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Die Welt · 1910-09-30 · 39 (30.9.1910) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
39 (30.9.1910)
Date
1910-09-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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946 DIE2/&ELT So spricht mir der Almanach vom jüdischen Schaffen, so spricht mir aus dem Almanach das jüdische Schaffen, das neuerwachend den Zwiespalt des Nachschaffens überwand und hinaufstrebt zur großen Einheit, in der das Große geschaffen werden soll. Mag auch manches fehlen, der Almanach gibt ein klares Bild des schaffenden Judentums — er hat seine Aufgabe erfüllt Darum ist er ein Werk, und die ihn uns gaben, verdienen No. 39 großen, großen Dank. Nun tritt das Buch vor die Welt in einem Gewände, dessen es sich nicht zu schämen braucht, und es erzählt ihr von dem schöpferischen Juden. Möge man es gern hören! Es ist wert, daß man seiner Worte achtet — denn wir sind j.wert, daß man unserer Worte achtet: Wir schaffen und man wird uns hören müssen! o o o o o o o 1 " o o o o o o o 7 AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Tagung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich am 11. September 1910 Am 11. September tagte das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich in Mähr.-Ostrau. Anwesend waren Adolf Böhm (Vorsitzender), Dr. Emil Margulies (Obmann des böhmischen D.-K.), Dr. Fritz Eckstein (namens des mähr.-Schles. D.-K.), die Herren Rabb. Dr. Friedmann (Troppau), Fritz Low (Proßnitz), Josef Süß man dl (Mähr.- Ostrau). Dem nicht vertraulichen Teil der Beratungen wohnten auch einige Vorstandsmitglieder der zionistischen Vereine Mähr.- Ostrau, Troppau und Freudental bei. Der Präsident Gg. A. Böhm begrüßte die Erschienenen und gedachte des verblichenen Gg. Dr. Gabel. In vertraulicher Sitzung berichteten der Vorsitzende und Dr. Emil Margulies über die Jahreskonferenz. Hierauf gin^ die Beratung zur Tagesordnung über. Der Vorsitzende berichtete über den Stand der Arbeiten im Zentralbureau. Wegen der Aktion betreffend die Judengesetzgebung in Österreich sei von verschiedenen Referenten Material eingefordert worden. Auf Antrag Dr. Friedmann wurde die Abfassung von verschiedenen Fragebogen zur Absendung an Kultusgemeinden, Rabbiner und Vertrauensleute beschlossen, des fernem die Einsetzungeiner statistischenKommission vereinbart, welche in dieser und andern Aktionen tätig sein und sich mit dem Bureau für Jüdische Statistik, Berlin, ins Einvernehmen setzen soll. Bezüglich der Monatsschrift „Palästina" wurde von allen Seiten die Einleitung einer lebhaften Agitation zur Gewinnung von Abonnenten zugesagt. Betreffs der „Jüdischen Zeitung" wurde beschlossen, zu deklarieren, daß es Pflicht jedes organisierten Zionisten Westösterreichs sei, die „Jüdische Zeitung" zu abonnieren. Der Vorsitzende berichtete über seine Bemühungen, in Wien eine jüdische Verlagsunternehmung mit Unterstützung des Jüdischen Verlags in Köln, ins Leben zu rufen und wurde ermächtigt, in dieser Angelegenheit weitere Schritte zu tun. Das Palästina-Informationsbureau funktioniert nach wie vor in vorzüglicher Weise. Es wurde weiter die Herausgabe von Jugendschriften besprochen. Wegen Verbreitung der hebräischen Sprache wurde beschlossen, auf Einrichtung lokaler Sprachkurse hinzuwirken. Ein solcher soll im Herbst in Wien ins Leben treten. Der Vorsitzende legte sodann das Budget vor und urgierte den Abschluß der Schekelsammlungen. Die Leiter der D.-K. betonten, daß diese durchaus nicht weniger ergeben werden als im Vorjahre, nur konnte wegen des Dezemberkongresses noch nirgends ein Abschluß erzielt werden. Es wurde auch der Beschluß der Jahreskonferenz erwogen, wonach im nächsten Jahre die Schekel voll abgeführt werden sollen. Allseits wurde betont, daß es sehr schwer sein würde, auf die Schekelquote Verzicht zu leisten, nachdem das Budget der Vereine und der D.