Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53807-3347576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 41 DIEE^ELT 1019 wenigstens in den letzten zymJahrzehnten nicht. Ohne ihnen geschmeidige Mattieren nachrühmen zu können, sind sie dennoch im Verkehr ganz nett. Einen wohltuenden, ja, man möchte fast sagen, rührenden Eindruck machen diese Leute, wenn man sie beobachtet, wie sie sich nach der schweren Tagesarbeit allabendlich in den Synagogen einfinden, mit welcher Aufmerksamkeit sie den Vorträgen ihres Chachams lauschen und wie andächtig sie das Maariwgebet verrichten. Ihr Hauptquartier. liegt nördlich von der Stadt, unweit dem Bäbel-Amud oder Damaskustor, mit dem Ausblick nach dem Scopusgebirge. Ihre Lebensweise ist ganz orientalisch, dagegen tragen sie sich, bis auf den Fes, ganz europäisch. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte der heiligen Stadt nehmen die Perser ein. Arm, daheim geplagt und verfolgt, fristen sie in Jerusalem ein jämmerliches Dasein. Sie bewohnen die sogenannten Tenekehäuser (Holz- und Blechbuden) im Nordwesten der Stadt, hinter dem Schaare Zedek-Hospital gelegen. Gleichwohl rafften sie sich in letzterer Zeit auf, ihre Talmud-Thora, die sehr im argen lag, zu reorganisieren. Ihren Lebensunterhalt, der übrigens sehr leicht zu befriedigen ist, verdienen sie sich teils als Lastträger, teils als Maurermeister. Die Arbeitsunfähigen sind auf Almosen angewiesen. Und in Jerusalem gibt jedermann, auch der Ärmste, so er nur das Metalik(= 5 Pf) bei der Hand hat. Völlig eine Katastrophe drohte über diese armen Leute hereinzubrechen, als sie den Rückstand an Schutzgeldern von mehrern Jahren, im Betrage von etwa 200 Medjrdis (ungefähr 600 Mark), auf einmal bezahlen sollten. Ihr Konsul, ein hartherziger, unzugänglicher Mensch, erwies sich, trotz all der Vorstellungen und all der Fürsprachen, die vornehme Glaubensgenossen für die Unglücklichen einlegten, unerbittlich. Schließlich nahm sich ihrer der unlängst verstorbene Großrabbiner an, und ihm war es; gelungen, die Geserä abzuwenden. Schlecht genährt, sind die Leute körperlich stark heruntergekommen, Fleisch als Nahrungsmittel kennen sie kaum. Die Frau nimmt bei ihnen eine untergeordnete Stellung ein. Nicht um vieles besser sind die (Yemeniter gestellt. Bei weitem aber überragen sie jene in intellektueller Beziehung. Auf allen Gebieten ist der Yemeni verwendbar, er schickt sich ebensogut zur Filigranarbeit an wie zur Feldarbeit, zur Maurerei wie. zur Steinmetzerei, zum Packwie zum Lastträger. ... Yemeniter trifft man darum in ganz beträchtlicher Zahl in den Kolonien an; für denselben Tagelöhn schafft der Yemeni mehr oder doch mindestens soviel, wie der Fellach (Bauer). Die Silberarbeiten im „Bezalel" werden von Yemeniten angefertigt. Nüchtern, spal*- und begnügsam, verfügen sie bald über einen Sparpfennig, der dann seine gute Verwendung findet. Freitags wird kein Yemeni länger arbeiten als bis Mittag. Mag die Arbeit noch so dringend sein, wie die Uhr zwölf schlägt, macht er Feierabend. Perser und Yemeni stellen einen Typus dar: schmächtig, höch in die Höhe geschossen, tief dunklerTeint, etwas eingefallene Wangen, pechschwarzer Vollbart, alabasterweiße Zähne, feingeschnittener Mund, schön geformte Nase, schwarze, leuchtende Augen, gekräuselte Schläfenlöckchen, dies die Kennzeichen des einen sowohl wie des andern, nur ist der Yemeni elastischer, zäher und kräftiger in seinen Bewegungen, als der Perser. Zum Staunen, welche körperliche Kraft der erstere an den Tag legt bei der Hadlokoh1) am Abend des „Lag beomer". Einen Mann auf den Schultern tragend, in jeder Hand ein Kind haltend, führt der Yemeni in dem Reigentanz ums Feuer herum staunenerregende Bewegungen und auch verschiedene Den Höhepunkt erreicht *) Feuerfest. Eine Nachahmung der Feier, welche alljahrlicji am gleichen Tage in Merön bei Safed veranstaltet wird. Rabbi Schimon starb b. Jochai am nBnp & und wurde in Meron beigesetzt. Den Kabaiisten gilt dieser Tag als Festtag. Von weit und breit eilen die Leute, Männer, Frauen und Kinder, herbei, um an dem Fest teilzunehmen. Oft zählt man 10 000 Festteilnehmer. Was brennbar, wird in Öl getaucht und in Brand gesteckt. Um die Unterhaltung des Festfeuers machen sich namentlich Frauen verdient, indem sie ihre seidenen golddurchwirkten Tücher den Flammen übergeben. Die Ärmern begnügen sich mit dem Haar ihrer Kleinen, das ihnen hier zum ersten Male geschnitten wird. Die Yemeniter waren die ersten, die diese Feier nachahmten. Neuerdings fand sie auch bei Aschkenasim, den sogenannten Chassidim, Eingang. Hafida, Araberin aus Jehudie. Radierung von Hermann Struck gymnastische Übungen aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.