Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36 DIE^ELT 871 Telegrammformulare abgesetzt. — Auch in O-Becse hat Herr Engel eine zionistische Ortsgruppe unter der Leitung des Gg. Ferdinand Steiner gegründet. Australien Melbourne. Die Jahresversammlung der Victorian Zionist League fand hier am 24. Juli statt. Aus dem Berichte des Komitees geht hervor, daß die zionistische Idee unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung immer mehr Anklang findet. Der bisherige Präsident sowie der Ehrensekretär der Victorian Zionist League haben ihreÄmter niedergelegt, und die neue Leitung hat sich wie folgt konstituiert: Mr. Joseph Levi J. R, Präsident; Rechtsanwalt N. J. Barnet, Vizepräsident; Mr. U. Richardson, Schatzmeister; David Rosenberg Ehrensekietär. Sydney. Die seit dem Jahre 1908 bestehende Sydney Zionist Society entfaltet eine äußerst rege Tätigkeit. Bereits im Jahre 1907 haben vereinzelte Gesinnungsgenossen hier für unsere Bestrebungen Propaganda gemacht und für den Nationalfonds gesammelt, aber erst mit der im nächstfolgenden Jahre erfolgten Gründung unseres Vereins hat eine systematische zionistische Arbeit eingesetzt, die recht erfreuliche Resultate aufzuweisen hat, wie aus der folgenden Zusammenstellung hervorgeht. Es wurden nämlich seitens der Sydney Zionist Society an Geldern für zionistische Zwecke abgeliefert: 1908 1909 1910 (bis zum 20. Juli) £ 11.13. 0 £ 10.- —.— £ 10. 2. 0 Parteifonds..... n 5.—. n ii.- Nationalfondsmarken und -Karten . . . . » 1.—.- n 0. 15. 4 -- Allgem. N.F.-Spenden n 5.—. n 5. 4.-— n 6.-. Goldenes Buch . . . n 10.—.- » 20.- —.— 10.—. Sammelbüchsen . . . n -- n 12.14. 2 2. 5. 3 Ölbaumspenden . . . » 13. 4. 0 Y> 14. 2.— n 8. 2.- Kischinewer Waisenfonds ....... n -- » 5.- _.— -- » 1.10. n 11. 3.— n 3.10. Summe £ 47. 7.- £ 89.18. 6 £ 39.19. 3 Eine bosnische mohammedanische Zeitung über den Zionismus Die in Sarajevo in serbokroatischer Sprache erscheinende Zeitung „Muslimanska sloga", Organ der bosnisch-herzegowinischen Mohammedaner, berichtet in sehr sympathischer Weise über den Verlauf des jüngst abgehaltenen IV. Kongresses zionistischer Hochschüler und Abiturienten aus den südslavischen Ländern. Mit großer Genugtuung reproduziert das Blatt folgenden Passus aus einem Referate über die allgemeine Lage der Juden: „In sämtlichen christlichen Ländern wurden die Juden stets auf das schrecklichste verfolgt, wodurch sich viele gezwungen sahen, zum Christentum überzutreten, und viele wieder, ihre Namen abzuändern, so daß sie bis zum heutigen Tage alle Eigenschaften als Juden verloren haben; — im türkischen Kaiserreich fanden die Juden hingegen immer Schutz, und dort konnten sie ihre Religion und die Sitten und Gebräuche ihrer Vorfahren vollständig bewahren." An diesen Passus anknüpfend, bemerkt das Blatt: „Unsererseits begrüßen wir auf das wärmste die Pioniere dieser Idee, weil wir wissen und überzeugt sind, daß die Juden als tüchtiges und arbeitsames Volk dem ottomanischen Reich nur von Nutzen sein können." Ein jüdisches illustriertes Familienblatt Seit einigen Wochen erscheint im Verlage unseres Gesinnungsgenossen Herrn M. Hübner in Nadworna (Galizien) ein jüdisches „Illustriertes Familienblatt", welches durch seinen billigen Preis (im Auslande 1,50 K.;pro Quartal) und seinen guten und interessanten Inhalt allen Gesinnungsgenossen zu empfehlen ist. Brief aus Amerika (Von unserm Berichterstatter) Die bevorstehenden Wahlen und die Juden Da bei den staatlichen sowohl als bei den städtischen Wahlen der Erfolg der Republikaner, Demokraten oder Unabhängigen hauptsächlich von der politischen Haltung der Juden abhängt, läßt keine dieser Parteien Mittel und Wege unversucht, die sie zur Erlangung einer großen jüdischen Stimmenzahl für nötig erachten. Sie scheinen endlich wahrzunehmen, daß die geächtete Million ein geachteter Faktor zu werden verdient, daß die Zahl der jüdischen Bürger von Tag zu Tag in raschem Tempo wächst. Bei der letzten Bürgermeisterwahl in New-York waren wir noch kleine unansehnliche Gruppen, die entweder gehen oder geschleppt werden, und weil sie nicht gehen wollten, hat man das andere Mittel angewandt: man schleppte uns. Wir erinnern bloß an die frechen Auslassungen eines unverantwortlichen Schmierers, des antisemitisch angehauchten Mc. Lure'schen Magazins, der