Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagesfragen. 10. Cb. Max Kopetzky: Fragen des IX. Zionistenkongresses. Große Aufmerksamkeit wurde auch der weiteren Ausgestaltung der Burschenprüfungen zugewendet. Sie bestanden nicht mehr aus schablonenhaften Fragen aus Zionismus und den wichtigem Epochen der jüdischen Geschichte, sondern es wurde ein tieferes Eindringen in die Schriften und den Geist des Judentums verlangt. Die zionistische Bibliothek umfaßt 63 Bände, die noch nicht abgeschlossenen Sammlungen für die zionistischen Institutionen zirka 250 Kronen. Soweit es im Sommer möglich ist, wurde auch die zionistische Propaganda betrieben. Alle Versammlungen und Veranstaltungen in der Provinz wurden durch rege Mitarbeit gefördert. Der bedeutendste Erfolg, den die Verbindung in diesem Semester errungen hat, ist die Gründung der „Jordania". Nachdem die „Barissia" eingesehen hatte, daß es e'n Bedürfnis der Organisation der zionistischen Studentenschaft sei, eine zweite jüdisch-nationale Verbindung zu gründen, ging sie energisch und zielbewußt an die Beseitigung der Hindernisse. Nach langwierigen Vorarbeiten und Beratungen zog am 4. Juni die „Jordania" am Graben auf. Das K. P. J. V. (Kartell Prager jüdisch-nationaler Verbindungen) bedeutet ein Novum in der Geschichte der jüdisch-nationalen Verbindungen Österreichs, welches sich hoffentlich als zu weiterer Entwicklung fähig erweisen und bewähren wird. — Die „Jordania" hat sich als lebensfähige zionistische 'Studentenorganisation erwiesen, der sich in Zukunft weite Arbeitsmöglichkeiten eröffnen werden. Sie hat SGhon in dieser kurzen Zeitspanne mit der Ausnützung begonnen und wird im nächsten Wintersemester reiche Betätigung finden. Ferialleitung des K. P. J. V. und der „Barissia": stud. ehem. Max Kopetzky, Teplitz-Schönau, Giselastraße 18. Ferialleitung der „Jordania": cand. ing. Oskar Ekstein, Teplitz-Schönau, Waisenhausgasse 6. Personalnachrichten. Herr Dr. Emil Margulies, Präsident des böhmischen Distriktskomites, hat seine Advokaturskanzlei von Prag nach Leitmeritz verlegt. Herr Dr. Nison Kahan, Mitglied des engem Landeskomitees der ungarischen zionistischen Organisation, hat seine Advokaturkanzlei in Budapes t, VIII., Jözsefkörüt, eröffnet. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Siegfried Steiner hat seine Advokaturkanzlei in Pozsony (Preßburg), Venturgasse 22, eröffnet. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Georg Weiß mann hat sich als Rechtsanwalt in Kattowitz niedergelassen. Jüdischer Almanach in polnischer Sprache In den nächsten Tagen erscheint in Lemberg der von Dr. Leon Reich, sz. Redakteur des „Wschöd", redigierte jüdische Almanach in polnischer Sprache, der ebenso wegen seines reichen Inhaltes als wegen seiner vornehmen Ausstattung zweifellos in den weiten, polnisch lesenden jüdischen Kreisen lebhaftes Interesse finden wird. Vertreter verschiedener Richtungen im Zionismus und nationalen Judentum kommen in diesem Sammelwerk zu Worte; die hervorragenden Repräsentanten der neujüdischen Kunst haben sich hier ein Stelldichein gegeben. Das Buch ist je nach dein in den Artikeln behandelten Stoff in Gruppen