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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 31)
Language
German
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No. 41 ' DIE} \ Fahne, die sie sinken läßt, aufzuheben und zu entfalten. Wir haben in den während der letzten Jahre geschaffenen landwirtschaftlichen Betrieben, der Ölbaumspende, der Lehrfarm, der Versuchsstation, des genossenschaftlichen Gutes sowie der Parzellierungsgesellschaft Zentren, von denen aus wir die Weiterentwicklung der Gartenkultur in Palästina wohl zu unterstützen vermögen, zumal wir auch, selbst solange eine Agrarbank dort nicht existiert, durch unsere Bank doch imstande sind, die ivolonisten bei einer Intensivität ihrer Betriebe zu unterstützen. Vor allem können wir aber auch dem Lande vermöge unserer Propaganda kapitalkräftige tische Elemente zuführen, denn mit Hilfe von Kapital aßt sich, wie ja Kalifornien zeigt, in wenigen Jahren dine gewaltige GartenkuUur entwickeln, wenn das Land md die Menschen dafür geeignet sind. Beides ist aber in Palästina in hohem Maße der Fall. Der Jude ist ein guter Gärtner und Pflanzer, der nach den von Herrn Aaronsohn in Kalifornien gemachten Erfahrungen den dortigen Obstbauer an jntelligenz, Fleiß und Geschicklichkeit wohl noch übertrifft, und das Küstenland Palästinas ist mindestens ebensogut für diese Kulturen geeignet wie die besten Obstiändereien Kaliforniens. Die Entwicklung Cisjordaniens ist also klar vor- •ezeichnet. Es wird ein Land sein für Mandeln, Oliven, Feigen, sowie wahrscheinlich auch für Maulbeeren, wenngleich die Seidenzucht leider in den aeisten Kolonien nach wenigen Versuchen vorschnell mfgegeben wurde. Daneben wird Gemüsekultur, Futter- >au für Großvieh mit sich daran anschließender Milchwirtschaft, sowie Geflügel- und Bienenzucht betrieben /erden, während die Küstenebene bedeckt sein wird mit Orangen- und Zitronengärten, in einer Ausdehnung, aß dagegen die sizilianischen und spanischen Agrumenebiete verblassen werden. In den weniger bewässerbaren Flußniederungen wird ich wohl eine Zone intensivsten Ackerbaues entwickeln, idem hierbei ägyptische Baumwolle in den Fruchtechsel eingeschlossen sein wird. Die Abhänge der rebirge werden, ähnlich wie der Libanon, schon jetzt nt Terrassen bedeckt sein, auf denen Oliven, Feigen nd Mandeln neben Gemüsebau vorherrschen, während ie steilern Partien durch Nadelhölzer aufgeforstet /erden. Die Sümpfe. der Ebene wiederum werden urch gewaltige Eukalyptuswälder entwässert, während en Dünen durch andere Holzgewächse ein Damm entegengesetzt wird. Während der nördliche Teil des Jordangebietes inschließlich des Merom- und Tiberiassees in . ähnlicher Veise bewirtschaftet werden wird, dürfte sich im südchen Teil des Jordans wiederum eine Zone ^intensiven Getreidebaues mit Baumwolle entwickeln, nämlich soweit er Jordan das Wasser zur Bewässerung liefert, ventuell auch in Verbindung mit Zuckerrohr, und ier und da unterbrochen durch größere Obstpflanzungen, peziell Bananen. In den nicht bewässerbaren Teilen iieses schon subtropischen regenarmen Gebietes wird aan vielleicht die Kultur des Sisalhanfes mit Erfolg uifnehmen können, während dort wo sich Grundwasser!