-Ks. ohnehin überlastet ist. Wegen der weitern Agitation wies der Vorsitzende darauf hin, daß in Osterreich für die Siedlungsgenossenschaft schon viel mehr eingegangen sei, als es im Verhältnis zu andern Sammlungen zu leisten hätte. Trotzdem werden die Sammlungen fortgesetzt. Dr. Oppenheimer wird Ende Oktober nach Prag und Wien kommen. Für weiter aber soll sich die Agitation in Westösterreich vor allem auf die Development Co. konzentrieren. Im November wird ein Spezialheft von „Palästina" für die PLDC. erscheinen, das zur Grundlage für die Agitation dienen soll. Auf Antrag Dr. Eckstein beschloß die Sitzung, dem N.F.¬ Bureau nahezulegen, Materialiensortimente zu fixen Preisen zusammenzustellen. Abends fand im Deutschen Hause eine öffentliche Versammlung statt, die von 500 Personen besucht war. Gg. Adolf Böhm hielt einen Vortrag über Palästinaarbeit und Siedlungsgsnossenschaft, die Herren Dr. Friedmann namens des D.-K. Troppau, Jos. Süßmandel namens des Zionistenvereins Ostrau und stud. jur. Kohn namens der Studentenschaft hielten Ansprachen, die sämtlich warmen Beifall fanden. Nach der Versammlung veranstaltete die Studentenschaft Ostraus einen Kommers zu Ehren der anwesenden Mitglieder des Z.-K., welche Ansprachen hielten. Jüdischnationale Reichspartei in Österreich Am 18. September 1910 fand in Lemberg eine Sitzung der Exekutive der jüdischnationalen Reichspartei in Österreich statt. An derselben nahmen teil die Herren: Dr. Salz, Präsident, Reichsratsabgeordneter Stand, Dr. Frucht, Dr. Dia mand-Czernowitz, Weißglas-Zastawna, Dr. Löwenherz und Dr. Schreiber-Lemberg, Tropp-Stanislau. Der Präsident der Reichsexekutive, Dr. Salz, widmete dem Schöpfer der Reichsorganisation, dem verstorbenen Abg. Dr. Gabel einen warmen Nachruf. Nach Vornahme der Konstituierung, Wahl eines Generalsekretärs, Schaffung eines Bureaus und Besprechung wichtiger Organisationsfragen wurde eine eingehende Debatte über die zum Schlüsse des laufenden Kalenderjahres in Österreich durchzuführende und gesetzlich vorgeschriebene Volkszählung durchgeführt, worauf folgende Beschlüsse gefaßt wurden: Die Reichsexekutive wird die Landesorganisationen veranlassen, daß die jüdische Bevölkerung durch Volksversammlungen, Aufrufe und dgl. aufgeklärt und aufgefordert wird, bei der Volkszählung als Umgangssprache „jüdisch" anzuführen. Im Falle der Verletzung des Rechtes der jüdischen Bevölkerung, ihre Umgangssprache frei und zwanglos anzugeben, und besonders bei Willkürakten irgendwelcher Funktionäre sollen Massenbeschwerden an das Reichsgericht überreicht werden. Bezüglich der vom Jüdischen Klub einzuhaltenden Taktik wurde nach einem eingehenden Referate des Reichsratsabgeordneten Stand und nach durchgeführter Debatte einstimmig beschlossen, sofort bei Zusammentritt des Reichsrates eine gemeinschaftliche Sitzung der Reichsexekutive und des Jüdischen Klubs nach Wien einzuberufen, bei welcher die vom jüdischen Klub einzuhaltende Taktik bindend festgestellt werden soll. Die weitern Verhandlungen waren vertraulicher Natur. Jüdischnationale Landtagskandidatur in Wien Der Jüdische Nationalverein in Wien hat beschlossen, in den Wahlkampf um das durch den Tod Luegers erledigte Landtagsmandat in der Leopoldstadt, dem zweiten Wiener Gemeindebezirk, einzugreifen. Als Kandidat wurde der Industrielle Herr Lucian Brunn er nominiert. Mitteilung der Redaktion Herr Dr. Jakob Klatzkin scheidet mit dem 1. Oktober d. J. aus der Redaktion unseres Blattes. Indem wir unsere Leser hiervon mit Bedauern in Kenntnis setzen, sprechen wir zugleich die Hoffnung aus, daß Herr Dr. Klatzkin der „Welt" auch ferneren seine schätzbare Mitarbeit nicht entziehen wird. Bericht des Kartells zionistischer Verbindungen Im Kartell zionistischer Verbindungen sind die Verbindungen Hasmonaea-Berlin, Jordania-München und Jvria-Freiburg vereinigt. Das Kartell zionistischer Verbindungen ist die offizielle Vertretung der zionistischen Studentenschaft Deutschlands. Die Leitung des Kartells liegt in den Händen eines vom alljährlich tagenden Kartelltag gewählten Präsidiums, welches seinen Sitz in Berlin hat.

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