den von Tammany stillschweigend gutgeheißenen Mädchenhandel den Juden als gelben Fleck auf den Rücken kleben und auf diese Weise ihre Zugehörigkeit zu Tammany resp. Demokraten als Schande und Schmach bezeichnen wollte. Das Hauptmotiv des erlogenen Artikels war, für die republikanische Partei Münzen zu schlagen, bei welchem Prozeß jedoch die Demokraten die Münzen und die Juden die Schläge bekommen haben. Seither hat sich aber die Lage hinsichtlich des jüdischen Einflusses bei Wahlen wesentlich geändert. Nach vielen Reden, Zeitungsartikeln, Auf- und Abklärungen — den nach London jüngst einberufenen jüdischen „Kongreß gegen Frauenhandel" schon gar nicht zu erwähnen — ist es uns gelungen die Stimmbegehrlichen ein wenig umzustimmen, indem wir den jüdischen Namen, die jüdische Ehre und jüdische Gesinnungstreue klipp und klar bewiesen und rehabilitiert haben. (Als ob sie einer Rehabilitierung bedürften!) Wir fühlen uns heuer wie ein des Raubmords Angeklagter nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft: unschuldig und unschädlich. In den Augen des Volks sind wir, Gott seis gedankt, gestiegen. Wir werden mit Laternen gesucht. „Einen Juden, einen Juden, ein Königreich für einen Juden", schreien die verschiedenen Parteien. Ja, noch mehr, nicht bloß Juden, sondern auch jüdische Kandidaten werden genannt. Wir sollen diesmal nicht allein geben, auch bekommen sollen wir! Gewiegte Politiker, die hinter die Kulissen schauen und vieles voraussagen können, erklären unumwunden, daß die bevorstehende Gouverneurwahl im Staate New- York keinen andern als einen jüdischen Kandidaten nach Albany schicken werde. Beide Hauptparteien haben schon ihre Kandidaten, und das „Boom"-en hat bereits seinen Anfang genommen. Kongreßman Sulz er ist der Jude, der die demokratischen, William Bennet, der der republikanischen Maschine Dampfkraft verleihen soll. Beide stehen mit bester Reputation da und haben auch schon dem hungrigen Juden-Einwanderer hie und da einen Brosamen hingeworfen. Alles läuft also so nett am Schnürchen; wenn nicht ein „schlägst du meinen Juden, so schlage ich deinen" dazwischen kommt, können wir der bevorstehenden Gouverneurwahl mit Zuversicht auf einen „jüdischen" Sieg entgegensehen. Der Order Bnei Zion Dieser Orden, der bekanntlich auf dem Baseler Programm steht, verspricht alle andern jüdischen Orden zu überflügeln. Die meisten der zum „Order Bnei Zion" gehörenden Camps, wie man sie hierzulande nennt, zeichnen sich durch populäre Vorträge auf jüdischem Gebiete sowohl als auch durch stramme organisatorische Tätigkeit aus, wä'irend die andern hiesigen Orden die Hineintragung eines Ideals in ihre Reihen vollständig vernachlässigten. Die hiesigen Zeitungen wissen täglich von Gründungen neuer Camps zu berichten. In New York gründeten die Verehrer des verstorbenen Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel ein Camp im „Order Bnei Zion", das voraussichtlich viele intelligente Juden umfassen wird. Besonderes Lob verdient aber der Orden für seine Bestrebungen im Interesse des Zionismus. Er erläßt jetzt einen warmen Aufruf an die New Yorker Judenheit, in welchem dieser der Beschluß des Ordens, eine Kolonie in Palästina von mindestens 10000 Dunam Land zu gründen, mitgeteilt wird. Das sind Taten, die Nachahmung verdienen. Die Kanadaer Zionisten sind in der Tat im Begriffe, einen „Bnei Zion Orden" nach hiesigem Muster zu gründen. Ein zionistischer Sieg Die Stelle des im vorigen Jahre verstorbenen jüdischen Gelehrten J. L. Sossnitz an der New Yorker Educational Alliance (Hebrew Institute) blieb lange unbesetzt, da der passende Mann resp. Nachfolger schwer zu finden war. Rabbi Sossnitz hinterließ eine Anzahl jüdisch-wissenschaftlicher Werke, von denen „Hamoaur" (Der Leuchter), „Ochen Jesch Adonai" (Es gibt einen Gott) usw. auch in Europa zur Genüge bekannt sind. Sossnitz wirkte während seiner vierzehnjährigen Vortragsserie auf das Ghetto New Yorks, in dessen Mitte sich die Educational Alliance befindet, erzieherisch, bildend und moralisch. Zum Zionismus nahm er keine Stellung. Sein Nachfolger, Rabbi M. Z. Rabinowitz, einer unserer hervorragendsten Volksredner und Talmudgelehrten, ist in hiesigen zionistischen Kreisen wohl gekannt und erfreut sich eines sehr guten Rufes. Mit Rabbi Rabinowitz erhält die sonst zionistischen