*uidet, wohl Dattelpalmhaine entstehen werden. Auch m Straußenzucht dürfte sich dies Gebiet wohl eignen, venn man an bewässerbaren Stellen die nötigen Futterkräuter für die lange trockene Zeit baut. Das Transjordangebiet hingegen wü\d ebenso wie jDELT 1027 der südlichste Teil Cisjordaniens wohl noch lange dem extensiven Ackerbau vorbehalten bleiben, in Verbindung mit Schafzucht, und nach der Wüste im Osten und Süden hin wird schließlich die Schafzucht das Kulturland abschließen. Aufgabe der Versuchsstadon wird es sein, durch Heranzüchtung wassersparender Weizen- und Gerstensorten diese Getreidearten immer weiter nach der Wüstensteppe hin vorzuschieben, sowie durch Anpassung der Methoden der Dürrwirtscfiaft (dry farming) an die speziellen Verhältnisse Palästinas immer weitere Teile der Steppe nutzbringend zu machen; auch die Frage der Kultur stachelloser Kakteen als Futterpflanzen der trockenen Steppe ist durch Versuche der Lösung näherzubringen. Gelingt es die Wüste nur 10 bis 20 Kilometer zurückzudrängen, so ist bei ^der Ausdehnung des Palästina an zwei Seiten umschließenden Wüstenrandes schon Erhebliches gewonnen. Dies ist ungefähr das Bild, welches das vorgeschrittene Palästina bezüglich der Kulturpflanzen zeigen wird. Es mag im einzelnen noch manches hinzukommen, — man denkt z. B. an die Kultur von Kautschukpflanzen wie den Guagulastrauch, an Gerbstoff finden wir die Gerbmimose oder Blackwattie (Acacia decurrens) und den Gerb-Eukalyptus (E. occidentalis), auch an die Kultur der jetzt mit Baumwolle zur Verspinnung gelangenden Wüstenseide, der Samenfaser des in Palästina einheimischen Oschurstrauches (Calotropis procera), — doch sind das alles Möglichkeiten, die noch sehr fern von der Realisierung sind. Die Hauptkulturen werden jedenfalls die oben genannten bleiben, allen voran neben Weizen, Gerste und Sesam, die Olive, Mandel und Orange, sowie Futtergewächse verschiedener Art. Sollte es uns gelingen, diesen Umwandlungsprozeß Palästinas durch unsere Arbeiten zu fördern, so würden wir unsern Bestrebungen in der Kulturgeschichte Palästinas einen Ehrenplatz geschaffen haben. Zwei Forschungsreisen in Nordsyrien Von Aharoni, Kustos des Naturhistorischen Museums des „Bezalel" in Jerusalem Ich hielt es immer für eine Schmach, kalt und müßig zuzusehen, wie unser Land nur von Nichtjuden durchforscht wird. Und es war immer mein sehnlichster Wunsch gewesen, auch in unserm Volke Männer zu sehen, die, ganz selbständig und von fremden Einflüssen unabhängig, alles, was unser Land enthält, ernst und gründlich erforschen. Männer, die wohl alle von nicht jüdisch er Seite gewonnenen Resultate mit verwerten, ihnen jedoch nicht blindlings folgen, sondern alles nach eigener Anschauung prüfen und sichten. Denn hielten wir uns immer nur an die toten Buchstaben unserer Vorgänger, — die hier im übrigen größtenteils nur Durchzügler waren, —ohne den Mut zu haben, uns selbst frei in der Natur zu betätigen, so könnte an eine Vervollkommnung des Erforschten unserseits auch niemals die Rede sein. Und deswegen betrachtete ich es als mein höchstes Glück, daß mich Herr Professor Warburg im Vorjahre von dem mich an einen Platz bindenden Lehramte am „Bezalel" dispensierte und mir die Erlaubnis erteilte, meinem Lebensideale frei nachgehen zu dürfen. In unser Programm nahmen wir das ganze Land auf, von Mesopotamien im Norden bis zur Sinai-Halbinsel im Süden, ein zusammenhängendes Gebiet, dessen faunistische Erforschung mehrere Menschenalter hätte ausfüllen können. Aber gemäß dem Satze in

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