Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316440--53619-3347381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i*& ^Mrf 828 DIE^EELT zu leben übrig geblieben ist. „Da hob Mose seine beiden Arme und kreuzte sie auf seiner Brust und sprach zu Israel: „Seht das Ende des aus Blut und Fleisch Geschaffenen!"... Und der Heilige küßt den No. 34 Mose und empfängt die Seele, die den reinen und heiligen Körper nicht verlassen wollte... Der Vorhang fällt. Zu Ende ist die erhabene Welttragödie. Eitelkeit der Eitelkeit, — alles eitel. — — — o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG 1 o o o o o o o I J o o o o o o o Deutschland Posen. Die zionistische Orfsgruppe hielt am 18. d. M. ihre Monatsversammlung ab. In ca. einstündigem fesselnden Vortrag ließ der Referent des Abends, Herr Kareski, die neuesten Ereignisse im Judentum Revue passieren. Nach dem Vortrage fand eine lebhafte Aussprache über die vorzunehmende Delegiertenwahl statt. Wenngleich auf dem Frankfurter Delegiertentag die Frage der Leitung nicht auf der Tagesordnung steht, hielten es doch sämtliche Redner für notwendig, nur Delegierte zu entsenden, die den fast einmütigen Standpunkt der Ortsgruppe in dieser Frage teilen. Folgende von Dr. Köllen scher vorgeschlagene Resolution wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen: Die Wahlversammlung der Z. 0. in Posen erwartet von ihren Delegierten zum XII. deutschen Delegiertentag in Frankfurt a. M., daß sie gegen jede Schwächung des Präsidiums und gegen jede auf Beseitigung des Präsidenten Wolffsohn gerichteten direkten oder indirekten Bestrebungen 'eintreten und stimmen werden. Im Anschluß hieran fand die Wahl statt. Als Delegierte wurden gewählt: Herr Kareski, Herr Dr. Manasse, Herr Dr. Löwe, Berlin; als Ei satzdelegierte Her Paradies und Herr Simon Scherek. Bad Neuenahr. Einen sehr guten Verlauf nahm eine kürzlich von zurzeit hier weilenden Zionismen namens des Gruppenverbandes Rheinland inszenierte öffentliche Propagandaversammlung. Der große Saal im Westendhotel Carl Schröder war bis auf den letzten Platz gefüllt. Prof. Dr. Günzburg, New-York, eröTfnete die Versammlung. Dr. Goldberg, Neuenahr, entwarf in halbstündiger, außerordentlich klarer und sachlicher Rede ein scharfumrissenes Bild von dem stets fortschreitenden Auflösungsprozeß im gegenwärtigen Judentum, von dem Durchschnittstypus der sogenannten „modernen'* Juden und schließlich von den Grundlagen des Zionismus als der einzigen Möglichkeit, diesem Auflösungsprozeß wirksam entgegenzutreten und der Judennot ein Ende zu bereiten. Im Anschluß an diese durch vielen Beifall belohnte Rede sprach Herr Heinrich Margulies, Kattowitz, über das Thema: Was hat der Zionismus geschaffen? Der Zionismus, führte er aus, hat in seiner Agitationstätigkeit drei Etappen zurücklegen müssen. Zuerst sah er sich genötigt, der Mehrzahl der Westjuden überhaupt die Existenz einer Judenfrage zum Bewußtsein zu bringen. Als ihm dies gelungen war, mußte er in jahrelangem nutzlosem Disputieren gegnerische Verleumdung und Einsichtslosigkeit bekämpfen und versuchen, seinen Theorien Anerkennung zu verschaffen. Heute jedoch braucht der Zionismus derlei Argumente nicht mehr, heute verweist er auf das, was er geleistet hat, eine Organisation, die erste, die ausnahmslos Juden aller Richtungen umspannt, ein Volk, das von andern Völkern als solches anerkannt und geschätzt wird (Uganda), und drittens die Ergebnisse der praktischen Arbeit in Palästina. — Die feurige Rede wurde mit außerordentlichem Enthusiasmus aufgenommen. Zuletzt nahm Rabbiner Dr. Posnanski, Warschau, das Wort. In einem kurzen historischen Rückblick schilderte er die seit Jahrhunderten existierende Trennung von Ost- und Westjuden. Er zeigte, wie sich die Grenzlinie, die ursprünglich vor Spanien lag, allmählich ostwärts verschob, bis sie schließlich durch die Synthese des Zionismus entgültig aus der Welt geschafft wurde. — Eine zugunsten des N. F. eingeleitete Sammlung, auf dessen Bedeutung Herr Margulies zum Schluß seiner Rede hingewiesen hatte, ergab die stattliche Summe von ca. J( 130.