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Die Welt · 1910-09-09 · 36 (9.9.1910) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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hatten. Der Minister betonte, daß der in der dortigen Gegend vorherrschende Fanatismus und die Zügellosigkeit der Bevölkerung seit langem Gegenstand seiner ernsten Sorge sei. Was speziell die jüdischen Kolonien betrifft, so werde er den Wali von Beirut telegraphisch anweisen, die erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, um die jüdischen Kolonien wirksam zu schützen und eine Wiederholung von Vorfällen wie der, die sich jüngst zugetragen habe«, unmöglich zu machen. Qeneralversammlungdeshebräischen Gymnasiums in Jaffa Jaffa, 24. August In den letzten Tagen fand hier die Generalversammlung des Vereins des hebräischen Gymnasiums in Jaffa statt, in welcher einige für den Bestand des Gymnasiums besonders wichtige Fragen erledigt wurden. Es wurde beschlossen, für das nächste Schuljahr einen einzigen Direktor zu wählen. Die Wahl soll in einer gemeinschaftlichen Sitzung des Aufsichtsrats des Gymnasiums und der Mitglieder des Lehrkörpers erfolgen. Der Etat des verflossenen Jahres wurde genehmigt. Er stellt sich folgendermaßen dar: Einnahmen: Frcs. | Ausgaben: Frcs. Uberstunden.......... Beitrag des Odessaer Komitees............ 14960.50 36.- 5000 — 5000.— 2000.— 9910.36 709.— 834.91 Oberstunden.......... Arzt................. Sekretär......... 22730.— 145.— 600.— 1780.35 793.90 2895.03 758.19 2752.88 1940.— 900.— 2000.— 1155.42 Zuschuß v. Reservefonds Zinsen des Reservefonds Anleihe des Odessaer Diverse Einnahmen.... Diener und Wächter .. Bücher u. Lehrmaterial. Druckkosten, Ausflüge und diverse Ausgaben. Wohnungsmiete....... Reisen von Lehrern ... Lehrer-Assekuranz .... Summa 38450.77 | Summa 38450.77 Das Budget für das nächste Jahr stellt sich auf ca. 45 000 Frcs., da nun eine neue (VI.) Klasse hinzutritt und auch der Vorbereitungskursus um einen Jahrgang ausgedehnt werden soll. Neue Lehrkräfte wurden für das Gymnasium gewonnen, und zwar die Herren Dr. Viktor Kellner aus Prag, Dr. Moschensohn aus Genf und Dr. Gr eh er aus Wien. Die Herren werden Latein, Deutsch und Französisch unterrichten. Sie haben alle eine gründliche Fachausbildung genossen und den regelrechten Studiengang durch staatliche Lehrprüfungen abgeschlossen. Die Zahl der Kinder betrug im letzten Jahre 193, 105 Knaben und 88 Mädchen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Klassen folgendermaßen: Insgesamt Klassen: Knaben Mädchen Schüler im Jahre 5670 5669 I. Präparanden-Kiasse 11 2 13 8 n. 2 9 11 16 III. I. Gymnasial-Klasse 13 12 25 17 11 11 22 23 II- 18 13 31 21 III. 17 11 28 19 IV. „ 9 19 28 29 •v. 24 11 35 — 105 88 193 133 Als Ehrenmitglieder wurden in den Aufsichtsrat wegen ihres hohen Interesses und ihrer Verdienste um das Gymnasium die Herren Alderman Jakob Moser und M. Ussischkin gewählt. Das Jerusalemer Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden Der Hilfsverein der deutschen Juden ersucht uns um Aufnahme der folgenden Mitteilung: „In einigen antisemitischen Zeitungen sind in letzter Zeit Nachrichten über das Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem erschienen. Die Behauptungen, die dort aufgestellt sind, sind dem Charakter der Zeitungen entsprechend so absurd verlogen und gehässig, daß sich ein Eingehen darauf erübrigt. Selbstverständlich sind die Mitteilungen nichts weiter, als eine Kette von Entstellungen und Unwahrheiten. Wahr ist nur, daß einige Schüler des Lehrerseminars, wie es wohl an allen Schulanstalten der Welt vorkommt, wegen Ungehörigkeiten disziplinarisch bestraft werden mußten auf einstimmigen Beschluß des gesamten Lehrerkollegiums^ Diese Strafen gingen nicht über den Rahmen derjenigen hinaus, die in allen Ländern üblich sind. Über die Schulen des Hilfsvereins in Palästina sei hier ein unbefangenes Urteil aus der neuesten Zeit angeführt, das des Großrabbiners der Türkei, Haim Nahum, der kürzlich eine Reise nach Palästina gemacht hat und mit fürstlichen Ehren dort