartigen Vorschlag können wir uns nur mit allen Kräften widersetzen. Ein hygienisches Institut hat mit einem Krankenhause gar nichts zu tun; es ist durchaus nicht auf dessen Vorhandensein angewiesen. Die Hospitäler mögen die Untersuchungen, welche sie selbst nicht ausführen können, wie es jeder praktische Arzt tut, dem Institut überweisen, oder sich ein eigenes Laboratoriuni einrichten. Wenn das Hygienische Institut dem Direktor eines Krankenhauses in Palästina unterstellt würde, so wäre ihm dadurch der Nimbus einer Autorität verliehen. Wir wollen aber nicht einem Arzt eine Prävalenz vor den übrigen einräumen und ihm dadurch der heilungsuchenden Bevölkerung gegenüber eine größere Bedeutung einräumen als den übrigen Ärzten. Die willigste und freudige Mitarbeit der sämtlichen Arzte des Landes ist

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