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Die Welt · 1910-09-09 · 36 (9.9.1910) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 36 DIEBEL! 873 Das Fortschreiten der Makkabis Trotz der finstern Kritik, die ein merkwürdig informierter Korrespondent unseres offiziellen „Haolam" an unsern Konstantinopeler zionistischen und national-jüdischen Instanzen üben zu müssen die Mission fühlt, nimmt die Entwicklung der „Makkabis" nach innen wie nach außen weiter ihren bewunderungswürdigen Fortgang. So ist am 4. August die Sektion VI in Kusgundschuk in der konstituierenden Sitzung eröffnet worden. Herr Ziffer, der ehemalige Turn wart des Gesamtvereins hielt die Einführungsrede. Hierauf wurde das Komitee der Sektion gewählt. Es haben sich bereits 40 Mitglieder in die Liste eingetragen, und die Zahl wird sich sicherlich in Bälde verdoppeln. Mehr als 20 Turner üben schon regelmäßig unter der bewährten Leitung des Herrn Ziffer. Dr. Faraggi, ein Arzt des Vororts, hat 'sieh liebenswürdigerweise erboten, als Vereinsarzt zu fungieren. In Balat ist es jetzt gelungen, einen geeigneten Turnsaal zu finden. Er ist vor etwa 14 Tagen mit einer Sektion von etwa 60 Teilnehmern eröffnet worden. Großer Eifer und Opferwilligkeit geben sich hier kund, es wird nach Kräften für die Anschaffung von Geräten gespendet. In diesem Vorort waren es besonders die rastlosen Bemühungen des Vizepräsidenten Heinrich Abraham, die zum Ziele führten. Auch in Haidar Pascha, der Hochburg des Konstantinopeler Antizionismus, gehen die Makkabisten daran, eine Sektion zu gründen. Die ersten Schritte hierzu sind bereits eingeleitet. Die geistige Verfassung, die in diesem Vororte noch vielfach vorherrscht, zeigte sich jüngst in einem kleinen Schildbürgerstückchen. Eine Gruppe junger Leute ersuchte den dortigen jüdischen Klub, ihr ein Zimmer zur Einrichtung eines Lese- und Unterrichtssaales zur Verfügung zu stellen. Der Klub stellte als erste Bedingung die Forderung auf, daß bei den Zusammenkünften in dem fraglichen Zimmer weder von jüdischem Nationalismus noch von Zionismus die Rede sein dürfe. Das wird aber die Makkabis nicht hindern, auch hier ihre moralischen Eroberungen zu machen. Quand-m6me! Aus dem türkischen Reiche Das kommerzielle Leben in Salonik hat schon wieder einen Wechsel zuungunsten des jüdischen Elementes erfahren. Immer war dort der Samstag kaufmännischer Ruhetag und der Freitag allgemeiner Zahltag gewesen. Nunmehr haben aber die Muselmanen, denen Freitag bekanntlich der heilige Tag ist, die Forderung gestellt, daß ein anderer Wochentag als Zahltag eingeführt werde. Die Saloniker Handelskammer gab zuerst die Erklärung ab, die geforderte Verschiebung sei unverträglich mit den Interessen der Juden, die die überwiegende Mehrheit im Handel der Stadt ausmachten. Aber die jüdischen Kaufleute, wohl eingeschüchtert durch die heftigen Äußerungen der türkischen Blätter, veranstalteten einen Protest gegen diese Erklärung der Handelskammer, und die versammelten Bankdirektoren und Finanziers in Gemeinschaft mit den Mitgliedern der Handelskammer faßten alsdann den Beschluß, den Donnerstag von jetzt ab als Zahltag einzuführen. In Prachowa ist ein Jude, der mit einem seiner Schuldner in Streit geraten war, auf offenem Markte mit der (vom Gesetz abgeschafften und nur noch für Vagabunden und Landstreicher reservierten) Bastonnade — Stockschläge auf die Fußsohlen — bestraft worden. In Beirut herrscht vollkommene Gemeinde-Anarchie, wie wir das neulich schon angedeutet hatten. Der gegenwärtige Großrabbiner, ein hilfloser ehrwürdiger Greis, wird von den Mächtigen der Kehillah sozusagen ausgehungert und aus seiner Wohnung gejagt. Der Chachambaschi hatte auf seiner Durchreise zuvor ein provisorisches Komitee eingesetzt, das den unwürdigen Zuständen ein Ende machen sollte, aber dieses ist zum größten Teile gerade aus Feinden des Rabbiners zusammengesetzt und verfährt demgemäß. Die Gemeindesteuer wird höchst nachlässig eingezogen und von der halben Bevölkerung verweigert. Das den „Notabein" nicht gleichgesinnte ärmere Volk hat wegen dieser schandbaren Zustände an den Chachambaschi Nachum telegraphiert, und als keine Antwort erfolgte, eine ausführliche Klageschrift an das Großrabbinat in Konstantinopel entsendet, die hoffentlich zu energischem Vorgehen führen wird. Eine jüdische Handelsgesellschaft in der Türkei Die Gesellschaft „Ägudath Netaim" ist unter dem Namen „Soctete Ottomane de Commerce, Agriculture et Industrie" legalisiert worden. Das Grundkapital dieser