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Die Welt · 1910-09-09 · 36 (9.9.1910) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 36 DIE daß in die Brodsky'scbe Schule nur solche jüdische Kinder aufgenommen werden, deren Eltern sich über selbständiges Wohnrecht ausweisen können. Tolstoi über den Zionismus Aus Jekatarinoslaw wird uns berichtet: Einer der hiesigen Zionisten wandte sich an den Grafen Leo Tolstoi mit einem Schreiben, in welchem es u. a. heißt: „Ich bin Jude. Als solcher helfe ich die Last des zweitausendjährigen Goluth, die das jüdische Volk erdrückt, auf meinen Schultern mittragen. Sie kennen doch die unsäglichen Leiden dieses Volkes, die himmelschreiende Ungerechtigkeit semer Lage, die es der elementarsten Menschenrechte beraubt. — Soll nun das jüdische Volk, das ganz unterzugehen droht, noch unendlich lange warten, bis die Wirtsvölker zur Einsicht gelangen werden? Findet der Zionismus als ein Bestreben, die Judenfrage auf friedlichem Wege sowohl für die Juden, wie auch für die Wirtsvölker zu lösen, Ihre Anerkennung?" Dieses Schreiben wurde im Auftrage des Grafen Tolstoi durch folgenden Brief von Bulgakow beantwortet: „Sehr geehrter Herr! Lew Nikolajewitsch Tolstoi beauftragt mich, Ihnen in Beantwortung Ihres Schreibens mitzuteilen, daß er mit der zionistischen Bewegung unter den Juden aus voller Seele sympathisiere." Prozentnorm für jüdische Kühe Im Städtchen Chorol (Gouv. Poltawa) hat der Bürgermeister angeordnet, daß die jüdischen Kühe nur zu 10°/o auf der Gemeindewiese weiden dürfen. Wer weiß, was der Prozentnormwahn in Rußland noch zeitigen wird! Nur ja keinen Juden Die 12 OOOköpfige Bevölkerung in Busilow leidet sehr stark unter dem Mangel eines Arztes, um so mehr, als zurzeit verschiedene epidemische Krankheiten in der Stadt grassieren. Der einzige russische Zemstwoarzt .st von seiner Arbeit im Zemstwospiial und auf dem Lande so sehr in Anspruch genommen, daß die städtischen Patienten in der Regel mehrere Tage hindurch warten müssen, bis sie ihn zu sprechen bekommen. Die Verwaltung des jüdischen Krankenhauses berief einen jüdischen Arzt, die Stadtbehörde bestätigte ihn aber nicht in seinem Amte, während ein russischer Arzt sich nicht finden läßt. Russische Gerechtigkeit Das Komitee zur Verteilung der Spenden für die Abbrändler in Mohilew hat den jedem Rechtsgefühl hohnsprechenden Beschluß gefaßt, den jüdischen Abbrändlern nur 25°/o von dem zugeflossenen Geld zukommen zu lassen, obwohl die Juden am meisten von der Feuerkatastrophe gelitten haben und das. meiste Geld von Juden gespendet worden ist. Neue Wohnrechtsschikanen Bis vor kurzem durften in Smolensk jüdische Handwerker, die ihre Papiere bei der Gouvernementsbehörde zur Prüfung eingereicht hatten, bis zum endgültigen Bescheid provisorisch in der Stadt bleiben. Vor einiger Zeit hat nun die Gouvernementsbehörde „in Erfüllung der mündlichen Vorschrift des Herrn Gouverneurs" die Verfügung getroffen, jüdischen Handwerkern nicht eher das Aufenthaltsrecht in Smolensk einzuräumen, als bis ihre Papiere geprüft und in Ordnung befunden worden sind. Infolge dieser Verfügung wurden fünfzig jüdische Handwerker „bis auf weiteres" ausgewiesen. Nun soll das gleiche Geschick auch die ältern Handwerker treffen, die weiter nichts verbrochen haben, als. daß das Polizeiarchiv ihre alten Scheine nicht aufzubewahren wußte. Zahlreiche jüdische Familien, die während fünfzehn bis zwanzig Jahre unbehindert in Stadt und Gouvernement Smolensk wohnen durften, sollen nun jeht dank der Lässigkeit der Polizei und der Laune des Herrn Gouverneurs zum Wanderstabe greifen. Das Wiedererscheinen der „Hazefirah" Die seinerzeit so beliebte hebräische Tageszeitung „HazefiralT wird vom 1. Oktober d. J. ab wieder unter der Redaktion Nahum Sokolows in Warschau erscheinen. Bekanntlich besteht in Warschau ein Komitee angesehener Finanzleute und Schriftsteller, das sich mit den Vorbereitungsarbeiten zur Neuherausgabe der „Hazefirah" befaßt und vor einiger Zeit an das hebräisch lesende Publikum mit einem Aufruf in dieser Angelegenheit bzw. einer Einladung zu Abonnementserklärungen herangetreten ist. Diese Einladung war nun von recht günstigem Erfolg begleitet, so daß das Unternehmen als ziemlich gesichert anzusehen