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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 29

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 29)
Language
German
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No. 41 DIEJaEELT 1025 noch eine ganze Anzahl anderer Pflanzen, abgesehen davon, daß viele der oben aufgeführten, speziell Baumwolle, Mais, sowie von Futterpflanzen besonders Luzerne, hier besonders gute und sichere Erträge bringen. Sind die zu bewässernden Flächen klein, und infolge der Hebungsmaschinen und Leitungsanlagen teuer, so beschränkt man sich im wesentlichen auf die ertragreichen Kulturen von Obstbäumen, vor allem der Agrumen, wie Orangen und Zitronen, aber auch von Bananen, Granatäpfeln, Aprikosen, Pfirsichen, Pflaumen, Äpfel- und Birnbäumen, sowie verschiedener Gemüse. Schlecht ist diese Zone bezüglich der Lieferanten von Holz bestellt; die Wälder, die meist nicht sehr dicht sind, unterliegen gewöhnlich schnell der Axt des Menschen, ohne sich zu erneuern, und nur die unwegsamsten Schluchten oder die Hänge schwer zugänglicher Teile der Gebirge vermögen ihre ursprüngliche Waldvegetation zu erhalten. Der nötige Holzbedarf für das Haus und für kleine Industrien, Ziegeleien, Kalkbrennereien usw. muß daher gewöhnlich durch die kleinen Dornsträucher gedeckt werden, deren Herbeischaffung eine mühsame und unökonomische Arbeit ist; das Bauholz muß meist weit importiert werden und wird daher so teuer, daß man beim Hausbau möglichst sparsam damit umgeht. Eine Aufforstung dieser Gebiete ist aber durchaus nicht schwer, wenn man die Ziegen fern zu halten versteht; namentlich Nadelhölzer wie Pinien, Seesträucher und Aleppokiefern, sowie Eukalypten, bisweilen auch Kastanien und Akazien eignen sich hierzu; an Flußläufen pflanzt man häufig Pappeln und andere mehr Feuchtigkeit bedürfende Bäume des Nordens. Aber auch Steineichen, Korkeichen, Tamarisken, Terebinthen, Zedern, Zypressen, Berg wachholder sind lokal zur Aufforstung in Betracht zu ziehen, wenn ^ie auch meist langsamer wachsen. Für die Zucht von Großvieh eignet sich diese warm gemäßigte Zone mit Sommerdürre erst an zweiter Stelle. Da im Sommer, in der Zeit der größten Sonnenkraft, alles verdorrt, so ist es naturgemäß schwer, das Vieh über diese Monate hinüoerzubringen. Eigentliche Wiesen fehlen aus dem gleichen Grunde diesen Gebieten; das Vieh auf der Weide muß sich vielmehr an allerlei im Sommer meist sehr schnell holzig werdende und oftmals stachlige Pflanzen halten, was Schafen und Ziegen natürlich gut gelingt, hingegen dem Pferd und namentlich dem Rindvieh nicht zuträglich ist. Daher ist diese Viehzucht im hohen Grade abhängig vom Futterbau, und hierzu werden vor allem Leguminosen angepflanzt, wie z. B. Luzerne als ausdauerndes Gewächs, Klee und Wicken als Winterfrucht; Kürbisse als Sommerfrucht; auch Runkelrüben dienen als Viehfutter, ebenso Hafer als Heu und Mais als Grünfutter, während als Kraftfutter vor allem Gerste benutzt wird; selbstverständlich finden auch die Preßkuchen von Ölsaaten Verwendung, vor allem aber die Früchte des Johannisbrotbaumes. Das einzige Großvieh, das in dieser Region, aber nur in den trockensten Teilen gut gedeiht, ist das_Kamel, das ja mit den dornigsten und holzigsten "Steppengewächsen vorlieb nimmt. Im Gegensatz zu der Zucht des Großviehes macht diejenige des Kleinviehes fast gar keine Schwierigkeit, und so ist diese Zone so recht die Heimat großer Schaf- und Ziegenherden, die auch den größten Teil der hier verbrauchten Milch und des hier bereiteten Käses liefern, während die Stelle der hier meist teuren Butter durch Olivenöl eingenommen wird. Auch die Geflügelzucht blüht in dieser Zone. Das Huhn fehlt hier nirgends, und manche Gebiete, wie z. B. Italien und Syrien, haben einen bedeutenden Export von Eiern oder daraus hergestelltem Eigelb und Eiweiß. Ebenso ist die Entenzucht stark entwickelt, weniger werden Gänse gezüchtet, hingegen an vielen Stellen mit großem Erfolg der Truthahn, der hier viel besser gedeiht als in den sommernassen Gebieten der gemäßigten Zone. Als größtes Geflügel ist der Strauß zu erwähnen, dessen Zucht sich hier — besonders in den trockneren Grenzgebieten — außerordentlich bewährt hat, wie Südafrika und Kalifornien beweisen. Exlibris von Jakob Stark, Jerusalem Auch für die Zucht von Insekten, wie Bienen und Seidenraupen, früher auch des Cochenilleinsektes, ist diese Zone besonders geeignet, da der Maulbeerbaum und der Cochenillekaktus hier sehr gut gedeihen und die Berghänge überaus reich sind an Nektar absondernden Blüten, besonders aber der Honig der Orangengebiete ein außerordentlich feines Parfüm annimmt. Hiermit haben wir ungefähr einen Überblick über die Kulturpflanzen der ganzen Zone gegeben, von der Palästina nur einen Ausschnitt darstellt. Selbstverständlich wird dieses kleine Ländchen nur einen Teil der erwähnten Gewächse im großen Maßstabe kultivieren können; aber schon jetzt läßt. sich mit ziemlicher Sicherheit angeben, welche es im wesentlichen sein werden. Man muß in dieser Zone die Länder mit starker und schwacher Bevölkerung unterscheiden. Während bei letztern meist die Arbeitslöhne hoch sind, und dem einzelnen Landbebauer größere Flächen zur Verfügung

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