Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 39 - * ~ DIE3 Das' Präsidium gibt unter anderm ein internes Monatsorgan, die Mitteilungen des Präsidiums, heraus, welches die Mitglieder über allgemein studentische und korporative Angelegenheiten sowohl, als auch über zionistische und palästinensische Fragen informiert, und ihnen die Möglichkeit eines lebhaften Gedankenaustausches gewährt Die verflossenen Semester waren reich an zionistischen Ereignissen. Dies war von günstigem Einfluß auf das Leben innerhalb der zionistischen Studentenschaft; es bot sich im vergangenen Jahre für die zionistischen Korporationen viel Gelegenheit zur nationalen Arbeit. Im Mittelpunkt dieser Ereignisse steht der Hamburger Kongreß, welcher vom größten Teil der K. Z. V. besucht: wurde. Die durch den Kongreß angeregten Fragen gaben zu vielen Vorträgen und Diskussionen Anlaß. Es zeigte sich sehr viel Interesse für die verschiedenen praktischen und theoretischen Probleme, welche in den Kreisen der Zionisten neuerdings wieder lebhaft erörtert werden. Wie alljährlich veranstalteten die Verbindungen auch in diesem Jahre Feiern zum Gedächtnis Theodor Herzls und zum Chanukafeste. Die Hasmonaea ernannte Herrn Prof. Warburg zu ihrem Alten Herrn h. t. Wir sind stolz darauf, sowohl Herrn Wolffsohn als auch Herrn Prof. Warburg zu unsern Ehrenmitgliedern rechnen zu dürfen. Für die Entwicklung unseres Kartells ist die Tatsache wichtig, daß sich bereits drei alte Herren in Palästina dauernd niedergelassen haben. Es sind dies Dr. Elias Auerbach, Arzt in Haifa, Oberlehrer David Tachauer, Lehrer am Seminar des Hilfsvereins in Jerusalem, und Dr. Wilhelm Brünn, Arzt in Chederäh. Zu Beginn dieses Jahres unternahmen mehrere Bundesbrüder eine Reise nach Palästina, um das Land durch die eigne Anschauung kennen zu lernen. Bei den N.-F. Sammlungen hat sich die Einrichtung der allgemein erhobenen Selbstbesteuerung besonders gut bewährt. Außerdem besitzt jeder K. Z. V. eine N.-F. Büchse. Die Gesamtsumme der im K. Z. V. im Jahre 1909 gesammelten Gelder beträgt Mk 3449,08; für den Fonds der Siedlungsgenossenschaft wurden Mk. 403 gesammelt. An der in den letzten Jahren aufgekommenen jüdischen Jugendbewegung nahmen die Verbindungen im K. Z. V. starken Anteil. In Berlin galt das Hauptinteresse den sportlichen Abteilungen des Jüdischen Jugendbundes, vor allem der Ruderriege und der Tennis- Abteilung. Die jüdische Jugendbewegung ist für uns ein sehr fruchtbares Feld der Betätigung. Durch die Mitarbeit der zionistischen Studenten kann hier viel für ein kraftvolles, selbstbewußtes Judentum gewonnen werden. Fechten und Turnen ist für alle Aktiven offiziell und wird fleißig geübt. Die Aktivitas der Hasmonaea ist den Berliner nationaljüdischen Turnvereinen, dem „Bar Koehba" und dem „Charlottenburger Turnverein", beigetreten. Zu der zionistischen und geschichtlichen Ausbildung der Bundesbrüder ist jetzt auch das Erlernen der hebräischen Sprache hinzugekommen. In Zukunft werden in den Korporationen selbst hebräische Sprachkurse abgehalten werden. Was das innere, korporative Leben betrifft, so herrschte stets herzliche Kameradschaft unter den Bundesbrüdern. Davon legte auch der vierte Kartelltag Zeugnis ab, der am 30. Juli 1910 in Freiburg tagte. Der Kartelltag war sehr stark besucht. Es bot sich für viele ßundesbrüder