Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 D1E3^ELT 1021 sie noch heute in vielen Exemplaren vorhanden, indem die südarabischen Juden noch heute die geschriebenen Werke den gedruckten vorziehen. Die Quadratschrift schreiben die meisten meisterhaft. Kenner der arabischen Sprache haben sie ihre Codices korrekter erhalten als viele andere, die von unkundigen Kopisten herrühren. Den Chachamim Araki und el-Nadaf ist es darum als Verdienst anzurechnen, daß sie die Hs. zum Druck beförderten, rrnn nro oder ixn betitelt, enthält das Buch nebstdem Urtexte den Targum Onkelos und die Saatfianische Obersetzung. Die Genannten gaben auch den yemenitischen Siddur heraus, der aber längst vergriffen ist. Dem letzthin erwähnten Perser-Yemenitenquartier gegenüber liegen zerstreut auf einem Hügel ebenso schlecht erbaute Häuser. Sie bezeichnen das Quartier der aus Orfa stammenden Juden, darum hier schlechtweg Orfalyis genannt. Ebenso arm wie unwissend fristen die Leute ihr kümmerliches Dasein. In ihren Sitten und Bräuchen unterscheiden sie sich fast in nichts in der Welt handeln, sie läßt das kalt. Auf Unterstützungen nicht angewiesen, halten sie sich den andern gegenüber für die Aristokraten. Sehr schlecht ist es um die Maghrebim bestellt. Physisch wie geistig gleich herabgekommen, ist den Leuten oder doch dem größern Teil von ihnen gar nicht mehr zu helfen. Einst, namentlich in den Tagen des Rabbi Joseph Karo, gemeinhin po „unser Herr" genannt, hatte Safed, das damalige Zentrum der palästinensischen Judenheit, vor welchem sogar Jerusalem in den Hintergrund trat, vier starke Gemeinden: 1. Sephardim, deren überwiegende Mehrheit zu den Verbannten Spaniens zählten; 2. Aschkenasim, wahrscheinlich zum Teil aus Deutschland stammend, deren Rabbinen als anerkannte Autoritäten galten, daß sogar die zeitgenössischen sephardischen Geonim, wie Trani, Zaholon und noch andere, mit großem Respekt ihre Namen nennen; 3. nrr>ynDD. Das waren die Eingeborenen, die sich im Verlaufe ganz arabisiert hatten. Aus welcher Zeit ihre ( Stimmungen vom Jordan von den andern orientalischen Juden. Anspruchslos in der Lebensweise, ist ihr Haushalt der denkbar primitivste. Tisch und Stühle sind -ein Luxus, den sie nicht kennen. Weibliche Dienstboten sind hier sehr rar. Nächst den Maghrebim stellen dazu das größte Kontingent die Orfalyis. Will jemand eine Orfalyi heiraten, so hat er, wie es Usus bei den Arabern ist, eine gewisse Summe an den Vater der Braut zu entrichten. Um es dem Bewerber zu erleichtern, ist es ihm freigestellt, die vereinbarte Summe in Raten zu erlegen. Dadurch kann sich oft die Heirat in die Länge hinziehen. Nicht selten spekuliert geradezu der Vater mit seiner Tochter. In beiden Fällen sieht sich die Tochter, da ihr das elterliche Haus nicht einmal das allernotwendigste zu bieten vermag, gezwungen, einen Dienst anzutreten. Die Kehrseite dieser Kalamität, — wenn man so sagen darf, — ist, daß diese Mädchen nie oder doch nur äußerst selten früh heiraten können. Vermögend unter den Eingewanderten sind allein die Aleppoer Juden. Aleppo, in der Bibel xxx& d-w genannt, war einst eine große reiche jüdische Gemeinde. Dessen Söhne leben nun in der Welt zerstreut, teils in Manchester, wo ihnen die größten Geschäfte gehören, teils in Kairo, das mit der englischen Metropole im Fabrikwesen in direkter Verbindung steht. Die meisten sind auch hier Geschäftsleute. Zurückgezogen unter sich lebend, kümmern sie sich nicht im geringsten um Gemeindeangelegenheiten. Es mag sich um was immer Ansiedlung im Lande datiert, ist nicht nachweisbar. Als deren Nachkommen darf man wohl die Juden von Pekiin betrachten. Pekiin, ein mosleminisches Dorf unweit Safed, zählt gegenwärtig achtzehn jüdische Familien. Sie waren früher viel zahlreicher; allein infolge der Armut wanderten sie allmählich aus. Man findet Juden aus Pekiin in Amerika und in Argentinien. Ackerbauern von Hause aus, liegen die Pekiiner dem Pfluge und der Sichel ob. Weil das Terrain aber, das einer Familie zu Gebote steht, sehr geringen Umfangs ist, leben die daheim sehr ärmlich. Manche beschäftigen sich nebenbei mit Schuhmacherei, wie sie aber nur eben in einem fellachischen Dorfe gang und gäbe ist. Der vom Baron besoldete Gemeindefunktionär, ein Safeder, den Raw und Schochet zugleich in seiner Person vereinigt, leitet gleichzeitig den Jugend Unterricht, der leider aber sehr viel zu wünschen übrig läßt. Dafür wachsen die Kinder, da sie frühzeitig genug schon auf dem Felde mit Hand anlegen müssen, als umso tüchtigere Ackerbauern heran. Ihrer Uberlieferung gemäß sollen die D'DiyriDD seit der Zerstörung des Tempels im Lande ansässig sein. Da sich indes Pekiin eines frischen gesunden Klimas erfreut, so daß es von jeher den Safedensern und Tiberiensern zum Lieblingssommeraufenthaltsort geworden ist, haben dessen Bewohner, durch die stete Berührung mit Sephardim all deren Sitten und Bräuche sich angeeignet, so daß nichts mehr Originelles an ihnen wahrzunehmen ist. In der Tracht und Kost gleichen sie den übrigen Dorfbewohnern.