Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316445--53733-3347500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
sich das jüdische Ghetto befindet, jetzt herrschende Augenkrankheit die natürlich von den Juden eingeschleppt worden sein soll, wird von dem genannten Blatte in seiner Nummer vom 19. September dazu benutzt, um die jüdischen Emigranten in der gehässigsten Weise anzugreifen. Anknüpfend an eine vor kurzem von der Polizei vorgenommene Razzia zwecks Aufhebung einer vor Paris lagernden Zigeunerbande wird es bedauert, daß die Polizei nicht in gleicher Weise (!) gegen das jüdische Ghetto, — das hierbei verächtlich „cour des miracles"*) getauft wird, — vorgehe. Es wird von Klagen der anwohnenden Bevölkerung berichtet, wonach den jüdischen Bewohnern dieses Stadtteils alle möglichen Laster, wie Arbeitsscheu, Trunksucht usw. zugeschrieben werden. Mehr jedoch als dieser Klatsch verdient die Erklärung des um seine Meinung befragten Vizebürgermeisters dieses Stadtteils, Dr. Roussy, beachtet zu werden. Danach hätte der Polizeipräfekt Herr Lepine bereits speziell für die jüdische Bevölkerung des Ghettos berechnete sehr strenge Überwachungsmaßregeln angeordnet. Die drei Stadtverordneten dieses Arrondissements hätten ihrerseits versprochen, die Frage binnen kurzem im Pariser Rathaus zur Sprache zu bringen, um eine baldige Lösung der Frage herbei zuführen. Es bleibt nun abzuwarten, was aus alledem wird. Die Karäer in Konstantinopel. Der Besuch, den Nahum Sokolow im vergangenen Jahre der Synagoge der Karäer in Konstantinopel abgestattet, und die Worte, die er damals in hebräischer Sprache an sie gerichtet hatte, scheinen von dauernder Wirkung geblieben zu sein. Die Karäer scheinen seitdem ein immersteigendes Interesse für unsere nationalen Angelegenheiten und speziell für unsere Sprache zu hegen. So übte auf sie, fleißige Leser des hier erscheinenden „Hamewasser", ein in dieser Zeitschrift erschienener Artikel über Assimilationsbestrebungen unter den Karäern Rußlands einen tiefen, erregenden Eindruck aus. Sie hielten vor kurzem eine Versammlung ab, um gegen solche Tendenzen zu protestieren. Außerdem gehen sie damit um, sich an die Karäer Ägyptens zu wenden zum Zwecke der Organisierung eines gemeinsamen Protestes, den sie an die Häupter der russischen Karaiten gelangen lassen wollen.; Sie wollen es mit Macht zum Ausdruck bringen, daß sie sich mit ganzer Seele als nationale Juden rühlen und sich um keinen Preis der Welt vom jüdischen Volke trennen wollen. Sitzung des Engeren Aktionskomitees Am Sonntag den 25. September fand im Zionistischen Zentralbureau zu Köln eine Sitzung des Engern Aktionskomitees statt, an der die Mitglieder desselben, Präsident Wolff söhn und I. H. Kann, teilnähmet}. Ferner waren niwesend: Herr S. Hoofien sowie Herr Dr. M. Rosenblüth als Sekretär. Herr Professor Warburg, der an der Teilnahme verhindert war, hatte in einer Vorbesprechung mit dem Präsidenten zu allen wichtigern Punkten der Tagesordnung Stellung genommen. In Anbetracht des Umstandes, daß die Feiertage es unmöglich machen, schon im Oktober eine Sitzung des Großen Aktionskomitees abzuhalten, wurde gemäß dem von mehrern russischen Mitgliedern des A. C. geäußerten Wunsch beschlossen, das A. C. erst für Dienstag den 22. November d. J. und die folgenden Tage nach Köln einzuberufen. Die Tagesordnung für die Tagung des Aktionskomitees wurde in den Hauptpunkten festgesetzt. Die