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Die Welt · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Piip iÄ&llfö: 890 DIEIaKELT No. 37 *t!e Es dürfte noch lange dauern, bis wir sie alle gewonnen haben, aber unser junges Geschlecht, die Jugend gehört uns, und wenn wir nur auf unsere Jugend hinschauen, die jetzt mit Begeisterung zum Judentum zurückkehrt, dann braucht uns nicht bange zu sein vor der Zukunft, denn die Zukunft gehört uns. (Langandauernder Beifall.) Lassen Sie sich auch nicht beeinflussen von denjenigen Pessimisten, die es gewiß gut meinen, die uns aber eine Politik vorschlagen, welche in Wirklichkeit äußerst gefährlich ist, die Politik des Überbordwerfens. Sie wollen, daß wir einen Punkt nach dem andern von unserm Programm aufgeben, um uns bei der türkischen Regierung lieb Kind zu machen. Was wir vorhaben, wird aber der Türkei zum Segen gereichen und nie und niemals zum Schaden. Zwischen unsern Interessen und denen des ottomanischen Reiches gibt es keinen Gegensatz. Unsere Aufgabe ist es, darauf hinzuarbeiten, daß auch die türkische Regierung sich diese Überzeugung zu eigen macht. Solange dies noch nicht vollständig der Fall ist, gilt es zu arbeiten und zu warten. Denn die Meinungen und Überzeugungen einer Regierung sind nicht von ewigem Bestand, und der Tag wird kommen, an dem die türkische Regierung uns die Hand reichen wird. (Beifall.) Worin bestand von jeher die größte Kraft des jüdischen Volkes? In seinem zähen und unentwegten Festhalten an dem, was es einmal als gut und richtig erkannt hatte. So wollen auch wir daraus eine Lehre nehmen. Halten wir fest an unserm Programm, das da lautet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Eine Heims}ätte wollen wir schaffen mit der rechtlichen Sicherheit, die uns die konstitutionelle Türkei bieten kann; nicht etwa einen Zufluchtsort für arme verfolgte Juden aus dem Osten, sondern eine eigene Heimstätte für das jüdische Volk und in dem Lande unseres Volkes, in Palästina. (Stürmischer Beifall.) Wenn Sie in diesem Sinne arbeiten werden, dann bin ich überzeugt, daß wir unser Ziel auch erreichen werden. Keiner von uns darf sagen: „Ich werde das Ziel erreichen", denn jeder von uns ist sterblich. Wir aber dürfen ruhig sagen: „wir werden es erreichen", denn das jüdische Volk ist unsterblich. Es war, es ist, und es wird sein. Und dank seiner unverwüstlichen Lebenskraft dürfen wir auch den festen Glauben hegen, daß der Tag kommen wird, an dem es wieder vereinigt wird mit seinem eigenen Lande, mit Erez Jisroel!" (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Die Rede, insbesondere die Mahnung zur Einigkeit und der Hinweis auf die bevorstehenden großen Änderungen in der gesamten Partei übten auf die Versammlung starken Eindruck. Darauf begrüßte Herr Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild als Vorsitzender der Ortsgruppe Frankfurt am Main die Delegierten und die Gäste. Herr Dr. Feucht wanger übermittelte die Grüße der Misrachi-Föderation. Den Begrüßungen folgte die Wahl des Präsidiums des Delegiertentages. Auf Vorschlag von Herrn Hermann Struck-Berlin wurde folgendes Präsidium per Akklamation gewählt: Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln, Dr. Julius Moses-Mannheim, Rechtsanwalt Gronemann-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild-Frankfurt a. M., Gustav Sch wabe, Varel, Arnold Wiener, Kattowitz, Fritz Sondheimer-Frankfurt am Main. Präsident Dr. Bodenheimer hielt sodann den im Laufe der letzten zwei Jahre verstorbenen Mitgliedern der deutschen Organisation einen herzlichen und ergreifenden Nachruf. Es sind die Herren: Dr. Ephraim Adler-Lübeck, Gustav Tuch-Hamburg, Professor Dr. Benno Badt-Breslau, Moritz Weil-Breslau, Dr. Georg Arndt- Berlin, Samuel Cohen-Hamburg, Samuel L. Brandt-Posen, Rafael Rosenheimer-Frankfurt a. M., A. S. Pomeranz-Königsberg, Josef Goldstein-Breslau, J. H. Scherek-Posen, Mannheim Manasse-Posen, Schapira-Chemnitz, Hirschbaum-Straßburg, Arthur Sch wabe-Varel, stud. med. Bernhard Rubinstein-Königsberg, stud. Ludwig Buttermilch-Breslau, stud. Richard Lehfeld-Berlin. Er gedachte ferner des großen Verlustes, den die gesamte zionistische Bewegung und ganz besonders