Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316445--53735-3347502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 39 DIE^ELT 943 unser ganzes Ich sind die Schöpferischen und wir haben sie." Diese Grundidee liegt in dem Buche, das jüngst erschien, in dem „Jüdischen Almanach", den der Verein EIN JUDE AUS WARSCHAU * „i.\r Kochba" in Wien herausgab. Also eine Art Apofogie? Ja, wenn man will; — aber eine stolze Apologie; keine Apologie, die untertänig, mitleidheischend versichert, wir Juden seien nicht um ein Haar anders als andere, sondern eine klare, bestimmte Erklärung, die da lautet: „Wir schaffen, wenn wir schaffen, so und um kein Haar anders." Das jüdische Schaffen ist für die Welt ein Problem; noch mehr, es ist für uns selbst ein Problem. Denn es ist eigenartig, raumlos, zeitlos, unbegrenzt, nicht gestützt durch einen festen Standort. So zu schaffen, wie wir jetzt schaffen, ist eine qualvolle Freude und zeugt von bewunderungswürdiger Stärkeder Sehnsucht eines Geistes RADIERUNG VON HERMANN STRUCK nach seiner Vollendung im Höchsten. Darum ist es aber auch natürlich, wenn bei uns oft und oft aus der Sehnsucht nach dem festen Standort heraus die Freude am reinen Erkennen die Oberhand gewinnt, das Nachschaffen uns ein Nirwana wird für unsern Qeist. — Aber nie dauert es lange. Wir schaffen doch wieder und wieder, zur Freude uns und zur Qual. Warum dieser ewige Wechsel? Das ist das große Problem unserer Existenz und unseres Schaffens, und es zerfällt in eine Menge