Angelegenheit der Presseunternehmungen wurde durchberaten, und es wurden diesbezügliche Beschlüsse gefaßt; ein Bericht hierüber soll den Mitgliedern *) Mit „cour des miracles" wurden in Paris ehemals die Sammelplätze für gewerbsmäßige Bettler und Krüppel aller Art bezeichnet. des Aktionskomitees vor der nächsten Sitzung übersandt werden. Der Präsident erstattete Bericht über die Arbeiten der von der Jahreskonferenz eingesetzten Kommissionen zur Beratung des Organisationsstatuts und zur Vorbereitung der Einsetzung eines Ehrengerichts. Eine Sitzung der erstgenannten Kommission ist zum 9. Oktober d. J. nach Köln einberufen. In Angelegenheit des Agrarkreditinstituts erstattete der Präsident Bericht über den Stand der Vorarbeiten. Es wurde beschlossen, obwohl sich, wie im Bericht über die Sitzung des E. A. C. vom 10. und 11. April d. J. (Welt 1910 Nr. 15) bereits mitgeteilt, in dieser Angelegenheit die Grundlagen verschoben haben, die Bemühungen jedenfalls fortzusetzen. Es wurde beschlossen, die David und Fanny Wolffsohn-Stiftung für den Bau von Arbeiterhäusern in Palästina dem Jüdischen Nationalfonds anzugliedern. Aus den Mitteln des Unterstützungsfonds für die Opfer der Judenverfolgungen in Rußland wurden die Beträge für die Aufnahme von zwei weitern Pogromwaisen Irl die palästinensischen Waisenhäuser zur Verfügung gestellt. Ferner wurden über eine Reihe interner Angelegenheiten Beratungen gepflogen und Beschlüsse gefaßt. * # * Am gleichen Tage fanden in Köln Sitzungen der Direktionen des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Co. und der Anglo Levantine Banking Co. statt, an denen außer den vorgenannten Mitgliedern des E. A. C. noch Herr Joseph Cowen sowie Herr Manager. Hirsch und der Sekretär Herr Neumann teilnahmen. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 3o. September 1910 abläuft, werden gebeten, die Erneuerung der Abonnements unverzüglich vorzunehmen, damit keine Störungen in der Zustellung; der Blätter erfolgen. Posterlagscheine bzw. Zählkarten an die Abonnenten in Deutschland und Österreich-Ungarn haben wir diesmal direkt per Post eingeschickt und bitten dieselben zur kostenlosen Überweisung des Abonnementsbetrages zu benutzen. Auf zahlreiche Anfragen geben wir nochmals bekannt, daß die Abonnenten die mit der Einzahlung des Bezugspreises nicht im Rückstände sind, die Palästinanummer der „Welt" kostenlos zugeschickt erhalten, ebenso alle ab 1. Oktober d. J. neueintretenden Abonnenten. Die Mummer gelangt am 17. Oktober d. J. zur Ausgabe. Bestellungen für die Palästinanummer bitten wir unverzüglich aufzugeben, da die Auflage mit Rücksicht auf ihren starken Umfang spätestens eine Woche vor Erscheinen der Nummer festgesetzt werden muß und wir für die Ausführung später einlangender Bestellungen nicht garantieren können. Die Nummer wird nur gegen feste Bestellung (also Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme) abgegeben. Der Preis der ca. 100 Seiten starken Nummer wurde für Deutschland und Österreich-Ungarn mit 65 Pfennig, für alle übrigen Länder mit 75 Pfennig festgesetzt. Exemplare auf Kunstdruckpapier dt i.5o. Zionistischen Vereinen, Vertrauensmännern und Kolporteuren berechnen wir: {ür Deutschland und für alle übrigen Österreich-Ungarn: Länder: 10 Exemplare mit . . . JC 6.— dt 7.— 25 „ „ . . . „ 13.75 „ 15.— 50 * „ „ . . . „ 22.50 „ 25.- 100 „ „ . . . „ 40.— „ 45.- Hochachtungsvoll Expedition „Die Welt".