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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 35)
Language
German
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No. 41 DIE 30^1 ELT: 1031 (Nuphar) dicht bedeckt sind. Auf den Blättern der letztern, die großen runden Tellern ähnein und gerade die Höhe des schwarzen Sumpfwassers, — der See hat milchweißes Wasser, — erreichen, lebt eine ganz wunderbare, sich aus allen Klassen zusammensetzende Tierwelt, die hier entsteht und hier vergeht, ohne je festes Land gesehen zu haben. Da sieht man allerhand Insekten in allen Entwicklungsstadien, Spitzmäuse, Vögelchen, in allen Farbentönen schillernde Fischchen usw. Und als wir endlich zu dem ca. 5 m hohen Röhricht gelangten, wo wir die Horste der Hunderte von Schlangenh als vögeln, die darüber schwebten, zu finden glaubten, da empfing uns ein vielstimmiger Chor, der, — so weit ich unterscheiden konnte, — hauptsächlich aus allen möglichen Rohrsängern, Ammern, zierlichen Buschschlüpfern, Bartmeisen und Grasmücken bestand. Die zwitscherten und schäkerten so laut, daß man den Nachbar nicht hören konnte. Aber zu sehen war nicht ein einziger von ihnen. Im Rohr drin sahen wir nichts von der Außenwelt, und unwillkürlich kam mir der Gedanke: „Ja, was tätest du, wenn dich dein Führer verließe?" Hier und da vernimmt man das dumpfe Krächzen und Ächzen des (von mir zum erstenmal in Syrien entdeckten) prachtvollen Purpurhuhns, das ungestört im Röhricht seiner Nahrung nachgeht. Endlich gelangten wir zur Brutkolonie des Schlangenhaisvogels und mußten über die mit großer Schlauheit auserwählten Plätze und mit höchstem Scharfsinn angelegten Horste staunen. Wie ungemein geschickt dieser Vogel im Tauchen sein muß, bewiesen mir die Jungen, von denen ich nur acht erbeuten konnte. Denn beim leisesten Verdacht, stürzen sich diese kleinen noch mit den ersten Daunen bekleideten Vögel ins Wasser und kommen genau wie ihre Eltern erst sehr weit weg zum Vorschein. Von den acht überlebten nur zwei die Strapazen des Weges. Sie erfreuen jedermann durch die wundervollen Bewegungen ihres Halses und durch ihre würdige Haltung überhaupt. Was aber noch interessanter ist, das ist das Auffinden von fünf verschiedenen Varietäten des Schlangenhalsvogels, von dem!! bisher hier nur zwei bekannt waren. Ich sandte sie ebenfalls alle ins Tring-Museum zur gründlichen Untersuchung. Außer dem rotköpflgen Purpurhuhn (Porphyrio poliocephalus), das ich hier entdeckte, scheint es mir, daß ich hier auch den einfarbigen Star (sturnus unicolor) gefunden habe, den Tristram anführt und wegen dessen er dementiert wurde. Auch erlegten wir Exemplare der zwei hier existierenden Pelikan-Arten, von denen die größere Art so schwer war, daß sie ein starker Mann kaum aufheben konnte. Ferner erbeuteten wir den auffallenden Löffelreiher, den braunen Sichler, den Zwerg-Kormoran, alle hier bekannten Reiherarten, verschiedene Enten usw. Als hier unbekannte Brutvögel fand ich den Höckerschwan, den riesigen Seeadler, die Brach- und Seeschwalbe usw. VonJ den hier unzähligen Sumpfschildkröten brachte ich nur einige große mit. Merkwürdigerweise kommt hier — im Süßwasser — die riesige Seeschildkröte vor. Von den hier vorkommenden, sehr interessanten Säugetieren konnten wir jetzt gar nichts sammeln und verschoben deren Jagd auf eine andere kühlere Zeit, wo wir wieder nach dem Antiochia- See zurückkehren und hier mehrere Monate zu verweilen gedenken. Für unser Museum brachte ich von beiden Reisen 165 Vogelarten mit, von denen viele wahre Raritäten sind. Sie wurden sämtlich der berühmten Firma des Herrn Wilhelm Schlüter in Halle an der Saale zum Ausstopfen gesandt. Hoffen wir, daß sie im „Bezaiel" auch zweckentsprechend zu meiner und unserer aller Freude aufgestellt werden. Nach mehrjähriger anstrengender und aufopferungsvoller Arbeit meinerseits glaube ich aber, daß alle Ornithologen, Oologen, Säugetierforscher usw. nicht selbst die gefährlichen und äußerst kostspieligen Reisen werden machen müssen; denn in unserm Museum werden sie das reichste Tiermaterial unserer Fauna finden. Und da wird die ganze Welt sehen, daß auch wir Juden unser Judenland zu erforschen vermögen. J D PI KULTURARBEIT D D □1 Eine Universität für Jerusalem Von Israel Abrahams, Lektor an der Universität Cambridge Es wird sehr viel über Jüdische Kultur* gesprochen, aber kein Versuch gemacht, diesen Ausdruck näher zu erklären. Und doch gibt es in einer Beziehung eine ganz klare Unterscheidung. Kultur ist nicht gleichbedeutend mit Wissen, aber Wissen ist ein starkes Element der Kultur. Das jüdische Wissen ist heute zerrüttet. Viele Männer sind zwar an der Arbeit, aber ein klares Ziel fehlt, es gibt kein Zusammenwirken. Anderseits mangelt es vollständig an Hochschulen für jüdische Gelehrsamkeit. Was wir haben, sind nur berufsmäßige Seminare, in denen Rabbiner und Lehrer ausgebildet werden. In England jedenfalls gibt es keine einzige jüdische Institution, in der ein gewöhnlicher Laie, der jüdische Geschichte oder jüdische Literatur zu studieren wünscht, Aufnahme finden könnte. Ich sehe den einzigen Ausweg in der Gründung einer jüdischen Universität. Unsere großen Gelehrten sind zerstreut, eine vortreffliche Universität würde sie zusammenbringen. Ihrem Professorenkollegium würden allmählich viele unserer besten^ Autoritäten angehören. Eine Universität würde sowohl die Studenten aufnehmen, die aus Liebe zum Studium kommen, wie die, welche hier die Vorbildung für einen Beruf erwerben wollen. Durch zwei Dinge würde also eine Universität von Nutzen sein. Sie würde unsere Gelehrten sammeln, und sie würde eine offene Tür zu jüdischer Kultur für alle Kommenden sein. Wenn aber eine jüdische Universität überhaupt wünschenswert ist, so gibt es keinen andern Platz für sie, als Jerusalem. „Von Zion soll die Thora ausgehen", — dieses Ideal läßt sich an keinem andern Punkte der Erde realisieren. Welcher Jude würde nicht stolz darauf sein, ein paar Semester auf der Universität von Jerusalem zuzubringen? Er mag ruhig nach Cambridge oder Berlin oder Wien gehen; wenn ihm aber die Möglichkeit gegeben wäre, einen nachträglichen akademischen Kursus in Jerusalem durchzumachen, würde er nicht mit Freuden diese Gelegenheit ergreifen? Ich kann mir im Geiste einen jüdischen Philanthropen vorstellen, der Hunderte von Jerusalemer Stipendien stiften würde, ähnlich denen, die in Oxford von Cecil Rhodes begründet sind. Ich würde gerne sehen, daß jüdische Studenten einen Teil ihres akademischen Lebens in Jerusalem verbringen. Und was die Juden im Lande selbst an-

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