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Die Welt · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Bedeutung bei. ' Ich glaube, daß die Wichtigkeit des heutigen Delegiertentages darin besteht, daß Sie zum ersten Male, seitdem die Organisation in Deutschland besteht, sich an Stelle von unserm Dr. Bodenheimer einen neuen Präsidenten wählen müssen. Meine Damen und Herren! Mir, dem Freunde Dr. Bodenheimers, mit dem ich seit 18 Jahren, also lange noch bevor der erste Kongreß stattfand und noch bevor uns Herzl erschien, ununterbrochen zionistische Arbeit getan habe, mir steht es nicht gut an, und es ist mir auch peinlich, ein Loblied auf Dr. Bodenheimer anzustimmen und seine Verdienste für die zionistische Organisation hervorzuheben. Ich würde aber meine Pflicht als Präsident der Zionistischen Organisation vernachlässigen, wenn ich es hier unterlassen würde, Dr. Bodenheimer den Dank der Gesamtorganisation für seine unermüdliche Arbeit und seine hervorragenden Leistungen auszusprechen. Dr. Bodenheimer hat sich nicht nur urn die Zionistische Organisation in Deutschland verdient gemacht, sein Verdienst liegt in erster Linie auf dem Gebiete der Gesamtorganisation. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß wir in Köln, lange noch bevor die zionistische Organisation geschaffen war, eine nationaljüdische Vereinigung für Deutschland hatten, und als bald darauf der Sammelruf Herzls erfolgte, war es wieder auf die Initiative Dr. Bodenheimers zurückzuführen, daß der erste Delegierten tag deutscher Zionisten nach Bingen einberufen wurde. Es war nur eine kleine Versammlung, die kaum den Namen Delegierten tag verdiente, aber die Grundlage für den ersten Delegiertentag Deutschlands war gelegt, und die Folge war, daß wir bald darauf die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatten, noch bevor zionistische Vereine und Ortsgruppen in Deutschland vorhanden waren. Es war durchaus kein Zufall, daß Dr. Herzl gleich zu Beginn die meisten organisatorischen Arbeiten, wie die Gründung der Kolonialbank, nach Köln übertrug, daß er nichts Wichtiges mehr ohne Köln hinzuzuziehen, unternahm. In Köln fand er eine Organisation vor; es war daher erklärlich, daß nach dem Tode Herzls die Gesamtleitung nach Köln überging. Hieraus ersehen Sie nicht nur die Verdienste Dr. Bodenheimers. Hieraus können Sie auch den Zusammenhang zwischen der Gesamtleitung und der Leitung der zionistischen Organisation in Deutschland ersehen. Um Mißverständnisse zu vermeiden, möchte ich von vornherein betonen, daß ich es für einen großen Fehler halten würde, wenn die zionistische Zentralleitung von irgend einem Lande, es sei denn unserm eignen, abhängig wäre oder auch nur eine lokale Färbung bekäme. Die Leitung darf weder deutsch noch englisch, weder russisch noch österreichisch sein, sie darf nur jüdisch, nur zionistisch sein. Ich habe daher, seitdem ich die Ehre habe, an der Spitze der zionistischen Organisation zu stehen, bei jeder Gelegenheit alles, was möglich war, getan, um nur zu vermeiden, daß eben die Leitung eine lokale Färbung annähme. Früher als wir in Deutschland „echod be' ir u' schenajim be' mischpoche", einer in einer Stadt und zwei in einer ganzen Sippe waren, als die zionistische Organisation in Deutschland noch sehr klein war, da hat Dr. Bodenheimer von Köln aus die ganze Arbeit gemacht und geleitet. Nachdem aber inzwischen die zionistische Organisation in Deutschland herangewachsen ist, so daß es heute in allen deutschen Gauen Zionisten gibt, von Memel bis Köln, von Emden bis Kattowitz, und von Schleswig-Holstein bis zum Bodensee zionistische Vereine, Ortsgruppen und Vertrauensmänner gibt, da hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, die