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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 41 -DIEgj und schuf die bis in die neueste Zeit bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Der Sultan wurde Khalif und gewann Syrien, Palästina, Arabien und Ägypten (1516—1518). Hatten die friedlichen Beziehungen zwischen den Türken und den Mainelucken das heilige Land schon vorher für eine stärkere Zuwanderung wieder zugänglich gemacht,1 so kam es jetzt ganz aus dem Bereiche der politischen Spannungen heraus, in welchen •BS als Grenzland bisher gestanden hatte, und eröffnete der Verwirklichung der jüdischen Hoffnungen ganz neue Möglichkeiten. Die politischen Wirkungen weräen von den wirtschaftlichen überragt, werden von diesen auch erst wesentlich erklärt. Erst diese führen an den Nerv der Dinge. Die Ausbreitung der türkischen Herrschaft im östlichen Mittelmeerbecken hatte schon vor der Einbeziehung Syriens, Arabiens und Ägyptens zur Folge, laß der von den italienischen Staaten getragene Verkehr nit der Levante unterbunden, die große Welthandelsstraße, auf welcher die unentbehrlichen indischen Waren aber Arabien und Syrien von jeher nach Europa kamen, gesperrt wurde. Das Vordringen der Türken hatte seine notwendige Rückwirkung im Aufsachen des Seewegs nach Indien und in der Verschiebung der großen Handelszentren an die Ostküste des atlantischen Ozeans. Der Nerv des bisher bestehenden Weltverkehrs war durch die Türken gelähmt, durch die neuen Weltaandelsstraßen überholt. Palästina, das durch ihn Teilgebiet der großen Machtinteressea gewesen war, lag m Winkel. Das ist die Situation, welche für die politischen Palästinabestrebungen der Juden als Voraussetzung notwendig war. Diese Voraussetzung blieb bis in die neueste Zeit Gestehen. Aber sie mußte sich in das Gegenteil verändern, um neuerdings Antrieb politischer Palästinabetrebungen werden zu können. Die Ausschaltung aus lern Bereich wirtschaftlicher und politischer Spannungen sollte ja nicht den Erfolg, sondern nur die Möglichkeit politischer Palästinabestrebungen m Beginn der Neuzeit erklären. Der Erfolg fehlte ja auch vollständig, und wenn wir auch nicht so weit gehen können, zu sagen, daß das eine das andere erklärt, — die Bestrebungen sind ja nicht über die ersten Anfänge hinausgekommen, — so können wir es anderseits für die Neuzeit als gewiß bezeichnen, daß ohne das Erwachen des vordem Orients, ohne die Einschaltung Palästinas in die wirtschaftlichen and politischen Spannungen, welclie das ganze Ländergebiet frühlingsstark durchzittern und durch Palästina herüber und hinüber gehen, die Voraussetzungen für die wirtschaftliche und allgemein-kulturelle Entwicklung des Landes nicht gegeben wären, welche ihrerseits die Voraussetzungen eines mit dem wirtschaftlichen verwurzelten völkisch-politischen Aufstiegs des Landes und seines Volkes sind. Die Bestrebungen des 16. Jahrhunderts stehen zu denen der Neuzeit, wie zwei Seiten derselben Münze zueinander, wenn auch die Voraussetzungen den verschiedenen politischen Situationen entsprechend verschieden gestaltet sind. Bis zum 16. Jahrhundert und ideell noch darüber hinaus war für die Mächte der Welt alles noch auf den Besitz des Landes gestellt. Der Kreuzzugsgedanke wirkte nach. Die Seefahrt nach Indien sollte nicht nur dem Handel, sondern auch den Waffen neue Wege erschließen. Man träumte davon, [ELT ■ — 1011 den Ungläubigen von Indien aus in den Rücken zu fallen. Auch David ßeubenis Pläne hängen im Netze dieser Vorstellungen, und dies offenbart von neuem, wie man nur von den allgemein-geschichtlichen Bedingungen aus die Palästinabestrebungen dieser Zeit verstehen kann. Sein Kriegszug sollte ein in das Jüdische Übersetzer Kreuzzug sein. Es galt wieder einmal, das heilige Land den Ungläubigen zu entreißen, und es war in den Augen des-Papstes und des Königs von Portugal ein Zeichen des Himmels, daß nach so vielen vergeblichen Versuchen der christlichen Mächte mit deren Unterstützung jüdisches Blut den heiligen Boden befreien und weihen sollte. Zu unserer Zeit ist das Ziel ein anderes. Pplitische Aspirationen, welche eine Besitzveränderung bezwecken, halten sich von Palästina fern. Die Juden treten weder als Konkurrenten der Türken noch anderer Mächte auf, und die einzige Macht, welche vielleicht nach der weltpolitischen Konstellation Palästina in ihren Machtbereich einzubeziehen genötigt und gewillt sein könnte, müßte unsern Bestrebungen mit demselben Interesse gegenüberstehen, welches auch die heutigen Besitzer des Landes zu Förderern unserer völkisch-politischen Bestrebungen machen muß.' So sehen wir ein und dieselbe gewaltige Woge abebbend und anflutend zu Beginn der Neuzeit und in der neuesten Zeit unsere palästinensische Politik bestimmen. Es ist derselbe Kreis weltgeschichtlichen Werdens, der im 16. Jahrhundert und heute ihre Voraussetzungen schafft. Er trägt über die Fragen des Tagesgewinns hinaus und zeigt dem ehrlichen Sinn und dem wagenden Mut in der großen Verknüpfung des Weltgeschehens den Weg, von dessen Ende uns die Hoffnung winkt, daß die Weltgeschichte sich auch für uns als Weltgericht erweisen wird. Palästina in der Religionsgeschichte Von Simon Bernfeld KeinLand in der Welt ist für die Religions geschieht e von solcher Bedeutung wie Palästina. Es ist das Land, auf dessen Boden die monotheistische Religionsidee entstanden ist und von dem aus sie die ganze gesittete Welt erobert hat. Unsere moderne Kultur beruht auf der geistigen Arbeit, die mit dem Namen zweier kleiner Landschaften unauflöslich verknüpft ist: Judäa und Hellas. Aber ebenso wie die Kultur Palästinas viel älter ist als die griechische, kann auch die Popularität des Hellas mit der des heiligen Landes nicht verglichen werden. Allen monotheistischen Religionen sind die Stätten heilig, an die sich Erinnerungen von großer Bedeutung knüpfen; alle Blicke sind auf Zion gerichtet. Das prophetische Ideal von der einstigen Bedeutung dieses Hügels für die ganze Menschheit hat sich geschichtlich verwirklicht. Eigentümlich ist es, daß, obwohl sich die paulinische Richtung im Christentum eifrig bestrebt hat, die monotheistische Religionsidee aus dem palästinensischen Nährboden zu reißen, gerade die evangelische Erzählung so viel dazu beitrug, unter Hunderten Millionen Menschen das Land mit seinen zahlreichen Ortschaften populär zu machen. Es ist aber selbstverständlich, daß am meisten das Judentum tief in dem palästinensischen Boden wurzelt. Im jüdischen Volk herrschte die Vorstellung vor, daß wohl das Judentum auch im Auslande, außerhalb der

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