Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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mußte und nunmehr einer besondern Kommission überwiesen wurde, der anzugehören ich die Ehre hatte. Nachdem diese Kommission das erforderliche Material beschafft hatte, erstattete ich innerhalb der Kommission ein Gutachten, das im wesentlichen folgendes besagte: 1. Eine Versicherungsgesellschaft zu gründen, die in sämtlichen Ländern arbeiten soll, in denen größere Judenmassen ansässig sind, ist infolge der von fast allen Regierungen geforderten Kautionen •unmöglich. 2. Für uns hat das Unternehmen überhaupt nur dann Interesse, wenn wir entweder den Oberschuß für jüdische Zwecke verwenden oder die Reserven in Palästina investieren oder den zu versichernden Juden wirtschaftliche Vorteile verschaffen können. 3. Es# gibt weder eine Möglichkeit noch einen Rechtsgrund, etwaige Überschüsse den Geldgebern oder Versicherten zu entziehen und unsern Parteizwecken zuzuführen. 4. Nach den Gesetzen der verschiedenen in Betracht kommenden Staaten in Europa und Amerika, müssen die dort arbeitenden Gesellschaften ihre Reserven in inländischen sichern Werten unter Staatsaufsicht anlegen. Wollen wir also Kapitalien nach Palästina dirigieren, so können wir nur eine türkische Gesellschaft gründen. 5. Ob eine Versicherungsgesellschaft in der Türkei und speziell in Palästina rentabel ist, entzieht sich meiner Beurteilung. Ich glaubte aber aus verschiedenen Gründen vor einer gewagten Spekulation warnen zu sollen. Ich glaubte auch nicht, daß den zu versichernden Juden besondere wirtschaftliche Vorteile geboten werden könnten, zumal sämtliche Faktoren zum Abschluß vieler und günstiger Versicherungsgeschäfte mir in der Türkei zu fehlen schienen, und somit die Gesellschaft nicht in der Lage sein dürfte, sich genügend zu entwickeln, die nötigen Garantien und den Versicherten besondere Vorteile zu bieten. Ich beantragte aus diesen Gründen das Projekt zu verwerfen. Durch Schreiben vom 14. November 1908 teilten mir die übrigen Mitglieder der Kommission mit, daß sie mit meinen Ausführungen durchaus einverstanden seien bis auf Punkt 5, d. h. soweit es sich um die Gründung der Gesellschaft in der Türkei handelte. In dieser Beziehung verlangten die übrigen Mitglieder der Kommission zunächst weitere Ermittlungen über die einschlägigen Verhältnisse in der Türkei. Selbstverständlich war das E. A. C. von dem jeweiligen Stande unserer Verhandlungen unterrichtet, und mit Recht konnte daher Herr Präsident Wolifsohn in der Sitzung des A. C. im März 1909 verkünden: „Der Vorschlag, der auf die Schaffung einer Lebensversicherungsgesellschaft hinzielte, befindet sich noch in Bearbeitung, hat aber kaum Aussicht auf Verwirklichung.*4 Er befand sich also noch in Bearbeitung, war aber bereits auf die Türkei beschränkt. Erst auf dem Hamburger Kongreß im Dezember 1909 wurde das definitive Gutachten der Kommission dem E. A. C. übergeben. Es ging dahin, daß eine allgemeine jüdische Lebensversicherung zu gründen unmöglich sei, daß höchstens ein Versicherungsunternehmen in der Türkei, speziell in Palästina in Frage käme, daß aber hierfür die eingesetzte Kommission nicht sachverständig sei, vielmehr türkische Gutachten eingeholt werden müßten. Damit war die Arbeit der Kommission beendigt, und nach meiner unmaßgeblichen Ansicht hätte die Kommission nicht das Recht gehabt, nunmehr ihrerseits das E. A. C. anzuweisen oder zu kontrollieren, daß es auch nun wirklich dem Vorschlag der Kommission entsprechend handelt. Vielleicht hat das E. A. C. die Sache weiter verfolgt. Herr Schachtel, was haben Sie eigentlich aus den Akten herausgelesen? Ist etwa Ihr übriges Material auch so entstellt und lückenhaft, wie Iht Exzerpt aus den Kommissionsakten? Mir scheint es fast so, wenn ich Ihre Ausführungen über die rein kapitalistische Aktiengesellschaft, die Gegenseitigkeitsgesellschaft und das gemeinnützige Unternehmen lese, oder wenn ich höre, daß das türkische Unternehmen sich unter die Obhut eines europäischen staatlichen Aufsichtsamtes stellen soll. Wie macht man das? Ich glaube, unser bewährtes E. A. C. handelt