—. Überhaupt ist das moralische und praktische Ergebnis der Versammlung wiederum ein Beweis dafür, wie notwendig es ist, unsere Agitation, die bisher im Sommer völlig ruhte, in verstärktem Maße in die Kurorte zu verpflanzen. Österreich Bielitz. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Emunah" veranstaltete am 30. Juli einen gemütlichen Abend mit anschließendem Tanzkränzchen, der einen schönen Verlauf nahm. Am 3. August folgte ein zionistischer Vortragsabend in Ernsdorf, bei dem Bb. Wechsberg das Referat hielt. Nach Deklamationen der Bb. Fink und Morgenstern folgte der Tanz. Die fast vollzählich erschienenen Kurgäste folgten aufmerksam den Darbietungen und beteiligten sich rege an der eingeleiteten N. F.-Sammlung. Die dritte Veranstaltung der „Emunah" war ein am 15. August im Hotel „Schwarzer Adler"' veranstalteter „Jungjüdischer Abend", bei dem Bb. A. Feiner einen glänzenden Vortrag über „Jüdische Renaissance" hielt. Hierauf folgten Deklamationen aus Werken jungjüdischer Dichter und eine gelungene Akademie. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Eine für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft eingeleitete Sammlung ergab 20 K. Brody. Verein jüdischer Hochschüler „Techijah". Chargenwahlen: Antschel Stromwasser, Präses, Melles Lazar, Vizepräses, und Simon Billig, Schriftführer. Ungarn Budapest. In Nagytapolcsäny sind 100 Schekelzahler dem „Misrachi" beigetreten. Ortsgruppen desselben Verbandes sind in Preßburg und Ersekujvär in Bildung begriffen. Brief aus Rumänien (Von unserm Berichterstatter) „Ich glaubte, das Sie ein Jude sind!" In Galatz. hat sich kürzlich folgender bezeichnender Vorfall ereignet: In einem Tramwayvvagen saß ein Herr mit seiner Frau. Ein Oberst wollte mit einem neben dem Herrn sitzenden Bekannten sprechen und befahl dem Herrn im Kommandoton, mit ihm den Platz zu tauschen. Der Herr nahm von diesem Befehl keine Notiz, worauf ihn der Oberst in das Gesicht schlug. Der so Beleidigte reichte dem Offizier, ohne ein Wort zu sprechen, seine Visitenkarte. Der Oberst las die Karte, sprang erschrocken auf und sagte in weinerlichem Tone: „Verzeihen Sie mir! Ich glaubte, daß Sie ein Jude sind!" Sein Gegner ist nämlich ein Rechtsanwalt, Rumäne reinsten Wassers. Er hat sich mit der Entschuldigung nicht zufrieden gegeben, sondern die Klage gegen den Oberst eingereicht. Die jüdischen und auch viele nichtjüdische Zeitungen fordern eine strenge Bestrafung des Offiziers. Von den rumänischen Nationalisten Es ist bekannt, daß bei uns Nationalismus mit Antisemitismus identisch ist. Der einfache Bauer, dem der Nationalismus fremd und unverständlich ist, kennt auch den Judenhaß in geringem Maße, oder nur, wenn ihm dies befohlen wird. Ein Beispiel hierfür lieferten die Einwohner des Dorfes Agas. Dort wohnt seit vielen Jahren ein Jude, der bei den Bauern in hoher Achtung steht. Auf eine Ordonnanz des Ministeriums hin mußten sich die Leute entschließen, ihn auszuweisen, obschon hierfür nicht der geringste Grund vorlag. Da der Ausgewiesene aber blutarm ist, gaben ihm die Leute 100 Francs aus ihrer Gemeindekasse und begleiteten ihn ein Stück Weges aus dem Dorfe. Um so intensiver herrscht die antisemitische Pest in den führenden Kreisen. Sie wird von Leuten verbreitet, die nichtrumänischer Geburt sind und durch eifrigen Nationalismus eben ihren Ursprung vergessen machen wollen. Diesen psychologisch begreiflichen Umstand hat eine von der Zeitschrift „Facla" angestellte Untersuchung über die Abstammung des Herrn Jorga zutage gefördert. Dieser Führer der nationalistisch-antisemitischen Schreier, dem bekanntlich infolge seiner Pogromhetzereien die Bukowinaer Landesregierung den Aufenthalt in ihrem Lande verbieten mußte, ist der Sohn eines Bulgaren und einer Griechin, und Enkel eines russischen Obersten. Dieser „echte Rumäne" und Nachkomme der alten Dazier ist übrigens, wie gleichfalls bei dieser Gelegenheit herauskam, ein Militärflüchtling. Herr Jorga mußte die Wahrheit dieser Feststellungen kleinlaut zugestehen. Das hat natürlich in allen politischen Kreisen große und peinliche Sensation erregt, die sich noch steigerte, als man nachweisen konnte, daß Jorgas beste