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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 41 DIE3^ELT 1009 aber ein großer lebenskräftiger Organismus entwickeln kann, der einst dem jüdischen Volke ein eignes Heini und seine Freiheit schafft. Was den Nationalfonds auszeichnet, ist, daß er durch die fortdauernde Arbeit von vielen Tausenden von Stammesgenossen wächst und sich entwickelt. Diese Summe von Begeisterung und Opferwilligkeit tritt jedem unserer Freunde in dem Wachstum des Fonds greifbar vor Augen. Darum ist das Herz des jüdischen Volkes mit diesem Fonds verbunden, und es gerät in freudige Erregung, wenn es sieht, wie dieser Volksschatz anfängt, sich als ein Segen für unsere Brüder in Palästina zu erweisen. Je mehr die Arbeit der Sammlung fortschreitet und je wirksamer der Fonds seinen Zwecken in Palästina dienen kann, desto größer wird auch die Anteilnahme für denselben im jüdischen Volke heranwachsen, so daß er einmal nicht nur ein Qesamtgut der jüdischen Nation bildet, sondern auch getragen sein wird von der Liebe desselben, als das wohlbehütete Gut eines ganzen Volkes, als der Volksschatz der jüdischen Nation. Die allgemeingeschichtlichen Grandlagen der Palästinabestrebungen im 16. Jahrhundert und in der neuesten Zeit Von Dr. E. Täubler, Berlin Die ideeile Verbindung mit dem heiligen Lande ist im Verlaufe der jüdischen Geschichte niemals unterbrochen worden. Sie gehörte nicht nur der Erinnerung an, sondern lebte immer als schöpferische Kraft in der Gegenwart, die sie mit der Zukunft verband. Die Massenempfindungen des Volkes strebten ohne Ausnahme dieser einen Empfindung zu. Sie verbanden -ich mit ihr, ordneten sich ihr unter; mehr als das: in. ihren stärksten Regungen setzten sie sich in sie um and kamen immer wieder als Heimweh zum Ausdruck. Nicht nur die Empfindungen, die von vornherein dem Gedanken an das Ganze galten. Auch die individuellsten Regungen, die Teilnahme des einen am Leid des andern, die durch Kasteiung und Sündenbekenntnis aufs stärkste verinnerlichte Empfindung der Einheit zwischen Mensch und Gott,, schwingen sich über sich selbst hinaus und suchen in dem Gedenken der verlorenen Heimat die übergeordnete beherrschende Empfindung, in der sie sich auflösen. Deshalb ist sie geschichtlich nicht an bestimmte Äußerungsformen gebunden, sondern sucht, individuell and als Ausdruck der Massenpsyche, das gesamte Empfinduiigsleben zu durchdringen und das einzelne Empfindungsmotiv mit ihrem höhern Recht zu überwinden. Erscheint diese Empfindung also als allgegenwärtig und aller Ausdrucksformen fähig, so gliedern sich die Formen, in welchen sie sich den Boden der Wirklichkeit wiederzusehaffen suchen, im großen betrachtet, in einige Haupttypen. Jehuda Halevy, Nachmanides und Hunderte in allen Jahrhunderten werden von einer religiös-nationalen Sehnsucht, die weder politische noch ökonomische Bedingungen und Ziele kennt) zu dem heiligen Boden gezogen. Das ist die allgemeinste und individuellste Form. Es ist das Korrelat dieser selbstherrlichen Ungebundenheit eines urpersönlichen Bedürfnisses, daJß es sich in dem Satze, es sei eine religiöse Pflicht, in Palästina zu wohnen (Nachmanides), dogmatisch versteift. Mit dieser Ausdrucksform ist die von der Sehnsucht nach dem vorübergehenden Anblick der heiligen Stätten geschaffene nahe verwandt. Wesensgleicher sind ihr aber die periodisch aufflackernden, ebenso intensiv wie kurzlebig wirkenden Massenbewegungen, welche der Wunderglaube auslöst, in einer Form, die das Erbteil hellenosemitischer Apokalypse ist. Die messianische Vorstellung rückt in eine rational greifbare Nähe. Zahl und Zeichen künden sie an; eins von beiden oder beide zusammen. Man berechnet das Jahr des Heils; in Saloniki, in Venedig, in Ägypten blitzt die Botschaft auf, und Hunderte setzen sich in Deutschland, in Spanien in Bewegung. Und je größer die Not ist, um so gewisser gilt sie als Zeichen des nahenden Heils. Man achtete auch auf die Zeichen der Zeit und lernte von ihnen. Aus den Erschütterungen, in denen die Omajadenherrschaft zusammenbrach, erwuchs Abu- Isas Versuch, einen bewaffneten Vorstoß nach Palästina zu wagen. Auch David Airoys Messiastraum war wohl mehr das phantastische Kind der Wirklichkeit als der Schemen gelehrter Mystik. Und beide Erreger wirkten zusammen, als die Fieberglut des Wunderglaubens in den Scharen Timur-lenks die Söhne Gogs und Magogs, die vorausverkündeten teuflischen Vorboten des Heils, sah. Ich erwähne diese Erscheinungen nur obenhin, um mit ihnen den Aufstieg zu den um die Wende der Neuzeit beginnenden Bestrebungen zu kennzeichnen. Vier Jahrhunderte erwecken nun vier große Bewegungen, welche in sich alles zusammenfassen, was die Phantasie und der Wirklichkeitssinn, die religiöse Innigkeit und die berechnende Weltklugheit, die Ehrlichkeit und der Schwindel aus sich herauszustoßen vermögen. Neben dem messianischen Überschwang des Marannen Salomon Molcho, welcher das Bewußtsein seiner Erwähltheit langsam in sich zur Reife bringt und im Feuertode glaubensstark das Zeichen des Heils sieht, steht der düstere, rätselhafte Schatten David Reubenis, der dunkelhäutige verschlossene Zwerg, der mit den Mächten der Welt wie ein Akrobat mit sinnverwirrenden Glaskugeln spielt, Papst und König zu Hilfe ruft für einen Zug, den er an der Spitze von 300 000 Kriegern des Stammes Reuben aus der Mitte Arabiens heraus gegen Araber und Türken zur Befreiung des heiligen Landes und zur Rückführung des Volkes unternehmen will. Dasselbe Jahrhundert sah noch die im Motiv, im Ziel und im Mittel gleich klaren, auf meßbare Möglichkeiten und starkes Wollen gestellten Bestrebungen Joseph Nassis, des Fürsten von Naxos. Er suchte nicht das Heil, das auf rosiger Wolke zur Erde niedersteigt, sondern entwickelte mit der rechnenden Phantasie des Kaufmanns ein kolonialpolitisches Programm, mit dem Endzweck, Palästina wieder zu dem nationalen Kristallisationspunkt zu machen. Der Staatsgedanke und die Absicht, ihn kaufmännisch durchzusetzen, waren ihm das Primäre. Schon als flüchtiger Maranne hatte er eine Insel aus venezianischem Besitz zu diesem Zweck zu kaufen gesucht. Sein Aufstieg in türkischen Diensten gab die äußern Bedingungen, den nationalpolitischen Plan wieder aufzunehmen und ihn auch territorial in den Fluß der Kräfte zu stellen, welche die alte nationale Sehnsucht tragen. Nationalpolitische Ziele und kolonialpolitische Mittel, durch diese Verbindung ist die Eigenart seiner Bestrebungen gekennzeichnet. Es dauerte 100 Jahre, bis die in den Massen lebenden Spannungen sich wieder in einer großen Bewegung

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