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Die Welt · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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der Finanzen zu sprechen. Es ist ein Voranschlag von 18 000^ zu bedecken. Weiter wird die Arbeit des geschäftsführenden Ausschusses in den allgemeinen Angelegenheiten der Bewegung erwähnt und mit Befriedigung auf die Resultate der Ende Juni stattgehabten Jahreskonferenz verwiesen, welche die Beruhigung über die Frage der Organisation der Parteileitung brachte. „Die deutschen Mitglieder der Jahreskonferenz" — sagt der Bericht — „haben den Beschlüssen derselben, in ihrer großen Mehrzahl nur nach sehr schweren Bedenken zugestimmt, und wir wollen hoffen, daß auf ihrer Grundlage der bevorstehende X. Zionistenkongreß die Organisationsfrage der Partei für längere Zeit zufriedenstellend regeln wird." Der Bericht schließt mit folgenden Worten: „Wir arbeiten für ein hohes Ziel. Gemessen an ihm, erscheint unsere Tagesarbeit häufig gerade den Besten von uns kleinlich. Und doch gibt sie erst die unentbehrlichsten Grundlagen. Ihr sicheres Fundament ermöglicht erst den geistigen Führern unserer Bewegung die Arbeit. Dinge aber, die notwendig sind, s:nd niemals kleinlich. Sie sind an ihrer Stelle genau so wichtig wie die großen prinzipiellen Fragen. Wenn diese Erkentnis sich einmal Bahn gebrochen haben wird, dann werden unsere zionistischen Körperschaften überall und jederzeit und ohne Zögern die Notwendigkeiten bewilligt erhalten, ohne die eine erfolgreiche Tätigkeit nicht möglich ist. Aus diesem Grunde fordern wir von Ihnen eine durchgreifende Regelung unserer organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten. Auch diese Arbeit ist würdig der Größe unserer Idee. Auch mit ihr legen Sie einen Grundstein und Eckstein für die Stätte der Zuflucht und der Heimat, die wir unserm Volke erbauen." (Lebhafter Beifall.) Es folgt hierauf das Referat Prof. Dr. Warburgs über Palästina als jüdisches Arbeitsgebiet. Die Stellung der jüdischen Kreise, sagt der Referent, zu dieser Frage ist eine verschiedene. Während die Assimilanten der Palästinaarbeit feindlich gegenüberstehen, halten sich die orthodoxen Kreise nur aus dem Grunde noch reserviert, weil sie eine Schädigung ihrer religiösen Ideale durch die Art der Arbeit befürchten, während sie der Arbeit selbst Interesse entgegenbringen. Die jüdischen Philanthropen hingegen betrachten die Palästinaarbeit nur als ein Mittel, um die Not der im Osten befindlichen Juden zu lindern. Praktisch wurde die Palästinaarbeit in Angriff genommen von den östlichen Juden, die seit 30 Jahren in zunehmendem Maßein Palästina einwandern; es existieren schon über 30 jüdische Dörfer, die, im Anfang klein, sich teilweise schon zu bedeutenden Flecken entwickelt haben. Während in der ersten Zeit Baron Edmund von Rothschild diese jüdischen Dörfer mit beträchtlichen Mitteln hat unterstützen müssen, sind jetzt schon die meisten so gut wie selbständig. In noch weit bedeutendem! Maße hat die Einwanderung in die Städte Palästinas sich entwickelt. Jerusalem besitzt jetzt 56000 Juden unter 80 000 Einwohnern, Tiberias 7000 Juden unter-8600 Einwohnern. Es sind dies also die jüdischsten Städte der Welt. Neuerdings ist auch die Entwicklung der beiden Hafenstädte Jaffa und Haifa eine sehr schnelle geworden, namentlich in Jaffa besteht schon eine große jüdische Gemeinde, und Haifa hat alle Aussicht, nach dem Ausbau des Hafens und der Eisenbahn nach Jerusalem ein bedeutendes jüdisches Zentrum zu werden. Diese Entwicklung ist im wesentlichen eine Folge der zunehmenden Landwirtschaft. Exportiert doch Jaffa jetzt fast eine Million Kisten Orangen und wird die vierfache Menge exportieren, falls die jüdischen Pflanzungen der Umgegend ertragfähig geworden sein werden. Eine Folge dieses wirtschaftlichen Aufschwungs ist auch eine gewaltige Steigerung der Landpreise, die in der Umgegend von Jaffa in den letzten 40 Jahren auf das 20- bis 25fache gestiegen sind. Die meisten der Skeptiker, welche in den letzten Jahren Palästina bereist haben, sind befriedigt oder gar begeistert zurückgekehrt. Während dies alles im wesentlichen durch die osteuropäischen Juden geleistet ist, ist es jetzt Zeit, daß auch die westlichen Juden sich mehr als bisher an dieser Entwicklung beteiligen. Der Zionismus hat schon seit seiner Begründung Palästina als das richtige Siedlungsgebiet erkannt und dies in sein noch heute gültiges Programm aufgenommen. Eine praktische Tätigkeit hat die zionistische Organisation nur deshalb in den ersten Jahren nicht in Palästina entfaltet, weil die rechtlichen Garantien fehlten und weil man glaubte, diese durch diplomatische Schritte erlangen