Leitung nach dem deutschen Zentrum, nach Berlin zu verlegen. Und auch Dr. Bodenheimer hat bald eingesehen, daß man unmöglich die Arbeit, die in Berlin gemacht werden sollte, von Köln aus leiten könnte, zumal er immer größern Anteil an der Leitung der Gesamtorganisation genommen hat, namentlich der Leitung des Jüdischen Nationalfonds. Er war daher gezwungen, sein Amt niederzulegen, und Sie stehen jetzt vor der Notwendigkeit, einen neuen Leiter jetzt an dem Orte zu wählen, wo die Arbeit gemacht wird. — Genau dasselbe geschieht jetzt auch mit der Gesamtleitung. Auch diese wird nach Berlin kommen. Die Jahreskonferenz hat zwar den Ausdruck gebraucht: nach einem größern jüdischen Zentrum, weil einige Mitglieder der Kommission meinten, daß auch London oder Paris in Betracht kommen könnten. Aber wie die Verhältnisse liegen, gibt es vorläufig keinen andern in Betracht kommenden Ort als Berlin, und ich bin sicher, daß die Leitung dorthin kommen wird. Dann wird auch die Gesamtorganisation gezwungen sein, sich dort einen Präsidenten zu wählen, weil es eben nicht anders geht, als daß der Sitz der Leitung sich an dem Orte befindet, wo die Arbeit geschieht. Sie sehen wiederum, welcher Zusammenhang zwischen der deutschen Organisation und der Gesamtleitung besteht. Es ist daher Pflicht, darauf Rücksicht zu nehmen, denn es handelt sich nicht nur um die Interessen der deutschen, sondern um die Interessen der gesamten zionistischen Organisation. Es genügt nicht, daß man für den Präsidenten eine Majorität schafft, wir müssen ihm von vornherein mit dem größten Vertrauen entgegenkommen, damit er eine sichere Hand bekommt und den Mut, seine Arbeit zu leisten. Wir Zionisten können uns nicht so leicht mit einem aus unserer Mitte begnügen, auch wenn wir ihn zum Führer wählen, denn wir hatten einen Herzl unter uns, und man ist leicht versucht, den Maßstab nach seiner großen Persönlichkeit anzulegen. Aber um so mehr ist es unsere Pflicht, dem Manne, den wir gewählt haben, unser Vertrauen zu schenken und seine Autorität zu stärken. Hüten wir uns vor persönlichen Kämpfen; denn sie gießen Bitternisse in die Herzen derer, die am meisten der Begeisterung und Liebe bedürfen. Hüten wir uns, das Band, das uns zusammenhält, leichtfertig zu zerreißen. Wohl sind wir in der Lage, es wieder zusammenzuknüpfen, aber der Knoten bleibt immer da. (Beifall.) Noch eins möchte ich Ihnen sagen, lassen Sie sich nicht von einem Pessimismus, der in der letzten Zeit bei einigen von uns einzureißen droht, gefangennehmen. Meistens sind es nur solche Leute, welche uns den Pessimismus predigen, die selbst nichts tun und arbeiten und deren ganze Tätigkeit darin besteht, daß sie einmal im Jahre oder einmal in zwei Jahren zu uns kommen und große Reden halten, klagen und jammern, die aber, weil sie selbst nicht mitarbeiten, auch nicht sehen, daß wir trotz aller Mühen und Schwierigkeiten vorwärtskommen. Lassen Sie sich nicht von diesem Pessimismus gefangen« nehmen, denn es ist nicht richtig, daß wir nicht weiterkommen. Wer mitten in der Arbeit steht, weiß, daß wir jeden Tag Schritt für Schritt vorwärtskommen und unsere Idee auch in denjenigen Kreisen allmählich Eingang gefunden hat, die uns früher aufs heftigste bekämpft haben. (Beifall.) Wer Augen hat, kann sehen, daß sich jetzt überall, wo Juden leben, ein Interesse für jüdische Kultur und Sprache regt und vor allem die Liebe zu Erez Jisroel, zum Judenland wieder erwacht ist. (Lebhafter Beifall.) Wir können noch nicht die Hände in den Schoß legen, denn wir stehen noch am Anfange der Arbeit. Große jüdische Massen stehen uns noch fern und vor allem viele der alten Generation 2

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