Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 blESSEE'LT' 1023 Jerusalem. Außerhalb jeden Verkehrs gelegen'— wovon sollen sich da die Juden, viel zu arm um sich anzukaufen, ernähren? Reich sind wohl auch die Aschkenasim nicht, doch sie haben Chaluka. Nicht besser ist es in Tiberias und Safed bestellt. Fanatismus, von dem viele Berichterstatter so gern fabeln, findet man weder da noch dort. Fanatisch bis zu einem gewissen Grade kann man höchstens die Safeder Aschkenasim nennen. Nach einem Gemeinwesen würden wir uns unter den Aschkenasim der msnN jm>*/ Hebron, Tiberias, Safed und Jerusalem vergeblich umsehen. Wie kann es ein Zusammengehen da geben, wo einer den andern fürchtet, jeder sein eignes Interesse verfolgt? Gegenwärtig dominieren die Chassidim in Jerusalem. Man teilt nämlich die Jerusalemer aschkenasische Judenheit, die auf etwa 40000 Seelen geschätzt wird: a) in Chassidim mit dem Bet-din des R. uuwtsche an der Spitze, b) Peruschim, d. h. Anhänger des Wiiner Gaon, und c) Maskilim, die sog. „Aufgeklärten", die, weil an Zahl gering, wenig bedeuten. Zu Lebzeiten des Reb Schmuel Salant, obgleich Raw der Peruschim, war doch dessen Wort maßgebend. Dessen Autorität ging nun, wie es scheint, auf das chassidische Bet-din über. In Jerusalem gibt es auch einen „guten Jüd", namens Reb Mottele. Am jüngst vergangenen „lag boomer" hat er, — wohl zum ersten Male, — eine npVin veranstaltet, die enorm viele Zuschauer heranzog. An Branntwein und Lekkach (Lebzelt) hat es nicht gefehlt, ^ohl aber an Begeisterung. Die Kabalah bricht sich auch unter den Peruschim Bahn. In der Jeschibah Ez Chajjim, auf der sog. Chorbah werden seit kurzer Zeit täglich zwei Stunden dem Studium der Kabalah gewidmet. Ob das wohl zu Lebzeiten des R. Schmuel Salant möglich gewesen wäre? Anderseits gibt es unter den Jüngeren eine große Bewegung, die aufs Land hinausdrängt, um die jugendlichen Kräfte in den Dienst des Bodens zu stellen. Man sollte doch diesem Verlangen die nötige Aufmerksamkeit schenken. Wir müssen in Erez Jisroel einen gesunden jüdischen Bürgerstand erziehen. In den beiden Hafenstädten Palästinas, Jaffa und Haifa, wo die Lebensbedingungen günstiger liegen, gibt es jüdische Bürger. Auch die Kolonien erziehen Bürger, nur nicht die Landstädte. Heißen wir den Zeitpunkt willkommen, der dem aus sich seihst geschaffenen Ghetto von innen heraus ein Ende machen will! Über die Kulturpflanzen Palästinas Von Professor O. Warburg Ein Resultat der Erforschung der Lebensbedingungen der Kulturpflanzen einerseits und der klimatischen Verhältnisse der verschiedenen Länder anderseits ist es, daß man jetzt mit ziemlicher Sicherheit Schlüsse von dem einen dieser beiden Faktoren auf den andern ziehen kann. Wie es im menschlichen Leben heißt: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist", so kann man hier den Spruch variieren: „Sage mir, was für Kulturpflanzen du trägst, und ich sage dir, was für ein Klima du hast.* Aber während sich der menschliche Spruch nicht umkehren läßt, so ist dies hier der Fall, denn auch der Spruch gilt: „Sage mir, was für ein Klima du hast, und ich sage dir, zu welchen Kulturpflanzen du taugstu Daher ist es keine Kunst, Prophet oder Warner zu sein, wenn man nur einen gewissen Einblick in die Wirtschaftsgeographie der verschiedenen Länder genommen hat. Wenn wir soeben vom Klima sprachen, so meinen wir es im weitesten Sinne; es gehört nicht nur die Menge und Verteilung von Wärme, Feuchtigkeit, Luftbewegung, Luftdruck, Sonnenstrahlung usw. dazu, sondern ebensosehr auch die Qualität, Verteilung und Anordnung der verschiedenen Bodenarten. Es können daher zwei Länder die gleichen Temperaturen und Regenverhältnisse besitzen, und sich doch bezüglich des Pflanzenwüchses und somit auch der Kulturpflanzen verschieden verhalten. Freilich gilt dies nur für Länder mit ziemlich einheitlichen Bodenverhältnissen. Die meisten größeren Länder sind aber von verschiedenen Bodenformationen bedeckt, so daß sie bei ähnlichen Temperaturen, Regenverhältnisseri usw. doch den gleichen Kulturpflanzen die nötigen Existenzbedingungen gewähren, nur daß die Verteilungsart derselben variiert. Z. B. gibt es sandige und lehmige Böden eigentlich überall, ebenso solche mit hohem und tiefen Wasserstand, schließlich auch kalkarme und kalkreiche, sowie solche mit geringer und mächtiger Ackerkrume; aber in'den einzelnen Länder wird bald diese, bald jene Bodenart überwiegen, und daher bald diese bald jene Kulturpflanze am besten gedeihen. Um allen geläufige Beispiele zu geben, sei nur an die einzelnen Teile Deutschlands erinnert. Brandenburg mit seinen vorherrschenden Sandböden wird Roggen, KartolFeln, Lupinen in bedeutenden Mengen produzieren, wenig dagegen an Weizen, Zuckerrüben, Wiesenheu; die Provinz Sachsen sowie Schlesien sind mehr Zuckerrüben- und Weizengebiete, Holstein — wenigstens in seinen niedrig gelegenen fetten Alluvialböden mit hohem Grundwasserstand — ist ein vorzügliches Wiesenland. Ähnliches finden wir nun in der wärmern gemäßigten Zone, wozu das Mittelmeergebiet, und demnach auch Palästina gehört; hier handelt es sich nicht um Roggen, Zuckerrüben und Wiesen, sondern um Mais, Weizen und Gerste, Sesam und Durrha, sodann aber vor allem auch um Wein, Oliven, Mandeln, Obst usw. In dieser Zone, in der die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter noch recht erhebliche sind, gibt es zweierlei verschiedene Ländergruppen, solche mit Sommerregen und solche mit Winterregen resp. besser gesagt mit Sommerdürre. Erstere sind im wesentlichen auf der Ostseite des Kontinents gelegen, letztere an der Westseite. Typische Gebiete der erstem Kategorie sind Länder wie das südlichere Japan, das südliche Queensland, Natal, der südlichste Teil von Brasilien, sowie die südlichen Staaten der Ostküste Nordamerikas