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Die Welt · 1910-09-09 · 36 (9.9.1910) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 36 ■ ■ ■■ ■. ■ ' DIE man sich gegen die Cholera schützen soll. Dort gibt es ein großes Feld, dort gibt es Arbeitsgelegenheit, und Arbeitswillige sind uns willkommen." Das sind die Empfindungen der jungen Generation, die gelernt hat: Gegenwehr, nicht Abwehr! Vom Zionismus in — Zion*) von Heinrich York-Steiner Auf dem Nordpol verliert der Magnetismus seine Kraft. Die Nadel der Bussole, die immer nach Norden weist und so den Wagemutigen zur Erdachse führt: am Ziele angelangt verliert sie die geheimnisvolle Wirkung, sie wird zu einem gewöhnlichen dünnen Stahlstäbchen, das ohne innere Orientierung müßig im Scharnier hängt. Damit wäre ein treffendes Bild gefunden und vielleicht auch eine Entschuldigung für jene Juden, die in Palästina leben, ohne unsere Anhänger zu sein. Nun ist es mir aber, wie allen aufrechten Zionisten, um treffende Wahrheit zu tun und nicht um packende Bilder. Ich suche die Wahrheit, soweit sie uns irrenden Menschen beschieden sein mag. Demnach erzähle ich, was sich mir in Palästina aufdrängte, und was ich aus Fragen und Antworten, Beschwerden und Anliegen zu schließen mich für berechtigt glaube. Die Zahl der organisierten Zionisten ist in Palästina gering genug, und diese stehen fast ausnahmslos in der Opposition. Als ihre Redner in Hamburg sprachen, verstand ich )ald, daß ihre Klagen der Maßlosigkeit wegen ohne ede tiefere Wirkung bleiben müßten, — zehn Wochen später wußte ich, daß alle ihre Ausführungen, trotz der Heftigkeit der Sprache, tief begründet waren. Tief begründet, weil alles, was die palästinensischen Delegierten /orbrachten, der Volksströmung, der allgemeinen Stimmung entspricht, — einer Stimmung, die aus Tatsachen entstanden ist. Und doch wäre es falsch, sich aus diesen Schilderungen ein unfehlbar richtiges Bild palästinensischer Verhältnisse gestalten zu wollen. Die Mißstimmung gegen die zionistische Organisation ist ein Kind der Enttäuschung und die Enttäuschung ein Produkt unserer Arbeit. Klingt das nicht paradox, wo wir doch alle nach positiver Arbeit in Palästina rufen? Und doch scheint dieses Paradoxon treffende Wahrheit. Herr Dr. Ruppin hat das in der Jahreskonferenz sehr richtig angedeutet. „Man hat gemeint, daß mit der Gründung des Palästinaamtes das goldene Zeitalter hereinbrechen wird." In solchen falschen Voraussetzungen liegt die größte Gefahr für unsere praktische Arbeit. Ein wenig tragen wir in Europa die Schuld. Wir schleppen jede Idee, jeden Keim positiver Arbeit so lange in die Öffentlichkeit, und es schreiben und sprechen so viele begeisterte Menschen von tinsern Gründungen, daß sie dann im Uchte der Wirklichkeit einen noch geringem Eindruck hervorrufen, als sie verdienen. Gehen wir aber nicht an die Öffentlichkeit, agitieren wir nicht, dann bekommen wir kein Geld und es geschieht überhaupt nichts. *) Wir bringen gerne den interessanten Aufsatz unseres geschätzten Gesinnungsgenossen zum Abdruck, ohne uns jedoch in allen Dingen mit seiner Ansicht identifizieren zu können. Wir hoffen, fiaß sich an diesen Beginn der Erörterung einer aktuellen Angelegenheit eine rege Diskussion anschließen wird. — Die Red. -- 863 Die Bank wurde beim letzten Kongreß heftig angegriffen, denn sie gilt in Palästina als