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Die Welt · 1910-09-30 · 39 (30.9.1910) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
39 (30.9.1910)
Date
1910-09-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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950 DIEBEL! No. 39 Wenn nun weiter von zwei kommenden Neugründungen in Hasköj berichtet wird, so handelt es sich auch hier um wesentlich vom Großrabbinat unabhängige Dinge. Die ottomanische Regierung hat bei der Revision der Talmud Thora, die sie in Hasköj vornehmen ließ, den lamentablen Zustand aller dieser Anstalten feststellen müssen und ist zu der Ansicht gelangt, daß sie samt und sonders abgerissen und ein neues großes Institut an ihrer Stelle errichtet werden müsse. Zu diesem Zwecke sollen die dem Staatsbudget zufolge an jüdische Unterrichtsanstalten des Wilajets Konstantinopel ausgeworfenen Subventionen verwendet werden. Ein geeigneter Platz für diese Riesen-Talmud Thora, oder für das Asyl, wie es der Chachambaschi genannt hat, das an 800—900 Kinder aufnehmen soll, ist bereits ausgesucht worden. Die zweite Neugründung soll in einer Volksschule bestehen, die an die Stelle der Talmud Thora Seror Hachajim treten sofl. Diese Anstalt, die vom Großrabbinat schon seit dem alten Regime her eine Subvention von etwa 1000^ jährlich erhält, soll einen Neubau erhalten, der 120 000 Franken kostet und für den ein Drittel dieser Summe durch einen Philanthropen, namens Catani, versprochen ist. Ein Protest gegen die Schule „Seror Hachajim" Die jüdische Presse Konstantinopels veröffentlicht einen Protest aus .der Mitte der Gemeinde Hasköjs gegen die Art, in der die Talmud Thora „Seror Hachajim" geleitet wird. Diese Schule hatte vor einigen Jahren unter dem Patronate des Hilfsvereins gestanden und hatte sich schön entwickelt; infolge von Intrigen seitens des Schulkomitees hatte sich sodann der Hilfsverein von ihr zurückgezogen, worauf sie immer mehr verfallen wa. Jetzt steht sie unter dem Schutze [der Alliance, der sie durch Stellung eines Direktors subventioniert; anscheinend zur lebhaften Unzufriedenheit weiter Hasköjer Kreise. „Fühlt sich das Komittee", so heißt es in dem erwähnten Protest, wohl verantwortlich dafür, daß es die Schüler der vollkommen jüdischen Erziehung, die sie unter der Patronanz des Hilfsvereins empfangen hatten, beraubt, den Hilfsverein zurückgestoßen hat? Man braucht nur eine Parallele zu ziehen zwischen der Schule von Balat, die vom Hilfsverein unterhalten wird und von Tag zu Tag sich blühender entwickelt, und derjenigen, die von diesem Komitee verwaltet wird und von Tag zu Tag mehr verkommt. Was tut man in dieser Schule? Welches Programm verfolgt man? Alles Fragen, die die Bevölkerung von Hasköj ein Recht hat zu stellen, da ihr bisher weder Programm noch Abrechnung vorgelegt worden sind. ... Es ist Zeit, daß die Bevölkerung von Hasköj sich ein wenig mit den traurigen Zuständen an dieser Institution beschäftige. . . ." — Es ist bezeichnend, daß trotz des großen Vertrauens zum Hilfsverein, das aus solchen Kungebungen spricht, und trotz der schönen Erfolge, die seine Schulen zu verzeichnen haben und die selbst das Komitee d' Instruktion hatte öffentlich anerkennen müssen, im Rechenschafte des Mischlisch dschismani an der Stelle, die der Hilfsarbeit fremder Organisationen am jüdischen Schulwesen Konstantinopels gedenkt, mit keiner Silbe des Hilfsvereins Erwähnung geschah, und daß erst ein Zwischenruf des Dr. Wellischs diese merkwürdige Vergeßlichkeit berichtigen mußte. Ein neuer jüdischer Senator Daud Effendi Molcho, ehemaliger erster Übersetzer des Kaiserlichen Diwans, ist die Ernennung zum Senator erteilt worden. Die ottomanischen Juden werden also künftig durch zwei Sitze im Senate vertreten sein. Das Grab Davids Baron Edmund von Rothschild soll bei der osmanischen Regierung Schritte unternommen haben, die darauf abzielen, die Autorisierung zur Anstellung von Nachforschungen nach der Lage des Grabes Davids in Palästina zu erhalten. Botschafter Strauß Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Herr Oskar Strauß, hat infolge des Verhaltens der russischen Regierung, die ihm, wie bekannt, nur eine eingeschränkte Erlaubnis zum Besuch Rußlands erteilte, die geplante Reise nach Rußland aufgegeben. Botschafter Strauß ist zu mehrwöchentlichem Urlaub nach den *" Vereinigten Staaten abgereist. Aus Salonik Das Allianzkomitee von Saloniki beschloß, nach Sukkoth die Knabenschule für die Aufnahme weiterer 250 Schüler einzurichten, und außerdem eine zweite Schule, eine Handwerkerschule für Mädchen zu gründen, die 300 Schülerinnen fassen soll. Beide Anstalten sind für die ärmsten Klassen*J>ere£hnet. fl J In