Aktiengesellschaft beträgt 50 0O0 Pfund, wovon etwa die Hälfte bisher gezeichnet worden ist. Die von Herrn Eisenberg geleitete Gesellschaft hat ihren Sitz in Konstantinopel und eine besondere Zweigniederlassung in Jaffa. Die Reorganisation der Talmud Thora Hagadol in Saloniki Mit der Ernennung des bekannten jüdischen Pädagogen und hebräischen Schriftstellers J.Epstein zum Direktor der Saloniker großen Talmud Thora beginnt für dieselbe eine neue Epoche. Während seines kurzen Aufenthaltes hat Herr Epstein bereits mehrere wichtige hygienische sowie pädagogische Einrichtungen getroffen, und es ist zu erwarten, daß diese seit Jahren verwahrloste Anstalt sich unter der neuen Leitung zu einem Erziehungsinstitut ersten Ranges entfalten wird. Als Rabbi Jakob Meir vor vier Jahren nach Saloniki kam, betrachtete er es als eine seiner ersten Aufgaben, die Talmud Thora zu einer Musterschule zu gestalten. Das fiel ihm aber nicht leicht. Die Mitglieder der Gemeinde, die zum Teil Anhänger der Alliance sind, wollten an, der Spitze der Talmud Thora einen Alliance-Direktor sehen. Dank dem Mut und dem unermüdlichen Eifer des Rabbi Jakob Meir gelang es ihm jedoch, sein Vorhaben durchzusetzen, und die Leitung der Talmud Thora ist Herrn Epstein übertragen worden. Und nun ist die Saloniker Gemeinde stolz auf diese Wahl. Herr Epstein hielt Samstag, den 13. August einen Vortrag in französischer Sprache im Olympiasaal über das Thema: „Le röle du sens muscuiaire dans l'education en general et dans l'6ducation juive en particulier", der bei der 600köpfigen distinguierten Versammlung rauschenden Beifall fand und stürmische Begeisterung wachrief. Herr Epstein beschäftigt sich gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines genauen Lehrplans für die Talmud Thora. Zu Beginn des neuen Semesters glaubt Herr Epstein einen Turn-, Gesang- und Zeichenlehrer engagieren zu können, so daß die Anstalt in allen Beziehungen den modernen europäischen Schulen gleichstehen wird. Palästina Der Chachambaschi über Palästina Mit Bezug auf das in Nr. 31 der „Welt" abgedruckte Interwiew unseres Konstantinopeler Korrespondenten mit dem Großrabbiner Haim Nahum, in dessen Verlauf sich Rabbi Nahum über eine Rede der Hapoel-Hazair abfällig geäußert hat, ersucht uns Herr Joseph Ahronowitsch in Jaffa, richtig zu stellen, daß seitens der Organisation „Hapoel-Hazair" keine Ansprache an den Großrabbiner während seines Aufenthalts in Palästina gehalten und ihm auch keine Denkschrift überreicht worden sei. Herr Ahronowitsch habe als Privatmann, nicht als Vertreter des Hapoel-Hazair, an einem Begrüßungsabend zu Ehren des Großrabbiners teilgenommen und hierbei eine Rede gehalten, die wohl keine überschwenglichen Lobeserhebungen für die Person des Großrabbiners enthielt, in der aber absolut nichts Illegales, vom Standpunkte der ottomanischen Reichsidee Anfechtbares zu finden gewesen sei. Zur Frage des Bodenkaufs in Palästina Gelegentlich der jüngsten Audienz des Rabbi Haim Nahum beim Minister des Innern versicherte dieser nachdrücklich, daß die Nachricht, wonach die Regierung ottomanischen Juden bei Bodenkäufen in Palästina Hindernisse in den Weg lege, völlig unbegründet sei. Die Absetzung des Kaimakams von Jaffa Große Entrüstung hatte unter der palästinensischen Judenschaft die Haltung des Statthalters von Jaffa hervorgerufen, der jüngst in der Kolonie Ekron, als er sich wegen der Höhe des Oschers (der Getreidesteuer) mit dem Vertreter der Kolonie nicht einigen konnte, vor dem versammelten Bezirksausschuß die jüdische Bevölkerung in heftigen Worten beschimpfte. Die jüdischen Kolonisten wandten sich beschwerdeführend an den Großrabbiner der Türkei Haim Nahum, der ihre Beschwerde dem Minister des Innern Talaat-Bey vortrug. Der Minister erklärte, daß er über den Vorfall bereits durch den Gouverneur von Jerusalem unterrichtet sei und daß er sofort die Amtsenthebung des Kaimakams verfügt habe. An seiner Stelle ist der bisherige Statthalter von Alexandrette zum Kaimakam von Jaffa ernannt worden. In den jüdischen Kreisen Palästinas herrscht große Genugtuung über die Entscheidung des Ministers. Zur Lage der jüdischen Kolonien in Galiläa In einer Audienz, die der Chacham-Baschi Haim Nahum vorige Woche beim Minister des Innern Talaat-Bey hatte, brachte er u.a. die Lage der jüdischen Kolonien in Galiläa zur Sprache, die in jüngster Zeit viel von den Oberfällen der Beduinen sowie der Bewohner der umliegenden Dörfer zu leiden

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