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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 33)
Language
German
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No. 41 DIE-g§£ELT: 1029 Herzlfeier im Bezalel, Jerusalem Pyrrhocorax graculus, dessen Vorkommen in Syrien bisher unbekannt war. Auch erbeutete ich hier einen blauen Aasgeier, während es sonst bekanntlich nur weiß und schwarzgefärbte Schmutzgeier gibt. Auch fand ich hier die Weindrossel (Turdus iliacus), die bisher von hier nicht bekannt war. Von dem großartigen gigantischen Steinadler erlegten wir ein Pärchen im Horste. Hier habe ich auch zum erstenmal zwei Exemplare des seltenen Zwergadlers (Aquila pennata) bekommen. Sehr wertvolle, vielleicht neue Steinschmätzerformen sandte ich sämtlich ans Tring-Museum des Herrn Baron W. de Rothschild zur gründlichen Untersuchung und Vergleichung mit andern Arten dieser Familie. Auch von dem bisher nur in zwei Exemplaren bekanntgewordenen, sehr seltenen Buboaharonii Rothsch. und Hart, gelang es mir, in Rheme ein Exemplar zu erbeuten. Ebendaselbst kam ich ganz unvermutet in den Besitz des höchst seltenen, mehr dem tropischen Klima angehörenden und in Syrien bisher nur im Hermon und Libanon angetroffenen Erithacus gutturalis, eines herrlichen Vogels, der zwischen Steinschmätzern und Rothschwänzen die Mitte hält. In Rheme war es auch, daß ich zum erstenmal ein Gelege von sechs Eiern des hier selten vorkommenden Wüstenraben (Corvus umbfinus) fand, von dem wir auch zwei Exemplare erbeuteten. In der Zugzeit, in der die Vögel von ihren Winterquartieren in ihre verschiedenen Heimatsländer auch über diese Gegend zurückkehren, wird diese paradiesische Oase von Karyatein von Hunderttausenden kleiner niedlicher und auch riesiger majestätischer Vögeln belebt. Da-widerhallt es von tausend- und abertausendstimmigem Chor aus den Kronen der zu dieser Zeit schon reich belaubten Populus euphratica. Und über diesen Bäumen schweben gravitätisch unzählige große und kleine Falken, Bussarde, Milane, Weihen und enorm große Adler, die alle förmlich das Sonnenlicht verdüstern. Und da nimmt groß und klein sein Gewehr und geht auf die Jagd aus, die in den Verstecken unter den Pappeln sehr reichlich ausfällt. Und da wird alles verzehrt: von der zartesten Grasmücke bis zum robusten Adler und schmutzigsten Aasgeier. Und darin machen Christen und Mohammedaner keine Ausnahme, denn ihren leckern Gaumen ist nichts zu unappetitlich. Mit allergrößter Sehnsucht wird aber die Zeit der Dürre herbeigewünscht, denn da trocknet alles zuvor in Steinlöchern erhalten gebliebene Regenwasser aus, und alle Vögel bleiben nur auf einige unversiegliche Quellen um Karyatein angewiesen. Hierher kommen auch die überaus zierlichen, sehr schmackhaften Spießflughühner der Wüste (ein Bindeglied zwischen Huhn und Taube), die bei der Aufzucht der Jungen das Wasser unmöglich entbehren können. Bei dieser Gelegenheit werden sie mit Wurfnetzen zu vielen Hunderten mit einemmal lebend gefangen. Auch mir ist es geglückt, von allen drei hier vorkommenden Arten Exemplare mitzubringen. Die andern zwei Arten leben etwas zu weit in der Wüste, und ich werde sie hoffentlich erjagen, wenn ich in die Wüste tiefer eindringen werde, um Strauße, Antilopen und Wildesel zu suchen. Da dieses Jahr kein Heuschreckenjahr war, so kam auch der Rosenstaar (Pastor roseus) nicht in den gewöhnlichen Massen vor. sondern mehr vereinzelt. Auch stolze Kraniche sahen wir in Menge, aber nicht eines einzigen konnten wir habhaft werden. . Hingegen ist es uns mehrfach gelungen, auf brütende Kragentrappen, prächtige Wüstenvögel, zu stoßen und davon auch mehrere zu erlegen. Ich schließe nun wieder mit der Ibis eremita. Im Laufe meines dortigen Aufenthalts fand ich eine gewisse Regel in der Art, wie dieser schlaue Vogel seine Brutplätze wählt, und entdeckte darnach fünf verschiedene, von einander weitentfernte Nistplätze. Man denke sich eine vollkommen gerade Ebene, die plötzlich zu einer mehrere hundert Meter hohen senkrechten Wand abfällt und unten sich weiter als Ebene fortsetzt. Diese hohe Wand bildet oben eine mehrere Meter breite Oberdachung, in der Mitte weite schichtenförrnige Fächer und steigt 3

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