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Die Welt · 1910-09-09 · 36 (9.9.1910) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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870 DIEX^ELT No. 36 blick verweilt, um im Sande zu ruhen, sondern nur flieht und hinausschreit: „Zum Wohnkreise der Welt! Zum Wohnkreise der Welt!" Denn zu allerletzt wird ihm vom Himmel ein Erbarmen. Weh' aber dem Menschen, der die Ruhe liebt! Und darum ist böse das Schicksal des Misnaged! Im allgemeinen irrt der Misnaged nicht. Wenn ihn aber ein unreines Erlebnis trifft, und er hat die Allheit verloren und irrt, dann sitzt er auf dem Sande, holt aus seiner Tasche ein Buch, lernt Psalmen, liest im Gebetbuch und betet, — und hat er kein Buch, dann lernt und liest und betet er schon auswendig — lernt, liest, betet — schlummert ein und schläft, unwürdig menschlicher Wesen, und träumt, mitten im Wohnkreise zu sein, und bleibt in seiner Tat befangen, während sein ganzer Leib hinsiecht und verfällt, seine Seele schwindet wie der Mond und zu Ende geht, bis er ganz verwelkt und verdorrt und endlich hinfällt und stirbt,. — stirbt in der Wüste der Irrenden, im Sande, außerhalb des Lagers, weit, überaus weit von dem Wohnkreise, — und hat ewig kein Wiedererstehen, weil einstens der Engel, der an die Gräber pocht, die Schlummernden zu wecken, ihn in dem Sandrneere nicht sucht noch findet, und er selber hört nicht des Schofars Stimme und kann sie nicht hören. Und wieder schwieg der Zaddik, sog etwas an der Pfeife, — aufhellte sich ein wenig sein heiliges Angesicht — und sprach: daß niemals, wenn er irrte, er auch nur einen Augenblick in Verzweiflung geriet. Sicher war er, aus dem Zweifel und der Öde herauszukommen, und hatte dafür helle Anzeichen: erstens — das Bewußtsein, daß er irrte, daß hier nicht seines Ortes sei, — zweitens, daß alle Tage seines Schwankens der Himmel auch nicht einen Augenblick sich ihm verbarg, — und drittens, daß das Heer der Himmelsgewalten sich ihm liebreich zeigte. (Schluß folgt.) fr=- o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG f o o o o o o o X o o o o o o o Deutschland XII. Delegiertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschland in Frankfurt Sonntag, den 11. September 1910 Vormittagssitzung. Beginn 10 Uhr präzise; 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten, Herrn Dr. Bodenheinier-Cöln; 2. Ansprache des Präsidenten des A.-K., Herrn David Wolffsohn-Cöln; 3. Wahl des Bureaus; 4. Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses; 5. Referate der Herren: a) Professor Dr. Otto Warburg-Berlin: Palästina als jüdisches Arbeitsgebiet, b) Dr. Franz Oppen heimer-Berlin: Die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. — Nachmittagssitzung. Beginn 3 Uhr präzise: 1. Generaldebatte. Montag, den 12. September 1910. Vormittagssitzung. Beginn 10 Uhr präzise; 1. Dr. Hans G. Hey mann: Finanzen; 2. Parteisekretär Blumenfeld: Zionistische Agitationsmethoden; 3. Anträge. Nachmittagssitzung. Beginn 3 Uhr präzise; 1. Eventualia; 2.Wahlen: a) des Präsidenten, b) des Zentralkomitees, c) der Revisoren. Sämtliche [Sitzungen finden im Kaufmännischen Vereinshaus, Eschenheimer Anlage statt. Die Verhandlungen sind öffentlich. Hamburg. Die hiesige Jüdische Bibliothek und Lesehalle im Hause Bieberstraße 4 wurde im Monat August von 436 Personen besucht. Ausgeliehen wurden bis jetzt insgesamt 440 Bände. Es liegen gegen dreißig Zeitungen und Zeitschriften in hebräischer, deutscher, jüdischer, französischer und englischer Sprache auf. Kattowitz. Vor einigen Tagen konstituierte sich hier ein Herzl-Klu b, Vereinigung jüd ischer Angestellten zur Diskutierung jüdischer Gegenwartsfragen. Der Klub, der vorläufig Mitglieder nur in ganz beschränkter Zahl aufnimmt, verfolgt den Zweck, diese Mitglieder, ohne sie vorher auf ein bestimmtes Programm festzulegen, mit den jüdischen Problemen vertraut zu machen. Er veranstaltet in diesem Winter einen Kursus über: „Die Grundlagen und Geschichte des Zionismus", dessen Leitung Herr Heinrich Margulies übernommen hat. Lübeck. In der in der hiesigen Ortsgruppe stattgefundenen Versammlung für den diesjährigen Delegiertentag wurden gewählt als Delegierte: Zahnarzt Hugo Rotschild, Rechtsanwalt Dr. Leo Landau; als Ersatzdelegierte: Eduard Joel, Frau Dr. Joel, Hugo Meyer. Österreich Olmütz. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Geullah" in Olmütz veranstaltete gemeinsam mit dem Verein „Zion" und unterstützt durch den jüdischen Nationalverein in Wien am 15. August d. J. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde einen Vortragsabend, an dem Gg. Herr Dr. Hermann Kadisch über „die politische Lage in Österreich und die Juden" sprach. Herr Karl Beck, Obmann des Vereins „Zion", leitete den Abend mit einem warmen Nachruf für den plötzlich verstorbenen Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel ein. Dr. Kadisch besprach die Arbeitsunfähigkeit des Parlaments des allgemeinen Wahlrechts und deren Folgen für das Volk. Die Ursache dieser Arbeitsunfähigkeit sei der Nationalitätenhader, das einzige Bindemittel der Parteien der Antisemitismus, den die Juden nur allzuoft zu fühlen bekommen. Er sprach über den schmächlichen „Schulantrag", die traurige Lage der Hausierer in Wien; dies alles können nur die Juden selbst ändern. Die „liberale" Politik der Juden müsse aufgegeben werden, man dürfe sich nicht in fremde Parteien eindrängen. Nur durch die-nationale Autonomie könne die Besserung der Lage der Juden erzielt werden. Das Referat fand lebhaften Beifall. Stanislau. Die jüdisch-akademische Verbindung „Giskalah", welche bis nun durch acht Semester eine Ferialverbindung war, hat sich am 27. August d. J. als aktive Verbindung erklärt. Die letzten Chargenwahlen gaben folgendes Resultat: Cand. jur. Abraham Krauthammer X, Cand. jur. Iro Lilienfeld XX FX, Cand. ing. Julius Feuermann XXX. Wien. Hier hat sich ein Komitee zur Gründung eines zionistischen Mädchenvereins gebildet. Anmeldungen und Anfragen sind an den Verein „Moriah," IX. Türkenstraße 9 zu richten. Ungarn Szatmär-Nemeti. In der am 25. August abgehaltenen Sitzung des „Szatmarer Zionisten-Vereines" erstattete der Delegierte cand. med. Viktor Jordan ein Referat über die VIII. Jahreskonferenz der ungarländischen Zionisten. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Der „S. Z. V." nimmt den würdigen und arbeitsvollen Verlauf der Konferenz mit Befriedigung zur Kenntnis und spricht den Leitern der Landesorganisation, Präsident Dr. Österreicher, Nationalfondskommissär Dr. Dörneny und dem unermüdlichen Dr. Kahan für ihre aufopfernde, selbstlose Arbeit, wie auch unsern Kaschauer Gg. für die Veranstaltungen ihren wärmsten Dank aus. Der Verein konstatiert mit Bedauern, daß die Haltung der Frankfurter Misrachi-Zentrale den verdienstvollen Leiter der ung. Misrachisten, Gg. Lebowitsch, moralisch zwang, — indem sie sich an eine in der Hitze des Debatte ihm entfallene Äußerung klammerte, — die verhängnisvolle Trennung der ung. Organisation durchzuführen, und beschließt, weiterhin in der Landesorganisation zu verbleiben. Ujvidek (Neusatz). Den Bemühungen des Sekretärs der ungarischen N. F.-Sammelstelle, Gg. Jeremias Engel, ist es gelungen, hier eine zionistische Ortsgruppe ins Leben zu rufen, die bereits 200 Mitglieder zählt. An der Spitze der Ortsgruppe steht Herr Advokat Dr. Edmund Gäl, Präsident des jüdischen Schulstuhls. Die Werbung von Mitgliedern und die Schekelsammlung wird fortgesetzt und dürfte zu sehr erfreulichen Ergebnissen führen. Es steht zu erwarten, daß die Stadt Ujvidek sich zu einem Mittelpunkt zionistischer Tätigkeit im Süden des ungarischen Tieflandes entwickeln wird. Die Sammelstelle des J. N. F. hat hier 50 Nationalfondsbüchsen verteilt und eine größere Anzahl N. F.-Marken und

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