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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 36

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 36)
Language
German
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1032 § DlE3^ELT No. 41 betrifft, werden sie nicht die beste Gelegenheit in der Welt haben, die alte Auffassung wieder aufleben zu lassen, wonach jeder Jude ein Lernender sein soll, ohne daß jedoch jeder Jude aus seinem Studium einen Beruf macht? Das neue Leben in Palästina würde überdies frische Impulse empfangen, wenn die jurjge Generation dort einen Universitätskursus absolvieren könnte. Ich denke an die Universität in Jerusalem unier zwei verschiedenen Gesichtspunkten. Für Palästina selbst würde sie eine Universität sein, in der alle Wissenschaften einer modernen Universität gelehrt werden, während sie gleichzeitig der Brennpunkt aller erzieherischen und^technischen Bestrebungen sein würde, die heute nur sporadisch und planlos sich in verschiedenen Teilen des Heiligen Landes und des Orients zeigen. Für den Goluth würde sie ein Zentrum jüdischer Kultur, jüdischer Wissenschaft bilden. Ein Zentrum, wo das jüdische Genie besonders auf unsere eigene Literatur, unsere eigene Ethik, unsere eigene Theologie, auf unsere eigene Sprache hingelenkt würde. Das Technikum, welches in kurzem in Haifa entstehen wird, würde ein wertvolles Vorbereitungsstadium für eine Universität bilden. Es würde, gemeinschaftlich mit den verschiedenen technischen und allgemeinen Schulen, die bereits existieren, eine örtliche Studentenschaft geschaffen. Auch gibt es Tausende von Männern in Palästina, die eine tiefe Kenntnis der jüdischen Literatur besitzen, die aber einer wissenschaftlichen Methodik und Anleitung bedürfen. Betreffs des Letzterwähnten will ich mich hier in dieser allgemein gehaltenen Skizzierung meiner Ansicht nur auf einige wenige Worte beschränken. Hebräisch als eine lebende Sprache hat in Europa keine Aussicht. Ich glaube stark an die Zukunft der hebräischen Sprache, aber ich muß gestehen, daß ich im allgemeinen von den Fortschritten, die sie im Westen gemacht hat, sehr enttäuscht bin. Ich bin überzeugt, daß, wenn das Hebräische wieder aufblühen soll, dies nur von einem jüdischen Zentrum aus geschehen kann, das heißt von Eine Ecke in dem neuen Teppiehateiier des Bezalel Jerusalem. Nun, für dieses Wiederaufleben ist eine jüdische Universität absolut notwendig. Das Hebräische befindet sich gegenwärtig in einem gefährlichen Zustande, und dies nicht wegen seiner Feinde, sondern wegen seiner Freunde. Ich protestiere gegen vieles, was jetzt als Hebräisch in der Umgangssprache, in den Zeitungen, in Büchern umgeht. Wir laufen ernstlich Gefahr, uns einen Jargon zu schaffen. Nur eine Universität in Jerusalem kann die Macht und die Autorität haben, diese Gefahr zu unterdrücken, Richtlinien für die Reinheit der Sprache zu bestimmen und Grundsätze für eine Sprach- und Schreibweise des Hebräischen aufzustellen. Der Einfluß einer Universität in Jerusalem würde sich über die ganze Welt hin fühlbar machen. Sie würde jüdisches Interesse für die Vergangenheit, für die Archäologie des Heiligen Landes, — welche in so trauriger Weise von den Juden vernachlässigt wird, — für orientalische Sprachen überhaupt, für Assyrisch, Arabisch, Aramäis ch, wieder erwecken. Aber vor allem würde sie wahrscheinlich die Frage lösen, was „jüdische Kultur* ist. Gerade die Tatsache ihrer Existenz würde sie veranlassen, ihre Existenzberechtigung zu beweisen. Sie würde auf die Erziehung aller Juden in allenTeilen der Welt zurückwirken. Für mich bedeutet dies eine glänzende Idee. Nichts kann den Aufschwung des Geistes, nichts den Enthusiasmus des Herzens, nichts den „esprit de eorps* stärker beleben, als das Gefühl, daß man ein Mitglied, ein Graduierter der Universität in Jerusalem ist? Ich wünsche, daß ich lange genug leben möge, sie gegründet zu sehen, und daß ich die Ehre genießen möge, als einer ihrer Hörer aufgenommen zu werden. Im Geiste sehe ich Scharen jüdischer Pilgrims hinwandern. Diejenigen, die sich nicht dort aufhalten können, werden in jedem Falle einmal die Ferien dort zubringen. Und das wird für sie bedeuten ein Fest voll doppelter Freude durch die, wenn auch kurze Teilnahme an einem Kursus, der von unsern bedeutendsten Männern in der bedeutendsten jüdischen Stadt geleitet werden wird.

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