Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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1026 DIEMKE LT No. 41 stehen, müssen sich erstere mit wenig Land begnügen, verfügen aber meist über billige Arbeitskräfte. In den schwach bevölkerten Gebieten wird demnach die extensive Zucht von Kleinvieh vorherrschen, da es ja an Weide nicht fehlt, ferner der Getreidebau, da es ja bei Grundsteinlegung der ersten Häuser von Artemah Bait in Haifa den großen unter dem Pflug stehenden Terrains nicht darauf ankommt, wenn periodisch durch Dürren die Ernten stark geschmälert werden. Zu diesen Gebieten gehört Westaustralien, ein großer Teil des westlichen Kaplandes und des südlichen Kaliforniens, sowie bedeutende Strecken in Nordafrika, in Spanien und in der asiatischen Türkei, meist abseits von der Küste, mehr im Innern gelegen. In den dichter bevölkerten Gebieten wird man immer mehr zum Gartenbau übergehen, also zur Obst- und Gemüsekultur sowie zur intensiven Zucht von Großvieh, Geflügel und Nutzinsekten; soweit irgendmöglich mit Unterstützung von Bewässerungen. Dies ist der Fall in großen Teilen Italiens, Spaniens und Griechenlands, sowie in den kleinasiatischen, syrischen, sowie algerischen, tunesischen und marokkanischen Küstengebieten; auch in einzelnen Teilen Kaliforniens ist man mit Hilfe von Bewässerungen zu einer großartigen intensiven Obstkultur vorgeschritten. Daß auch Palästina zu diesen Gebieten gehört, ist klar; denn wenn es auch kaum 25 Einwohner auf den Quadratkilometer besitzt, gegen 65 Einwohner im Libanongebiet, so drängen sie sich doch im wesentlichen auf die küstennahen Striche zusammen, während Transjordanien nur schwach bevölkert ist, und der Hauran z. B. uur sechs Einwohner auf. den Quadratkilometer zählt. Dazu kommt noch, daß infolge des geologischen Aufbaues des Landes die küstennahen Ebenen überaus reich sind an unterirdisch dem Meere zufließendem Wasser, welches sich ohne allzu große Unkosten heben und zur Bewässerung verwenden läßt. So sehen wir denn hier eine schnelle Entwicklung zu einer Gartenlandschaft, und dies findet auch seinen Ausdruck an den schnell steigendenLandpreisen. Während man früher, zur Zeit des extensiven Getreidebaues, den Dunam Land mit acht Francs kaufen konnte, und als er 20 Francs kostete, schon davon sprach, daß er bei diesem Preis unrentabel sei, so ist es jetzt schwer, besseres Land unter 30 Francs, und sehr gut gelegenes unter 40 Francs zu kaufen. Natürlich rentiert sich dies nur dann gut, wenn man entweder in intensiver Weise Getreide baut, oder indem man zum Garten- und Obstbau übergeht, wie das ja auch in den jüdischen Kolonien der Küstenregion schon in bedeutendem Maße der Fall ist. Diese Entwicklung geht in derselben Richtung weiter, und es kann einem Zweifel nicht unterliegen, daß mit zunehmender Besiedelung und weiterer Ausbreitung dieses Gartenbaues die Landpreise immer höher steigen werden. Daran läßt sich nichts ändern, und es ist gänzlich verkehrt, wie es die J. C. A.? die Jewish Colonisation Association, jetzt zu tun scheint, sich in den Schmollwinkel zu stellen und zu sagen, bei diesen Preisen könne man überhaupt nicht mehr kaufen. Gewiß wäre es besser gewesen, wenn man ehemals, als die Preise noch niedrig waren, gekauft hätte, was zu kaufen möglich gewesen ist; damals glaubte man aber, die Preise würden wieder fallen, indem man nicht einsah, daß die Preisteigerung im natürlichen Lauf der Dinge liege; durch die Zurückhaltung vom Kauf läßt sich die Entwicklung wohl verzögern, keineswegs aber aufhalten. Auch in anderer Beziehung ist der Weg, den die J, C. A. verfolgt, nicht der richtige. Als sie einsah, daß sich der zu schnell zunehmende Weinbau nicht mehr halten ließ, ist sie in das andere Extrem verfallen, sie hat den Kolonisten soviel Land gegeben, daß sie sich mit extensivem Ackerbau einigermaßen über Wasser halten können, anstatt sie methodisch jener intensiven Wirtschaftsweise zuzuführen, wie eine solche z. B. von den Deutschen mit so großem Erfolge betrieben wird. Dazu wäre freilich eine dauernde Belehrung, möglichst mit Hilfe einer landwirtschaftlichen Versuchsstation, nötig gewesen. Aber auch hierzu konnte sie sich nicht entschließen, so daß es einer jahrelangen Arbeit bedurfte, um zu erreichen, daß Privatpersonen die hierzu nötigen Mittel aufbrachten. Wenn es wahr ist, daß sich die J. C. A. jetzt gänzlich von Palästina zurückziehen will, so würde sie hiermit gewissermaßen selbst zugeben, daß ihre bisherigen Methoden nicht die richtigen gewesen sind. Besser freilich würde es sein, wenn sie sich doch nun einmal nicht den veränderten Verhältnissen anzupassen vermag, daß sie sich jetzt auf die Gebiete Transjordaniens wirft, um dort Pionierdiensie zu verrichten; dort wird sich nämlich die extensive Landwirtschaft noch eine Kolonisten bei der Arbeit Zeitlang halten, und früher oder später wird es doch trotz der noch im Wege stehenden Schwierigkeiten möglich sein, auch dort jüdische Siedelungen anzulegen. Unterdessen ist es unsere Aufgabe, in Gisjordanien die Nachfolge der J. C. A. zu übernehmen und die