zu können. Ganz im Gegensatz hierzu hat die Jewish Colonisation Association die Bedeutung der Orientkolonisation bis heute nicht richtig gewürdigt, obgleich die Erfahrungen, die sie dort seit Jahren gemacht hat, keine ungünstigen gewesen sind. Leider hat sie sich aber entschlossen, ihre Tätigkeit daselbst allmählich ganz einzustellen, und benutzt ihre riesigen Geldmittel, abgesehen von der anerkennenswerten Kolonisation in Amerika, besonders in Argentinien und Kanada, im wesentlichen dazu, in Rußland kulturelle Aufgaben zu erfüllen, die stets an dem Widerstande der russischen Regierung scheitern werden. So kommt die J. C. A., die infolge der Größe ihres Kapitals berufen sein sollte, die Führung in dieser Kolonisation im Orient zu übernahmen, leider für diese w:chtigste aller Arbeiten nicht in Betracht. Trotzdem brauchen wir nicht zu verzagen, und zwar deshalb nicht, weil ja die Hauptarbeit von den östlichen Juden selbst geleistet wird und den westlichen Juden im weserftlichen nur die Aufgabe zufällt, diese Arbeit zu organisieren, und diese Organisationen hat die zionistische Bewegung schon größtenteils begonnen. So z. B. hat der Nationalfonds immerhin schon JC 2000000 gesammelt, die ausschließlich zum Landkauf in Palästina bestimmt sind, und zwar soll dieses Land Gemeingut des jüdischen Volkes bleiben. Die bisher gekauften Ländereien dienen einerseits einer Lehrfarm, anderseits der Bepflanzung und Aufforstung des Landes durch Ölbäume, ein weiteres Gut ist für die Zwecke einer genossenschaftlichen Siedlung bestimmt. Außerdem besitzt der Nationalfonds noch einige kulturellen Zwecken dienende Gebäude in den Städten. Zum Zwecke der Parzellierung ist eine besondere Gesellschaft gegründet, die Palestine Land Development Company, eine englische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Lst. 50000 in Shares von 1 Lst. Die Gesellschaft hat ein schönes Gut in der Ebene Jisteel gekauft und beginnt gerade mit der Parzellierung. Leider kann sie nur Bemittelte mit einem Kapital von mindestens JC 10000 ansiedeln, da sie Kredite nicht geben kann und es andere Institutionen, um ländlichen Besitz zu beleihen, in Palästina nicht gibt, da es weder nach dem türkischen Gesetz juristische"Personen gibt, noch ein Hypothekenrecht in unserm Sinne existiert. Daher ist eine großzügige Kolonisation, wie sie z. B. die preußische Ansiedlungskommission leistet, vorläufig in Palästina eine Unmöglichkeit, selbst wenn das nötige Geld hierfür vorhanden wäre; wir hoffen und erwarten aber, daß die neue, türkische Gesetzgebung schon in wenigen Jahren diese Schwierigkeiten und Hindernisse beseitigt haben wird, und dann wird es möglich sein, mit den Mitteln, wie sie der Nationalfonds besitzt, mindestens ebensoviel zu leisten wie die preußischen privaten Landbanken, welche mit geringem Kapital Tausende von Bauern ansiedeln. Auch die Kosten der Ansiedlung sind in Paläsina annähernd dieselben wie in Preußen. Ob sich ein dauerndes Pachtsystem in Palästina bewähren wird, womit ja die Idee des Nationalfonds rechnet, läßt sich noch nicht übersehen; der Erfolg kleiner Versuche der letzten Zeit ist ermutigend, ein Versuch in größerm Maßstabe wird demnächst begonnen durch die Siedlungsgenossenschaft im Sinne des bekannten Nationalökonomen Dr. Oppenheimer, wofür das Land schon bereitgestellt ist, während zu dem Genossenschaftsfonds von JC 100 000 noch gesammelt wird. Eine der wichtigsten Fragen ist die, den jüdischen Arbeiter an die Scholle zu fesseln. Er verdient genug, um zu leben, aber nicht, um eine Familie ernähren zu können, ohne daß die Frau etwas dazu erwirbt, oder um mehrere Monate im Jahre feiern zu können, wie es die dortige Landwirtschaft erfordert. Der vor kurzem ins Leben gerufene Arbeiterheimstättenfonds wird wenigstens billige und gesunde Wohnungen schaffen sowie kleine Gärten für Gemüsebau und Geflügelzucht, im übrigen wird die Einführung von Hausindustrien die Schwierigkeiten der Seßhaftmachung der Arbeiter wegräumen. Sehr gute Resultate hat die Ansiedlung jüdischer Arbeiter aus Yemen in Arabien gehabt, die bei ihrer Anspruchslosigkeit ebenso gut auskommen wie die arabischen Fellachen. Auch andere landwirtschaftliche Institutionen sind in den letzten Jahren geschaffen worden, so die Geulah, eine Landkaufgesellschaft, ferner eine Gesellschaft, welche Pflanzungen für auswärts wohnende anlegen will, was übrigens auch die erwähnte Development-Company besorgt. Ferner existiert ein Pflanzungsverein Palästina, der kleine Gärten mit Mandeln und Oliven bepflanzt und an Stelle einer Dividende den Eigentümern jährlich eine Sendung von Palästinafrüchten zukommen läßt. Durch ihn 2*

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