Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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diese Großen noch plastischer in ihrer ganzen Eigenart hervortreten und erhöhen sicher den Reiz des Buches für das jugendliche Gemüt. Die Schrift, die eine harmonische Vereinigung von historischem Verständnis und jüdischer Begeisterung offenbart, kann aber auch dem Erwachsenen eine Vertiefung seiner Kenntnisse und einige genußreiche Stunden bereiten. Die gleichen Vorzüge zeichnen die beiden Lesebücher pp-rtlDn „Hamorijah" für reifere, und pn^ bü »»Tal Jalduth" für jüngere Schüler aus. Ihr Gebiet ist die ganze Welt des Kindes, die es umgebende Natur, die Geschehnisse des täglichen Lebens, die großen Epochen unserer Geschichte. Die kernige Sprache der Bibel un(5, die sinnigen Erzählungen unserer Weisen werden in der geschickten Hand des Verfassers dem Kinde zum sichern Führer in die Natur wie in das Weltall jüdischen Lebens. Als leuchtende Vorbilder werden dem Knaben Jünglinge gezeichnet, von denen Geschichte oder Überlieferungen rührende Beispiele treuer Hingabe an das Judentum berichten. Noch ein kurzes Wort über die Verwertung der hebräischen Sprache in den Werken. Man empfindet es bei der Lektüre dieser Bücher deutlich, wie jüdisches Leben und jüdische Geschichte nur im Gewände unserer Volkssprache ihr besonderes Gepräge erhalten. Und bei dem neu erwachenden Interesse an unserer nationalen Sprache sind die Schriften auch gerade ihrer Form wegen zu begrüßen. JawiU, der unerreichte Hebraist, schließt sich in Geist und Form so innig der Sprache der Bibel an, daß ein Schüler, der mit dem Pentateuch und mit den Propheten nur wenig vertraut ist ohne große Schwierigkeit sich hineinlesen kann, zumal da eine fortlaufende Punktation das Verständnis erleichtert. Die ganz ausgezeichneten Schriften verdienen weiteste Verbreitung. Dr. C. Dawid. „Bibliotheka gedaula" Noch waren die elegischen Klagestimmen in der hebräischen Literalur über deren Stillstand während der letzten Jahre, übeT „die Abkehr des Volkes von seinen geistigen Nationalschätzen" nicht verklungen, als sich eine literarische Tat ankündigte, die in der hebräischen Welt bisher ohne Beispiel dasteh!: eine hebräische Musterbibliothek, eine Auswahl aus dem gesamten mittelalterlichen und neuzeitlichen hebräischen Schrifttum nebst neuen Werken. Ein derartig grandioses Unternehmen, das auf mehrere Jahre (in Publikationen von 50 Büchern jährlich) berechnet ist, gab es in der neuhebräischen Literatur nicht, selbst in ihrer Blütenepoche um die letzte Jahrhundertswende. War das große Werk realisierbar? War der Niedergang in der hebräischen Literatur schon gänzlich überwunden? Wo ist denn das Publikum, das ein solches Werk zu erhalten vermöchte? So fragten die Skeptiker, deren es bei uns nicht wenige gibt. (Der Skeptizismus ist in jüngster Zeit sozusagen eine neujüdische Mode geworden.) Der Begründer der „Bibliotheka gedaula", der Inhaber des „Tusch;a"-Verlags Ben-Avigdor, räsonnierte aber nicht viel. Er schuf das große Werk und stellte uns vor ein fait accompli. Und nun ist die Antwort gegeben. Die Wirklichkeit hat sie erteilt. Seit Beginn dieses Jahres haben wir die „Bibliotheka gedaula", und ihre Existenz ist durch Subskription bereits gesichert. Das ist die Kraft der Tat. Sie schafft neue Wirklichkeiten, die uns zwingen, unsere Werturteile zu modifizieren. — Ben-Avigdors Leistungen sind ein Beispiel dafür, was positives Wirken im Judentum selbst unter ungünstigen Bedingungen hervorzubringen vermag. Mit den „Sifrei Agaura" („Kopekenheftchen") fing er an, und nun ist er an die „Bibliotheka gedaula" gelangt. Dazwischen liegen hunderte Bücher verschiedenster Literaturgattungen und eine ganze pädagogische und Jugendliteratur, die jetzt kein hebräischer Lehrer und keine hebräische Schule entbehren können. — Auch die „Bibliotheka gedaula" ist dazu angetan, Gemeingut des gesamten hebräischen Publikums zu werden. Sie enthält eine mit Erläuterungen und Berichtigungen versehene Neuausgabe von bedeutsamen hebräischen Werken aus frühern Jahrhunderten, die vom Büchermarkt gänzlich verschwunden oder nur in wenigen veralteten, fehlerhaften Exemplaren vorhanden sind. Sie umfaßt ferner Sammlungen von wertvollen Aufsätzen und Essays neuerer Autoren, die in verschiedenen periodischen Publikationen zerstreut sind, sowie auch neue Werke, die bisher noch nicht erschienen sind. Von den bereits herausgegebenen Werken seien besonders genannt die nachgelassenen Schriften des realistisch scharf beobachtenden, in die Tiefen der Lebenszusammenhänge und Zeitprobleme eindringenden, leider zu früh verstorbenen Romaners BeTSchadsky; die gesamten Schriften des gelehrten