zusammengefaßt, deren Bestandteile inhaltlich ein Ganzes bilden. Eine der vier Gruppen ist unserm Altmeister, Dr. Nordau, gewidmet. In ordnungsgemäßer Reihenfolge stellt sich der Gesamttext, wie folgt, dar: Victor Pordes, Przemysl: „Jahwe", Gedicht; Dr. Leon Reich: „Zu den aktuellen Fragen im Zionismus"; Dr. D. Pasmanik, Genf: „Die Teleologie in der jüdischen Dhsporageschichte"; Prof. Dr. N. Slousch, Paris: „Bei unsern Brüdern in den Höhlen"; Adolf Böhm, Wien: „Mesopotamien"; Joseph Gerstmann, Lemberg: „Ein Kulturzentrum in Palästina"; Prof. Boris Schatz, Jerusalem: „Aus der Vorgeschichte des Bezalel"; N. Sokolow, Berlin: „Nordau: Zionist und Politiker"; Abg. Adolf Stand, Lemberg: „Nordau: Mann der Tat und Redner": Dr. Leon Reich: „Nordau: Literat und Mensch"; Leopold Pilichowski, Paris: „Jüdische Kunst und jüdische Künstler"; Oskar Aleksandro wiez, Drohobycz: „Samuel Hirszenberg"; Dr. Seweryn Gottlieb, Krakau: „Ein neues Bibelgewand", das Werk Liliens; Mathias Acher, Czernowitz: „In Sachen des jüdischen Theaters"; Prof. Dr. L.Kellner, Czernowitz: „Sprache oder Jargon?"; L.Frischman, Warschau: „DieBüchsedesWunderrabbisMajer", aus dem Hebräischen; M. Chmielnicki, Wien: Übersetzungen aus der jüdischen Lyrik: 1. Abraham Reisen, „An der Schwelle, stiller Tod", 2. Z. Schnejur, „Kirschen", 3. Dawid Ajnhorn, „Aus dem jüdischen Gäßchen"; Franziska Stöckl, Stryj: „Perez und Naumberg"; Z. E. Finkel]- stein, Lemberg: „Silhouette des lustigen Satyrs", anläßlich der 25jährigen literarischen Tätigkeit Schalom Alejchems; N. Sokolow, Berlin: „Ignatz Bernstein und sein Lebenswerk"; Dr. W. E. Pordes, Przemysl: „Von der jüdischen Kultur"; Z. E. Fi not, Lemberg: „Schach-Matt", Ghettoimpression; Dr. A. Ginz, Krakau: „Das Judentum in den Schöpfungen von Solowacki", Beitrag zum Jubiläumsjahre des Dichters; Dr. Michael Ringel, Lemberg: „Die Polen gegenüber dem Zionismus"; Dr. I. Schipper, Tarnow: „Der Anfang einer jüdischen Nationalökonomie in Polen"; Red. M. Frostig, Lemberg: „Die Notlage der Juden und Plan einer Hilfsaktion"; Abg. Dozent Dr. A. Mahler, Wien: „Soziale Schichten im Judentum"; Hermann Blumental, Wien: „UnterjüdischenLumpenproletariern", Skizze; Dr. Max Nordau, Paris: „Die Judenemanzipition und der Messiasglaube"; H. York-Steiner, Wien: „Moses weint", Poesie in Prosa; Baruch Hagani, Paris: „Ein fürstlicher Zionist — 100 Jahre vor Herzl"; Dr. Marek Scherlag, Wien: „Tagebuch ehies Träumers in den vorherzusehen Zeiten"; Oberrabbiner Dr. M. Ehrenpreis, Sofia: „Das Problem Herzl, Gedenkblatt zum 50. Geburtsjahre"; Dr. A. Saiz, Tarnow: „Der IX. Kongreß"; Davis Trietsch, Berlin: „Die Antwort eines Unzufriedenen"; Dr. Alfred Nossig, Berlin: „Aussichten der jüdischen Kolonisation in der konstitutionellen Türkei"; Dr. Max Rosenfeld, Lemberg: „Nähere und weitere Aufgaben der poalezionistischen Bewegung"; Rabbiner Dr. I. Nacht, Focsany: „Ein Zögling des rumänischen Bethamidrasch auf dem Gipfel wissenschaftlichen Ruhmes", zu Ehren Prof. Schächters in New-York; Prof. Dr. L, Weill, Paris: „Jüdische Schulen im modernen; Frankreich"; Wilhelm Berkelhammer, Tarnow: „Vision", Gedicht. Der künstlerische Teil, der