Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 37 DIE^ELT 895 rscheinerj, daß dem jüdischen Volke sein Platz reserviert und os bestimmt ist, ihn wieder einzunehmen. Wenn es uns gelingt, ms dem Menschenmaterial, das aus dem russischen Sumpf kommt, >ine kräftige Nation heranzubilden, dann wird das ein schwerer Schlag für jene sein, die uns jetzt verfolgen. Der Bedner polemisiert dann in kräftigen Worten gegen die Bassentheorie Cham- »erlains und seiner Nachbeter und legt in großen Zügen den Plan der jüdischen Kolonisation in Palästina dar: Wir wollen len russischen Barbaren beweisen, daß es ein gutes Volk war, las sie ausgetrieben haben. Wir wollen auf eigenem Boden ein reies Volk schaffen. Das ist, meine Herren, der „reaktionäre Zionismus", wie ich ihn verstehe. Parteisekretär Blumenfeld fordert im Schlußwort zum Beiritt in die zionistische Organisation auf. Die Versammlung hörte die Bedner mit gespanntester Aufmerksamkeit an und nahm ihre Ausführungen mit stürmischer Zustimmung auf. Kommers Der Studentenkommers, der von den 12 Studentenvereinen, welche im „Bund jüdischer Korporationen" und im „Kartell zionistischer Verbindungen" organisiert sind, veranstaltet wurde, fand Sonntag den 11. September, abends 9 Uhr, im großen Saal les Kaufmännischen Vereins statt, in dem auch der Delegiertentag getagt hat. Der Kommers war glänzend besucht, Saal und Galerien waren überfüllt, fast 1000 Personen, Damen und Herren, waren anwesend, i )ie Chargierten aller 12 Vereine waren in Vollwichs erschienen. Der Kommers wurde durch Herrn Bobert Nußbaum aus Hanau, Alten Herrn des B. J. C, eröffnet. Außerdem sprachen die Herren Lictheim für das K. Z. V. und Blumenfeld für den B. J. C, sowie Herr Dr. Bodenheimer für die zionistische Vereinigung für Deutschand. Herr David Yelin aus Jerusalem überbrachte in hebräischer Sprache die Grüße der jüdischen Jugend Palästinas. An den offiziellen Teil schloß sich die Fidelität an, welche die Teilnehmer des Kommerses bis in die frühen Morgenstunden vereinigte. Der Kommers war eine glanzvolle Repräsentation der national-jüdischen Studenten Deutschlands. Der Präsident der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. I. U. über die Situation in der „Alliance" (Originalkorrespondenz der „Welt") Es ist allgemein bekannt, daß der gegenwärtige Präsident der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle, Herr Geheimer Justizrat Tim endo rf er, bemüht ist, die zurzeit herrschende Spannung innerhalb der „Alliance" zu beseitigen und das Verhältnis dieser großen und ältesten jüdischen Gesellschaft zu den andern jüdischen Organisationen, wie dem „Hilfsverein" und dem Zionismus, in freundschaftlicher Weise zu gestalten. In Anbetracht des lebhaften Interesses weiter jüdischer Kreise an den Vorgängen in der „Alliance" wandte ich mich an Herrn Geheimrat Timendorfer mit der Bitte um nähere Mitteilungen über den bisherigen Erfolg und die weitern Aussichten seiner erwähnten Bestrebungen. Der Präsident der Deutschen Allianzabteilung hatte die f* o s( -o * O ([□□□□□ oo Vom Kopenhagener Sozialistenkongreß. Wir haben unlängst das Stillschweigen mitgeteilt, das der internationale Friedenskongreß in Stockholm betreffs der Juden Rußlands bewahrt hat, als er gegen die Unterdrückung Finnlands protestierte. Wir können heute vermelden, daß auch die in Kopenhagen versammelt gewesene Konferenz der internationalen Sozialdemokratie es für gut fand, über die Juden zu schweigen. Diese Konferenz, die man so wie den Friedenskongreß euphemistisch als ein Weltparlament auf¬ Freundlichkeit, in einer Unterredung mir gegenüber folgende Ausführungen zu machen : Ich kann es nur bestätigen, daß wir auf dem besten Wege sind, den Konflikt innerhalb der „Alliance" aus der Welt zu schaffen und einen dauernden Frieden herbeizuführen. Die Gegensätze zwischen der Deutschen Konferenzgemeinschaft und dem Zentralkomitee in Paris sind vornehmPch finanzieller Natur. Es handelt sich in erster Reihe um die Frage, ob auch die Beiträge der Allianzmitglieder in Deutschland für das allgemeine Schul werk der A. I. U. in den Orientländern verwendet werden sollen. Eine Einigung in dieser Hinsicht ist umsomehr zu erwarten, als auch wir diese Forderung des Pariser Zentralkomitees im Prinzip als berechtigt anerkennen und der Meinung sind, daß ein Teil unserer deutschen Mitgliedsbeiträge für den genannten Zweck zu verwenden sei. Allerdings können wir uns nicht dazu verständigen, die gesamten Allianzeinnahmen in Deutschland dafür zur Verfügung zu stellen und auf eine besondere Wirksamkeit hierzulande gänzlich zu verzichten. Wir haben hier wichtige jüdische Aufgaben zu erfüllen, die wir nicht außer Acht lassen dürfen. Wir sind hier näher zu den großen jüdischen Bevölkerungszentren und sind von hier aus mehr als die Pariser Herren in der Lage, die Bedürfnisse der jüdischen Massen kennen zu lernen und zu berücksichtigen. Unsere Freunde in Paris werden dies sicherlich einsehen und die Notwendigkeit und Ersprießlichkeit der Allianztätigkeit in Deutschland anerkennen. Und bei der gegenwärtig herrschenden versöhnlichen Stimmung darf man mit Bestimmtheit eine allseitig befriedigende Lösung in der Richtung einer vollen Einigung erwarten. Prinzipielle Differenzen bestehen zwischen Berlin und Paris nicht. Die Frage des Sprachenunterrichts an den Allianzschulen wird weder hier noch dort von chauvinistischen Gesichtspunkten aus, sondern lediglich nach den wirtschaftlichen und praktischen Bedürfnissender jüdischen Bevölkerung in den betreffenden Ländern behandelt. Es herrschen somit in dieser Beziehung keinerlei Meinungsverschiedenheiten unter uns. Auch unser Verhältnis zu den andern jüdischen Organisationen ist jetzt ein durchaus freundschaftliches. Da ich zugleich auch im Präsidium des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" bin, so ist dieser mit der Deutschem Konferenzgemeinschaft der A. I. U. durch Personalunion verbunden. Ebenso stehen wir jetzt zum Zionismus in den besten Beziehungen, was schon daraus hervorgeht, daß wir in unser Berliner Komitee einige Zionisten hineingewählt haben. Wir befolgen damit das Grundprinzip der A. I. U.: „Die Gemeinsamkeit aller Juden." Herr Timendorfer äußerte sich sodann über die Persönlichkeit des kürzlich verunglückten Herrn M. A.Klausner in folgender Weise: Sein jäher Tod hat uns aufs tiefste erschüttert. Er bedeutet einen schweren, unersetzlichen Verlust für die gesamte Judenheit. Besonders bin ich dadurch eines treuen, allezeit bereiten Mitarbeiters beraubt worden. Die beste Ehrung, die wir ihm erweisen können, ist die hingebungsvolle Fortsetzung des Allianzwerkes, zu dessen Ausbau in Deutschland der Verblichene soviel beigetragen hatte. Berlin. Josef Lin. faßt, hat in einer langen Resolution allen unterdrückten Völkern ihre Sympathie ausgesprochen und ihre werktätige Hilfe zugesagt: den türkischen, japanischen, argentinischen, russischen, finnischen, lettischen usw. Proletariern. Die jüdischen sind nicht erwähnt. Das wird ohne weiteres aus der berühmten Taktik der Sozialdemokratie erklärlich, die die Judenfrage in allen Sprachen der fünf Weltteile totschweigt. Was diese Taktik wesentlich fördert, sie vielleicht sogar hervorgerufen hat, ist die schon oft genug be- REVUE DER WOCHE ^^Tl °~ □□□□□!)