ist. Sterbefall Am 21. August d. J. ist in Lemberg cand. iur. Julian Kl ein mann, Mitglied der akad. zionistischen Verbindung „Judäa" im 22. Lebensjahre verschieden. In Wiesbaden'Verschied dieser Tage im 84. Lebensjahre einer der angesehensten Juden Kiews: Moses Weinstein. Der Verblichene gehörte zu den Pionieren der Zuckerindustrie in Rußland und zeichnete sich durch seine Wohltätigkeit aus. Er gründete und erhielt in der Hauptsache aus eigener Tasche das ältere jüdische Krankenhaus und trat sehr häufig mit Erfolg als Wortführer jüdischer Interessen bei der Behörde auf. Auch die allgemeinen Stadtangelegenheiten fanden in ihm einen eifrigen Förderer und großmütigen Mäcen. So gehörte er zu den Gründern der Kiewer Abteilung der Kaiserlichen Gesellschaft für Musik, des ältern Stadttheaters usw. Ein neues jüdisches Verlagsunternehmen Unter dem Namen „Ibriah" ist in London eine neue Verlagsbuchhandlung ins Leben gerufen worden, die von den Herrn Dr. S. M. Melamed und A. Beilin geleitet wird. Der neue Verlag will moderne jüdische Schriften in den europäischen Hauptsprachen sowie im Hebräischen und Jargon herausgeben und verbreiten. Jungen, aufstrebenden Talenten soll durch den Verlag die Möglichkeit geboten werden, mit ihrer literarischen Produktion in die Öffentlichkeit zu treten und ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Ackerbauschule zu Wilhelma bei Jaffa Die Direktion der Ackerbauschule zu Wilhelma bei Jaffa versendet einen Bericht über das erste Jahr ihrer Tätigkeit. Der Lehrplan dieser Schule, der sich auf zwei Jahre erstreckt, umfaßt: Landwirtschaftliches Rechnen, Feldmessen, Physik, Chemie, Zoologie und Botanik, Acker- und Pflanzenbau, Tierproduktionslehre, Volkswirtschafts- und Betriebslehre, Tierheilkunde, Geräte- und Maschinenkunde, Fütterungslehre und Buchführung. Die Schule leitet der Direktor Herr Keller. Jüdische Blindenanstalt für Deutschland Im Betsaal der jüdischen Blindenanstalt in Steglitz, Wrangeistraße 6/7, findet an den hohen Festtagen Gottesdienst und Predigt statt Eintrittskarten sind beim Inspektor der Anstalt, Herrn Friedberger, unentgeltlich zu haben. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Im Wintersemester 1910/1911 finden an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (Berlin N. 24, Artilleriestraße 14) folgende Vorträge statt: Dr. Baneth: 1. Talmud babli, Synhedrin, Kap. III (Fortsetzung), 4 Stunden, Montags und Donnerstags 10 — 12 Uhr. 2. Talmud babli, Hullin, Kap. II (Fortsetzung), 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8-10 Uhr. 3. Mischne Tora, Buch 10 (Fortsetzung), 2 Stunden, Sonntags 10-12 Uhr. 4. Jore de'a, Hilh. Ta'arubot (Forts.), 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr. 5. Eben ha-'ezer, Hilh. Kidduschin (Forts.) 1 Stunde, Mittwochs 10—11 Uhr. 6. Jeruschalmi Pesahim, Kap. II, 1 Stunde, Donnerstags 12—1 Uhr. — Dr. Elbogen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, 1 Stunde, Mittwochs 10—11 Uhr. 2. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden, Mittwochs 11 bis 1 Uhr. 3. Talmud Taanit, Kap. I, 4 Stunden, Mittwochs und Freitags 8—10 Uhr. 4. Geschichte der Juden in Deutschland, II. Teil (1147—1500), 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 5. Historische Übungen, 2 Stunden, Dienstags 8—10 Uhr. 6. Pesikta de R. Kahana, 2 Stunden. Dienstags 11—1 Uhr. — Professor Dr. Maybaum: Homiletische Übungen, 2 Stunden, Freitags 9—11 Uhr. — Dr. Yahuda: 1. Spezielle Einleitung in die Heilige Schrift, verbunden mit Übungen (prophetische Schriften), 2 Stunden, Mittwochs 6—8 Uhr abends. 2. Die Bücher Samuelis mit historischen und archäologischen Exkursen, 2 Stunden, Sonntags 11—12 Uhr und Mittwochs 12-1 Uhr. 3. Psalmen, 2 Stunden, Mittwochs und Freitags 11 — 12 Uhr. 4. Grammatik und Syntax, verbunden mit Übungen, 2 Stunden, Sonntags und Freitags 12—1 Uhr. 5. Arabisch, Biblische Legenden bei Al-Thalabi nach talmudischen und midraschischen Quellen in zwei noch zu bestimmenden Stunden. — Dr. Freund: Staat, Kirche und Judentum in Preußen, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr abends. — Dr. Hochfeld: Methodik des Unterrichts in der biblischen Geschichte (Fortsetzung), 2 Stunden,

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