die westösterreichische und die galizische Landsmannschaft durch den frühzeitigen Hingang des österreichischen Reichsratsabgeordneten Dr. Heinrich Gabel erlitten hat. Die Anwesenden hatten sich zu Ehren der Hingeschiedenen von ihren Plätzen erhoben. Es folgte sodann der Bericht des Rechtsanwalts Dr. Hantke=Berlin namens des geschäftsführenden Ausschusses über dessen Tätigkeit in der Zeit vom 1. Juli 1908 bis zum 31. August 1910. Dr. Hantke gab zunächst einen Oberblick über die Ergebnisse der praktischen Palästinaarbeit des Aktionskomitees in der Berichtszeit und bot sodann einen sehr übersichtlich und instruktiv gruppierten Rückblick über die Tätigkeit der von ihm vertretenen Körperschaft Er besprach die Differenzen, die im Sommer 1909 zwischen der zionistischen Vereinigung und der Deutschen Konferenzgenieinschaft der A. I. U. entstanden waren, und berichtete Weiteres über das von vielem Erfolg begleitete Eingreifen der Zionisten in die G e m e i n d e p o l i ti k. Den Verwaltungsorganismus der Organisation besprechend betont, der Bericht die Notwendigkeit der Schaffung von Gruppenverbänden, die obligatorisch einzurichten sind, und eine Stärkung des Einflusses der nicht in Beriin wohnenden Mitglieder des Zentralkomitees. Das Verhältnis zur Misrachi-Föderation war ein gutes. Im Einverständnis mit der Zentralleitung des Misrachi wird, um auch für die Zukunft Differenzen unmöglich zu machen, vorgeschlagen: Die Mitglieder des Misrachi können gleichzeitig Angehörige der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sein, müssen dann aber unsern Landesbeitrag voll an uns bezahlen. Außerdem sollen die misrachistischen Vereine Sitz und Stimme in unsern Gruppenverbänden haben, trotzdem diese Gruppenverbände organische Bestandteile unserer Landesorganisation sind. Die Agitation für die zionistische Idee wurde durch die Tätigkeit des Parteisekretärs wesentlich gefördert. Der Pressedienst hat sehr gut funktioniert. Das Parteiorgan, die „Jüdische Rundschau", befindet sich in guter Entwicklung. Zur Förderung der Propaganda und zur Informierung der Gesinnungsgenossen wurde das Palästina-Handbuch von DavisTrietsch sowie das von Hugo Schachtel redigierte Zionistische Merkblatt herausgegeben. Zur Unterstützung der jüdischen Jugendbewegung ist die Herausgabe der Halbmonatsschrift „Jung Israel" vom 1. Oktober an geplant. Ein Preisausschreiben für eine Jugendschrift über Palästina soll die Öffentlichkeit auf das vollständige Fehlen von Jugendschriften über Palästina aufmerksam machen und den Grundstock für eine jüdische Jugendliteratur legen. Das Preisrichteramt haben neben Mitgliedern des Zentralkomitees die Herren Martin Buber, Georg Hermann und Richard Huldschiner übernommen. Für die Vereinheitlichung der zionistischen Anschauungen und für die Stärkung der geistig kulturellen Zusammenhänge erhoffen wir viel von der in der Gründung begriffenen Organisation für die hebräische Sprache. Unsere Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds haben von Juli 1908 bis Juli 1909 42000^ und von Juli 1909 bis Juli 1910 einschließlich der Beiträge für die Siedlungsgenossenschaft 71 000 Jl ergeben, Hierzu treten noch die Eingänge für den Palästina-Pflanzungsverein, den Parteifonds und die Kunstgewerbeschule Bezalel mit ungefähr 57 000 JL. Auch der neugegründete und überaus rührige Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina verfügt bereits über Jahreseinnahmen in Höhe von 20 000 Jt. An geschäftlichen Unternehmungen in Palästina haben sich unsere deutschen Freunde in den letzten beiden Jahren in regerer Weise zu beteiligen begonnen. So sind für das Palästina-Industriesyndikat allein in Deutschland 39000 JC, für die Palestine Land Development Company 30 000 Ji und für Aktien der Anglo Palestine Company 20 000 Jt aufgebracht worden. Hierzu kommen noch größere Landankäufe und industrielle Unternehmungen von Privatpersonen. Wir konstantieren auch mit freudiger Genugtuung, daß eine wachsende Anzahl unserer Freunde in Palästina selbst als Pioniere des nationalen Judentums für unsere Sache arbeitet. Der Bericht kommt sodann auf die Vorschläge zur Sanierung

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