richtiger als Sie. Es übergibt eine schwierige Materie Sachverständigen zur Prüfung. Sie aber erledigen dasselbe im Handumdrehen durch einen Zeitungsartikel. Zionistische Frauenarbeit Von der Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit gehen uns folgende Mitteilungen zur Veröffentlichung zu: Seit wenigen Wochen erst ist die Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit eingerichtet worden, und schon jetzt können wir erfreulicherweise konstatieren, daß die in Betracht kommenden Kreise der verschiedensten Länder ein lebhaftes Interesse an unserer Arbeit nehmen. Vor allem die zionistischen resp. nationaljüdischen Frauenvereine haben uns ihre Freude über die begonnene Tätigkeit ausgesprochen und erhoffen hiervon für die Zukunft den förderlichsten Einfluß auf ihre Arbeit. Viele Anfragen von Einzelpersonen und das Anerbieten bekannter Zionistinnen, ihre Kräfte in den Dienst dieser Sache zu stellen, bestärken uns in der Auffassung, daß die Schaffung unserer Zentrale einem lange gefühlten Mangel abhelfen und (mit der tatkräftigen Unterstützung unserer Gesinnungsgenossinnen) viel Gutes und Wertvolles leisten wird. Von den vielen Meinungsäußerungen aus den verschiedenen Ländern wollen wir nur wenige hervorheben. Deutschland: Die Jüdisch-nationale Frauen Vereinigung Berlin (Vors. Frau Lina Wagner-Tauber) spricht in mehreren Briefen ihre Freudt aus und stellt ihre wärmste Förderung in Aussicht. „. . . Ich freut mich von Herzen, daß mein langgehegter Wunsch vielleicht in Er füllung gehen kann. Selbstverständlich bin ich bereit, wenn ich du Sache fördern kann, es zu tun.... Hoffentlich werden wir au diesem Gebiete Großes leisten.. . National-jüdische Frauenvereinigung Posen (Frau R. Scherek begrüßt unsere Anregung auf das wärmste und erwartet vie Günstiges für die existierenden Frauenvereine, aber auch für di; gesamte zionistische Organisation. Österreich-Ungarn: Organisation jüdischer Frauen fürGalizien und dieBukowin; (Präsidentin Frau Rosa Melzer-Pomeranz, Lemberg) schreib in einem längeren Briefe u. a. folgendes: „.. . Gewiß bin ich berei mitzutun an dem großen und dringenden Werke einer allgemeine Frauenarbeit. . .. Was ich mit meinen schwachen Kräften, abe riesengroßen Willen dazu tun kann, soll gewiß geschehen. Si dürfen jederzeit auf mich rechnen; ich stehe immer zu Ihrer Vei fügung, wo und wann es das Interesse unserer Idee und Bewegun gilt... Erster Zionistischer Frauen verein Wien:,,... Sollte der Zusammei Schluß aller zionistischen Frauen vereine durchgeführt werden, s würden wir dieses Ereignis froh begrüßen, vorausgesetzt, daß dt unseres Erachtens wichtigste Programmpunkt eingehalte wird, allen Vereinen gesunde Anregungen zu bieten, dam die Arbeitsfreudigen und Arbeitswilligen Gelegenheit haben, in dt Bewegung, der sie gern dienen wollen, auch Nennenswertes biett zu können." Aus Belgien: Frau Dr. Sophie Marcousß, Antwerpen: „Besten Dank f Ihren Brief, den ich mit um so größerem Vergnügen gelesen hal als ich seit Jahren diesen Fragen das größte Interesse entgegenbrin. und wiederholt mündlich und schriftlich dafür eingetreten bin.; muß alles getan werden, um die jüdischen Frauen aus ihrer Glek gültigkeit aufzurütteln, und ihre Mitarbeit zu gewinnen. Sie könnt i viel leisten und der Zionismus bedarf dringend der Frauenarbeit. A; mich können Sie zu jeder Zeit zählen; was in meinen Kräften ste; tue ich mit Freuden für diese gute Sache." England: Miss H. Weisberg, Manchester, Sekretärin der dortigen Fraut Vereinigung, schreibt uns: „Esist ebenfalls unser Ziel, zionistische Fraut <- vereine in den Städten ins Leben zu rufen, wo keine existieren, und < " bereits bestehenden zu stärken und weiter zu entwickeln. Sie <■■'- sehen daraus, daß unsere Arbeit mit den Zwecken, die Ihre /::,< kündigung in Aussicht nimmt, übereinstimmt und ich hoffe, d.•; hieraus viel Gutes entstehen wird." Der Verein gibt uns außerdem davon Kenntnis, daß er sich mit den zionistischen Frauenvereim 1 von Melbourne (Australien) und Montreal (Kanada) in Verbinde gesetzt habe; aus Melbourne sei ein günstiger Bescheid eingetroffen eine Antwort aus Montreal stehe noch aus. .