der jüdischen Presse von Salonik tobt seit geraumer Zeit ein Kampf um die Sprachenfrage." Die „Epoca" hatte unlängst gegen das Hebräische, als die tote und begrabene Sprache, einen großen Artikel" losgelassen, der in schönen Erwiderungen der „Tribuna Libera" und des „Avenir" energische Widerlegung fand. Palästina Ende der Weinkrisis Jaffa, 18. September. Allem Anscheine nach ist die Weinkrisis, die eine so außerordentlich große Gefahr für die Entwicklung unserer Kolonien bildete, nunmehr überwunden. Fast den ganzen Bestand der palästinischen Weine, des Rischoner Kellers und der außerhalb des Syndikats organisierten Weinbauern in Pethach Tikwah, sowie den Vorrat der Winzer in Sarona hat ein Vertreter einer großen Weinfirma in Marseille zu günstigen Preisen abgekauft. Der Wein soll demnächst auf speziellen Dampfern verladen und nach Marseille transportiert werden. Leider hat der Rischoner Keller einige Zeit früher auf Aufforderung der I. C. A.-Verwaltung an 15000 hl zu Schleuderpreisen in Hamburg verkauft, wodurch das Syndikat jetzt einen Verlust von ca. 60000 Frcs. erlitten hat. Es stellt sich nun heraus, daß diese große Nachfrage nur zum Teil die Folge der fast überall mißratenen Weinernte ist. (Im übrigen hat auch Palästina heuer über eine schlechte Traubenernte zu klagen, jedoch scheinen die Ergebnisse hier unvergleichlich besser als in den andern, Wein produzierenden Ländern zu sein.) Hauptsächlich ist es jedoch das strenge Gesetz gegen die Weinpanscher in Frankreich, welches den kolossalen Bedarf an Naturweinen hervorgerufen hat und das wohl noch viele Jahre hindurch dem palästinischen Weine, der seiner vomiglichen Marke wegen auf dem Weltmarkte bereits bekannt ist, lohnenden Absatz verschaffen wird. Diese glückliche Überwindung der Weinkrisis ist um so freudiger zu begrüßen, als im kommenden Jahre die Subvention des Barons Rothschild für diejenigen jüdischen Winzer, die ehemals unter seinem Protektorate gestanden haben, nunmehr aufhört. Man kann bestimmt erwarten, daß jetzt auch die Weingärten, die nach dem seitens der I. C. A.-Verwaltung erfolgten Verbote der Anlage neuer Weinpflanzungen entstanden sind, (den sogenannten trefenen Trauben), an den Rischoner Keller ihre Trauben werden abliefern können. In erster Linie werden von den bisherigen Kolonien nur diejenigen profitieren, die den großen Weinkellern und dem Ausfuhrhafen nahe liegen, also allen voran Rischon le Zion, sodann Rechowoth und Wadi-Chanin in Judäa, Sichron Jakob und seine Tochter-Kolonien in Sarnaria. Wenn sich einmal die Wegverhältnisse in Palästina bessern, werden dann auch die entlegenem Kolonien vorteilhaftere Bedingungen für den Absatz ihrer Weinprodukte haben. Steinsche Fabrik. Jaffa, 18. September. Leider ist es bis jetzt nicht gelungen, wie es die Generalversammlung der Aktionäre wünschte, das gerichtliche Konkursverfahren aufzuheben und die Liquidation durch ein von den Aktionären und Kreditoren gewähltes Komitee durchzuführen, da die Kreditoren auf diesen Vorschlag nicht eingehen wollten. Es gelang nur, die Forderung der Arbeiter zu befriedigen. Nun haben auch die meisten Arbeiter das Land verlassen und sich teils nach Beirut, Damaskus, Ägypten, zum Teile aber nach Rußland, Amerika und andern überseeischen Ländern begeben. Hat man sich mit dem Geldverlust, den sehr viele Leute im Lande erlitten haben, zum Teile bereits abgefunden, da man schon seit etwa zwei Jahren den unhaltbaren Zustand der Fabrik erkannt hatte und auf den traurigen Ausgang vorbereitet sein mußte, so wirkte doch der Zusammenbruch dieses jüdischen industriellen Unternehmens, an welches so große Hoffnungen geknüpft wurden und das so vielen Familienvätern und ledigen Arbeitern ehrlichen Erwerb geboten hat, sehr bedrückend. Über 200000 Frs. jüdisches Kapital ist verloren. Das Aktienkapital betrug nämlich 190000 Frs., wovon nach Abzug jener Aktien, die nur als Vergünstigung verschiedener Art gewährt wurden, immer noch etwa 150000 Frs. effektiv für Aktien eingezahlten Geldes bleiben, welche nun vollständig verloren sind. An 40000 Frs. gibt es Privatschulden, und es läßt sich noch nicht genau bestimmen, wieviel davon ungedeckt bleiben wird. Das Guthaben der A. P. C. im Betrage von ca. 80000 Frs. ist durch Hypothek und Pfand genügend gesichert. Jedoch wird sich auch hier bei der Liquidation der verpfändeten Materialien naturgemäß ein kleiner Verlust ergeben müssen. Niederdrückend wirkt besonders die Tatsache, daß dieses Unternehmen in seiner Anlage zu den gesundesten und aussichtsreichsten im Lande gehörte. Mit der Ausdehnung der Orangenkultur nämlich wächst von Jahr zu Jahr die Nachfrage nach

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