vom Maler Wilhelm Wachtel geleitet wurde, ist vom publizistischen Inhalte ganz abgesondert und stellt sich in einer Reihe meist unbekannter Reproduktionen folgender Künstler dar: Maurycy Got lieb selig; Leon Hirszenberg Paris, Samuel Hirszenberg selig; Josef Airig, Lemberg; Hochmann, Krakau; Arnold Lachowsky, Bezalel, Jerusalem; Max Liebermann, Berlin; E. M. Lilien, Berlin; A. Marko wiez, Krakau; Georg Merkel, Paris; Abraham Neumann, Zakopane; Bildhauer Alfred Nossig, Berlin; Alfred Penzias, Paris; Leopold Pilichowski, Lena Pilichowska, Paris; Rosenblum, Maler, Krakau; Josef Starck, Bezalel, Jerusalem; Hermann Struck, Berlin; Wilhelm Wachtel, Lemberg. Auf den ersten Seiten des Buches wurden außerdem die Porträts einer Anzahl von Mitarbeitern abgebildet. — Trotz dieser reichen Ausstattung wurde der Preis des Werkes bloß auf 5 Kr., 2 7« Rubel festgesetzt, um jedermann, der sich dafür interessiert, den Ankauf eines Exemplares zu ermöglichen. Bestellungen nimmt entgegen Dr. H. Rosmarin, Lemberg, Bernsteinagasse TO. Berliner Brief Die „tote Saison" nähert sich ihrem Ende. Nach einer nicht lange währenden Pause rüstet man sich bereits in den führenden Kreisen des mannigfaltigen öffentlichen jüdischen Lebens in der Reichshauptstadt zu neuer Kraftenlfaltung. Diese Vorbereitungen sind verschiedenartigen Charakters. Manche von ihnen werden nach „bewährter Methode" getroffen. So die Veranstaltungen von Vorträgen über das stereotype Thema „— und die Juden", oder über die unzähligemal als Prunkstück behandelte spanisch-arabische Epoche. Das sind jene glanzvollen Veranstaltungen des „offiziellen Judentums", die sich stets eines gioßen Zuspruchs seitens der Berlin W.-Juden erfreuen und das nicht zu unterschätzende Verdienst haben, in diesen unsern Volksmassen so fernstehenden Kreisen jüdisches Interesse geweckt zu haben. Neue Gesichtspunkte im Sinne einer Berücksichtigung auch der jungiüdischen Bewegung, ihrer Ansprüche und Bedürfnisse, werden sich hierbei auch in der kommenden Saison nicht geltend machen. Es werden jetzt deshalb von nationaljüdischer Seite Vorbereitungen gemacht, um dem seit langem empfundenen Mangel kultureller Veranstaltungen im Geiste der jüdischnationalen Anschauung und Gedankenwelt abzuhelfen. Die rührige „Jüdischnationalekulturelle Vereinigung" arrangiert eine Reihe von Vortragszyklen über die jüdische Geschichte, die neu-hebräische Literatur und jüdische Kulturprobieme. Jeder Vortragszyklus soll als Ganzes für sich gelten und das betreffende Gebiet systematisch behandeln und vom nationalen Standpunkt aus beleuchten. Es ist ein freudig zu begrüßender Versuch, das in hiesigen Zionistenkreisen häufig lautgewordene Verlangen nach einem geistigen Inhalt zu befriedigen. Und kommt auch dieser Versuch nicht von offiziellzionistischer Seite — so wird diese es hoffentlich nicht unterlassen, das Ihrige zum Gelingen desselben beizutragen. In derselben Richtung bewegen sich auch die Intentionen, des deutschen Landeskomitees der hebräischen Kulturorganisät'ion („Histadruth Ibrith"). In der Erkenntnis, daß ein Eindringen in die Kulturschätze unseres Volkes ohne Beherrschung unserer nationalen