Aufklärungsapostels und rastlosen Kämpfers gegen Aberglauben und Unwissen, Dr. S. Rubin"; eine Sammlung literarischer Essays von M. F. Berdyczevsky; eine Gesamtausgabe von Brandstetters lebenstreuen Erzählungen; die, namentlich für die sprachliche Entwicklung des Hebräischen interessebietenden Gedichte des R. Samuel Ha-Nagid, und eine Skizzensammlung von S. Schneier. Es kann an dieser Stelle, bei einer zusammenfassenden Wertung der „Bibliotheka gedaula", nicht auf jede einzelne ihrer Publikationen eingegangen werden. Das muß einer Spezialbetrachtung vorbehalten bleiben. Nur mögen hier dem letztgenannten Dichter einige besondere Bemerkungen gewidmet sein, weil er, trotz seiner überragenden Bedeutung, in der westjüdischen Presse bisher merkwürdigerweise noch garnicht gewürdigt worden ist. Schneier ist das Phänomen der neuhebräischen Dichtung. Trotz seines jugendlichen Alters hat er bereits eine Fülle von Dichterwerken geschaffen, die durch ihre Farbenglut und Sprachgewalt, durch Bilderreichtum und tiefe Problemerfassung uns wie mit elementarer Kraft packen und fortreißen. Manche seiner Dichtungen wirken wie brandende Meereswogen, in denen Mysterien der abgrundlosen Tiefe hervorzubrechen scheinen. Mit feuersprühendem Temperament alles Leben umfassend, forscht er zugleich nach dem Grunde des Seins, erkennt er zugleich den Trugschein des Erdenwallens. Darin offenbart sich die Tragödie des Juden, der nicht voll und ungetrübt zu genießen vermag, der im ewigen Zwiespalt mit sich und dem All lebt. „Min Hachajim Wehamaweth", („Vom Leben und Tode") betitelt sich die Schneiersche Sammlung in der „Bibliotheka gedaula". Leben und Tod — sie berühren und erfassen einander, marschieren Hand in Hand und ergänzen sich gegenseitig. Das ist das Bild der jüdischen Muse, des jüdischen Wandels. Isoliert, wirkt es erschütternd, vernichtend. Im Zusammenhang der Generationen dokumentiert es das Ringen der Jahrtausende, dessen Größe und Dauer eine Lebensbejahung verkünden. Und hierin ist der innere Sinn der „Bibliotheka gedaula" zu suchen: die Andeutung der Wesenskontinuität unserer Nationalkultur und Volkspsyche. Berlin. Josef Lin. Büchereinlauf Ausgewählte Schriften, Band II, von Dr. Nathan Birnbaum. Verlag der Buchhandlung Dr. Birnbaum & Dr. Kohut, Czernowitz 1910. Quer durch Abessinien, von Dr. Jacques Faitlovitch. Verlag M. Poppelauer, Berlin 1910. Mainzer Volks- und Jugendbücher, Band 11 und 12. Verlag Jos. Scholz, Mainz 1910. Jossele, nach der jüdischen Erzählung Dienesohn's frei bearbeitet von Albert Katz. Verlag Gustav Engel, Leipzig 1910. Abraham Geiger, Kwutzath mamarim (gesammelte Aufsätze), herausgegeben von Dr. S. A. Posnanski, Bibliotheka hagdola. Verlag Tuschiah, Warschau 1910. Sanhedrin-Makkoth, herausgegeben von Prof. H. L. Strack, Leipzig 1910. J. C. Hinrich'sche Buchhandlung. Aboda-Zara, herausgegeben von Prof. H. L. Strack, Leipzig 1910. Hinrich'sche Buchhandlung. G. Struve, Jesode hahigajon (Die Grundlagen der Logik. Aus dem russischen übersetzt von S. Bor er. Odessa 1910. The Jews in Babylonui in the ti? e of Ezra and Nehemiah, by Sam. Daiches, Oxford 1910. Jewish Community, by Israel Cohen. Reprinted from The Sociologicar Review. July 1910. Oxford. „Hachinuch", eine pädagogische Zeitschrift für Lehrer und Eltern, herausgegeben vom Lehrerverband in Palästina, redigiert von Dr. N. Turow. 1. Heft. Inhalt: 1. Vo:i der Redaktion; 2. Dr. N. Turow: Die Pädagogik und die Psychologie; 3. Professor W. Münch: Der Unterricht und das Interesse; 4. Dr. Mossinsohn: Die Bibel in der Schule; 5. Ch.*Harari: Die Lektüre zu Haus und in der Schule: 6. Mordechai ben Hillel Hakohen: Die Alliance; 7. Probeuriterricht; 8. Pädagogische Revue; 9. Kritik und Bibliographie; 10. Diverses; 11. Ein Zirkularschreiben vom Lehrerverband in Palästina. Tempelklassiker. Deutsche Dichterausgaben. Mustergültige Texte. Gediegenste Ausstattung. Wohlfeile Preise. Die kennzeichnende Eigenart der Tempelausgaben ist, daß sie von allem philologischen oder kritischen Apparat Lesarten, Anmerkungen, Einführungen, Nachworten absehen, von Buchdeckel zu Buchdeckel enthalten sie nichts als das Wort des Dichters. Belehrung und Erläuterung über Werke und Leben ist jeweils in einen besondern Ergänzungsband, verwiesen, der stets den letzten einer Ausgabe bildet, und unter planmäßiger reichlicher Benutzung von Briefen in einem biographisch-monographischen Zusammenhang das Leben und das literarische Wirken des Autors zur Darstellung bringt. r Es liegt ferner im Programm der Tempelausgaben, daß ihre Textfassungen zum Unterschied von mehr oder weniger traditionell gewordenen Altersgestaltungen in allen wichtigen Fällen die lebensvollem frühem Formen in