Gelegenheit, einander wiederzusehen oder sich neu kennen zu lernen. Mit den ßruderverbindungen des Auslands wurden ebenfalls herzliche Beziehungen unterhalten. Eine weitere Annäherung der zionistischen Korporationen Deutschlands an die des Auslandes ist als durchaus wünschenswert und erfreulich anzusehen. Aus unserm Jahresbericht ist, wie wir glauben, zu ersehen, daß es für zionistische Studenten viele Gelegenheiten gibt, für unsere Idee zu arbeiten. Mit dem Wachsen der Bewegung werden auch die Arbeitsmöglichkeiten der Studenten sich vergrößern und mehr werden. Erfreulicherweise hat der Frankfurter Delegiertentag eine Resolution angenommen, nach welcher der nationale Charakter unserer Bewegung in unserer Propaganda in unzweideutiger Weise betont werden soll. Diese Resolution ist für die Propaganda innerhalb der Studentenschaft sehr wichtig. Wenn sämtliche zionistischen Studenten Deutschlands zu gemeinsamen Aktionen bereit wären und als Zionisten in unzweideutiger Weise hervortreten würden, so wäre die zionistische Studentenschaft Deutschlands eine Macht, mit der sich keine andere jüdisch-studentische Partei messen könnte. Es kommt darauf an, daß wir uns der Kraft bewußt sind, welche in einem offenen zionistischen Auftreten liegen würde. Unsere österreichischen Gesinnungsgenossen sind uns in dieser Beziehung vorbildlich. Es ist notwendig, daß sich alle zionistischen Studenten Deutschlands in irgendeiner Form organisieren. Es ist Pflicht eines jeden zionistischen Studenten, einer zionistischen Korporation beizutreten, oder, falls dies nicht möglich sein sollte, doch irgendwie Anschluß an sie zu suchen, damit der Zusammenhang stets erhalten bleibe. Es ist aber auch Pflicht der Ortsgruppen, die zionistischen Korporationen auf jede Weise zu unterstützen. Wenn diese Bedingungen erfüllt EELT 947 werden, sind wir zu großen Hoffnungen berechtigt Wir sind gern bereit, Gesinnungsgenossen, welche sich für unser Kartell interessieren, weitere Auskunft zu geben. Zuschriften bitten wir an den Vorsitzenden des Kartells zionistischer Verbindungen, Richard Lichth eim, Berlin-Charlotten bürg, Bleibtreustr. 33., und Dr. Berthold Lehmann, ebenda, Wielandstr. 40., zu senden. Das Präsidium des K. Z. V. Deutschland Berlin. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft send-et uns folgendes Schreiben: In Nr. 38 Ihrer geschätzten Zeitschrift wird eine Notiz veröffentlicht, die sich mit der Gründung eines Jüdisch en Frauenbundes für Tu rnen und Sport befaßt. Die Gründerinnen erklären nach dieser Notiz, daß sie von dem Wunsche geleitet gewesen seien, „das Frauenturnen in der jüdischen Turnbewegung auf eine gesunde Basis" zu bringen. Das konnte, und sollte wohl auch den Anschein erwecken, als ob sich das Frauenturnen in unserer jüdischen Turnbewegung auf einer ungesunden Basis befindet. Zur Widerlegung dieser irreführenden Angaben mag die Tatsache dienen, daß der neue Verein sich zum größten Teile aus Mitgliedern zusammensetzt, die unter Führung der frühern Leiterin einer Frauen- Abteilung des Jüdischen Turnvereins Bar-Kocha in Berlin aus diesem Vereine geschieden sind und im wesentlichen nach denselben Prinzipien und mit demselben turnerischen Material arbeiten. Köln. Am 24. September konstituierte sich im Hotel Berlin die hiesige Ortsgruppe der zionistischen Föderation „Misrachi". In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Isak van Cleef, Reinhard, Schnelling, Dr. Zobel, Weiß, Beck und Fink. Es wurde den Mitgliedern freigestellt, sich auch der Zionistischen Vereinigung für Deutschland anzuschließen. Die Misrachi-Ortsgruppe zählt bisher etwa 70 Mitglieder. Köln. Am 26. September fand im „Hotel Berlin" die diesjährige, zahlreich besuchte Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Nach Eintritt in die Tagesordnung ergriff Herr Max Gold reich das Wort zur Erstattung eines ausführlichen Berichtes über das abgelaufene Jahr, das ein ereignis- und arbeitsreiches, aber auch von besonderm Erfolge gekröntes gewesen sei. Redner streifte die Anteilnahme der Kölner Ortsgruppe an den letztjährigen Ersatzwahlen für das Kölner jüdische Repräsentantenkollegium, worin bereits zwei Sitze durch Zionisten vertreten seien. Die agitatorische Tätigkeit der Ortsgruppe habe sich auch im abgelaufenen Jahre auf einer breiten Basis vollzogen. In einer von ca. 500 Personen besuchten Volksversammlung berichtete Herr David Wolffsohn kurz vor Abhaltung des IX. Kongresses über den gegenwärtigen Stand der zionistischen Bewegung. Auch zugunsten der Oppenheimerschen Siedlungsgenossenschaft wurde eine größere Versammlung abgehalten, in welcher Dr. Franz Oppenheimer vor einem zahlreichen Publikum über das Projekt einer jüdischen Siedlungsgenossenschaft sprach. Beide Veranstaltungen haben das Interesse weitester jüdischer Kreise Kölns wachgerufen. Ferner fanden noch mehrere öffentliche Vorträge und Veranstaltungen statt. Am 11. August berichtete Herr Rechtsanwalt Dr. Boden heim er über die Ergebnisse der Berliner Zionistischen Jahreskonferenz. Am 28. Mai wurde eine würdige Herzl-Gedenkfeier veranstaltet, in welcher Herr Dr. Martin Rosenblüth die Gedenkrede hielt. Außerdem fanden häufige Vorstandssitzungen sowie zwei Wahlversammlungen statt. Hervorzuheben ist ferner die Einberufung eines Rheinisch- Westfälischen Gtuppenverbandstages, der am 8. Mai 1910 in Köln tagte. In das abgelaufene Jahr fällt die Gründung einer Kölner Ortsgruppe des „Misrachi". Es ist zu hoffen, daß das Zusammengehen beider Gruppen für die Entwicklung des Zionismus in Köln von gutem Erfolge begleitet sein wird. Auch an dem Gedeihen der Kölner jüdischen Lesehalle hat die Ortsgruppe lebhaften tätigen Anteil genommen. Der Vorsitzende gab seiner besondern Freude darüber Ausdruck, daß sich die materielle Lage unserer Ortsgruppe im verflossenen Jahre wesentlich günstiger als in den früheren gestaltet habe, das Jahr schließe mit einem namhaften Überschüsse ab. Die Nationalfondseinnahmen sind dem Vorjahre gegenüber beträchtlich gestiegen, für den Organisationsfonds ist aus Kölner zionistischen Kreisen eine beträchtliche Summe eingegangen, auch die Mitgliedsbeiträge weisen eine erhebliche Steigerung auf. Für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft sind ansehnliche Beträge gezeichnet worden. Einem treuen Mitgliede unserer Ortsgruppe, Herrn Julius Berger, der im abgelaufenen Jahre aus Köln geschieden ist, gebührt für seine eifrige Mitarbeit noch besonderer Dank. Der Kassenbericht wurde von Herrn A. Hof mann erstattet. Den Bericht über die für den Nationalfonds veranstalteten Sammlungen erstattete Herr Lehrer Reinhard. Nach den Mitteilungen des Vorstandes entspann sich eine kurze Debatte, an