die bete noire des ganzen Landes. Warum? Weil sie ist, weil sie wirklich besteht und weil sie arbeitet. Um zu arbeiten, um bestehen zu können, muß sie jedoch genau so hart, genau so unbeugsam sein, wie irgend ein Bänker. Und kennt irgend jemand, der mitten im Qeschäftsleben steht, eine Bank, die beliebt ist? Auch sind bei der A. P. C. einige Fehler begangen worden, die sich nun schwer rächen. Ich meine nicht, daß man 8—10% Zinsen verlangt, auch nicht, daß schuldenfreie Leute mit einem Grundbesitz im Werte von 100 000 Frcs. nur dann einige Tausend Francs geborgt bekommen, wenn sie ihren Besitztitel verpfänden, nicht einmal das rüge ich, daß den Schuldnern das Getreide vom Felde geführt wird, als Deckung ihrer Schuld. Denn 8—10% Zinsen sind landesüblich, privat kostet Geld 12—14%. Der ganze Besitztitel muß verpfändet werden, weil es doch keine Hypottiekenbücher gibt, und holt die Bank nicht die Ernte, dann hat sie eventuell dasNachsehen. Aber wer von uns würde nicht schreien, wenn ihm solch harte Bedingungen gestellt würden? Wer würde nicht glauben, daß er mit seinem Getreide bessere Preise erzielt hätte, wenn er hätte warten dürfen? Und dieses Schreien ist um so verständlicher, je mehr wir die jüdische Bank als eine Erlösung für Palästina hingestellt haben. Hier treffen sich zum erstenmal Idee und Ausführung, Illusion und Wirklichkeit, um sofort in den heftigsten Kampf zu geraten. Sind nun die Leiter oder die Beamten der A. P. C. Schuld an dieser Verbitterung? Ich glaube nicht. Ich habe die leitenden Herren nicht kennen gelernt — und sehr viel gehört, was gegen sie spricht, — aber alles deutet darauf hin, daß man das Amt und seine harten Pflichten mit den Menschen verwechselte. Woher kam das? Die A. P. C. wurde mit großen Illusionen erwartet, mit Enthusiasmus begrüßt, der Manager gehörte bald zu den populärsten Männern des Landes, dem man das unbegrenzteste Vertrauen entgegenbrachte. Dann aber mußte er Geschäfte machen. Geldgeschäfte sind dem Enthusiasmus Feind und Geschäfte niemals der Freundschaft günstig. Ein Fehler aber, ein konstitutioneller Fehler, oder richtiger ein organisches Gebrechen sei hier festgelegt. Man sandte den Manager ohne jede persönliche Deckung, ohne ministerielle Bekleidung nach Jaffa, als einen Selbstherrscher, der keiner sein durfte. Denn in kleinern Dingen sollte er allein und auf eigne Verantwortung hin entscheiden, in allen großen und entscheidenden Dingen blieb er von einem Board abhängig, der weitab und zerstreut in vielerlei Ländern lebt. Nun ist Wandel geschaffen, indem auf Wunsch des Managers Herrn Levontin eine im Lande lebende Körperschaft zur Beratung ernannt wurde. Mögen die rechten Leute an den rechten Platz kommen, und vor allem, möge es nicht zu spät gewesen sein. Auch das Palästinaamt wurde angegriffen, aber viel sanfter als die Bank, denn es hat seine eigentliche große Arbeit noch nicht begonnen. Wohl bekrittelt man auch diesen Mangel, aber man wartet nur auf den Augenblick der begonnenen Arbeit, um mit heftiger Kritik einzusetzen. Sind unsere Freunde in Palästina gar so angriffslustig oder bösartig? Nein, sie sind Menschen wie andere Menschen auch, Kolonisten wie andere Kolonisten. Wer aber das Leben der Kolonisten kennt, weiß, daß sie in allen Weltteilen, in Kanada wie in Sudwestairika, in

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