empfangen worden ist. In einem Interview, daß in der Jerusalemer Zeitung „Haor" vom 12. Ab (17. August) 1910 erschienen ist, spricht der Großrabbiner der Türkei, der bekanntlich früher der „Alliance Israelite Universelle" sehr nahe stand, in erfreulicher Unparteilichkeit über die Schulen des H Ifsvereins. In diesem Interview heißt es: „Und welche Schule (in Jerusalem) machte auf Sie den besten Eindruck?" fragte ich ihn (den Chacham Baschi). Der Rabbiner dachte ein wenig nach. Mm konnte es ihm atisehen, daß meine Frage ihn etwas in Verlegenheit brachte. Nach einer Weile antwortete er jedoch: „Ich muß die Wahrheit sagen, daß die Schulen des Hilfsvereins auf mich einen größeren Eindruck gemacht haben, als die Schulen der Alliance, sowohl wegen ihrer Lehrmethode, als auch wegen ihrer Leistungen. Aber auch die letztern Schulen (der Alliance) sind gut," Die Schulen der Alliance Isradlite Die jüngst verbreitete Mitteilung von einem Beschluß der türkischen Regierung, daß es fortan Lehrern ausländischer Staatsangehörigkeit verboten sein soll, an Gemeinde- und Privatschulen in der Türkei zu unterrichten, erregte in weiten jüdischen Kreisen Beunruhigung über das fernere Schicksal der jüdischen Schulen in diesem Lande. Um nun zu erfahren, inwieweit die jüdischen Schulen von dem erwähnten Erlaß betroffen werden, wandte sich unser Berliner Korrespondent um Auskunft an das deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle. Wie hier mitgeteilt wurde, hat sich dieses Bureau mit einer daraufbezüglichen Anfrage an das Zentralkomitee in Paris gewandt und von ihr nachstehende Erwiderung erhalten. „Richtig ist, daß die türkische Regieruns: einen Beschluß gefaßt hat, wonach die Lehrkräfte in den dortigen Schulen fortab türkische Staatsangehörige sein sollen. Der betreffende Erlaß ist aber durchaus nicht gegen unsere Anstalten gerichtet, die sich der Gunst der Regierung erfreuen, sondern vielmehr und ausschließlich — und zwar aus rein politischen Gründen — gegen die griechischen und bulgarischen Lehranstalten. Unsere Schulen in der Türkei sind türkische Schulen und haben von dem neuen Erlaß nichts zu befürchten." Des weitern wird in dem Schreiben des Zentralkomitees der Behauptung entgegengetreten, daß die Allianceschulen von sehr vielen ausländischen Kräften geleitet würden; in Wirklichkeit sind die Lehrer an den Allianceschulen in der Türkei fast ohne Ausnahme türkische Staatsangehörige. Auch von anderer, mit den Verhältnissen und den Vorgängen in der Türkei vertrauter Seite wurde erklärt, daß der genannte Erlaß nicht gegen die jüdischen Schulen gerichtet seien. Seine Zustellung an das türkische Großrabbinat dürfte mehr aus formellen Gründen erfolgt sein. Bei dieser Gelegenheit erkundigte sich unser Korrespondent im Alliancebureau auch nach der gegenwärtige! Lage der Krisis innerhalb der Deutschen Abteilung der Alliance. Die jetzige Situation wurde dort als noch ungeklärt, aber einer allseitig friedlichen Lösung entgegengehend bezeichnet. Die Verhandlungen mit dem Zentralkomitee in Paris sind noch nicht zum Abschluß gelangt, und die Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft selbst hätten ihrerseits, der Ferien wegen, noch keine definitiven Beschlüsse gefaßt. Die endgültige Entscheidung dürfte frühestens im November d. J. in Paris getroffen werden, wo aus Anlaß der Jubiläumsfeierlichkeiten diesbezügliche Verhandlungen stattfinden werden. Bis dahin wird auch die von der achten Tagung der D. C. G. eingesetzte Siebenerkommission ihre Arbeiten beendet und ihre Vorschläge zu der geplanten Statutenänderung der D. C. G. gemacht haben, Rußland Zur Lage in Kiew Die Kiewer Erziehungsbehörde verstand es, nach der gründlichen und, wie man doch meinen sollte, erschöpfenden „Säuberungsarbeit" der letzten Monate auch ihr Scherflein zum großen patriotischen Werk beizutragen. Nach dem Gesetze haben nämlich jüdische Eltern, deren Kinder eine offiziell anerkannte Schule in Kiew besuchen, das Wohnrecht in der Stadt. Nun hat die Erziehungsbehörde verfügt,

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