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Die Welt · 1910-08-26 · 34 (26.8.1910) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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822 DIEOTELT den kleinen jüdischen Geschäftsmann boykottieren, den jüdischen Beamten nicht anstellen oder aus seinem Amt drängen oder ihn zur Taufe zwingen. Sie nähren sich von jüdischer Arbeit, jüdischem Fleiß und jüdischem Steuergeld. Der Jude aber wird eingekreist und ausgehungert. Darum doppelt und dreifach: Taschen zu! Mögen andere Festungen bauen, wir bauen ein Wohnhaus für unser Volk. No. 34 Verräter, der mit uns arbeitet und uns das Leben ermöglicht. Bloß, — weil wir eben Juden sind! Und die reichen und mächtigen Repräsentanten des Judentums schweigen und rühren sich nicht. Ist es denn schon wirklich so weit gekommen, daß wir den Regenschirm aufspannen und sagen „es regnet", wenn man uns ins Gesicht spuckt? Juden und Serben Von Dr. Lavoslav Schick, Agram Vor einigen Tagen erschien im „Srbobran", dem Organ der selbständigen Serbenpartei für Kroatien, Slawonien und Dalmatien ein scharfer Artikel, der gegen den Pakracer Arzt Dr. Jovanovic gerichtet war. Es handelte sich um keine geringe Sache. Der „Srbobran" beschuldigt Dr. Jovanovic des Volksverrats und gibt ihn der öffentlichen Verachtung preis, in einer Weise, der sich kaum das serbische Volkslied gegenüber dem Manne bedient, durch dessen Verrat die Serben in der Schlacht am Amselfelde geschlagen wurden. Was hat eigentlich dieser unglückselige Dr. Jovanovic verbrochen, daß grade er die Verachtung des ganzen Serbentums verdient? Er hat mit einigen jüdischen Mitbürgern verkehrt und mit ihnen gemeinsam eine Sparkasse gegründet. — Man bedenke nur: Mit Juden! . . . Begreifst du es, serbisches Volk, einer deiner Söhne hat nicht nur mit Juden verkehrt, er hat es sogar gewagt, seine Unterschrift auf einen B:gen zu setzen, auf dem auch die Namen Mauthner, Kohn, Pick, Müller, Breßlauer usw. stehen. Er wird mit Juden in einer Direktion zusammen sitzen und mit diesen Juden darüber beraten, welchem Bauer Kredit gewährt werden soll. Darin also besteht dieser schreckliche Verrat! Im jüngsten serbischen Hochverratsprozeß in Agram hat der Hauptangeklagte Valerian Pribicevic erklärt, daß Glaube und Nationalität bei den Serben nicht identisch sind. Diese Erklärung des serbisch-Oithodoxen Geistlichen hat namentlich auf uns Juden einen guten Eindruck gemacht, die wir den Kampf der orthodoxen Serben in Kroatien mit tiefem Mitgefühl verfolgten. Das Schicksal der unschuldig Angeklagten erweckte auch das Mitleid der Juden der ganzen Welt, die sich der eigenen Verfolgungen erinnerten, da man ihre Häuser und Tempel zerstörte und ihre Väter auf Scheiterhaufen verbrannte. Wir gedachten der Pogrome und erhoben unsere Stimme gegen die Verfolgung der Serben. Warum herrschen in Belgrad und im Königreich Serbien gute Beziehungen zwischen Serben und Juden? Welche Gründe haben die Serben im dreieinigen Königreich. Kroatien, Slawonien und Dalmatien für ihren Judenhaß? Welchen Grund hat das serbische Volk, das sich ja zumeist selbst in der Minorität befindet, gegen ein anderes Volk aufzutreten? Die serbisch-orthodoxe Religion kann gewiß nicht als Ursache betrachtet werden. Vor etlichen Monaten wurde der bekannte Verteidiger der Serben, Dr. Hinkovic in Slawonisch-Brod, zum Abgeordneten gewählt. Damals griff der „Srbobran" zwei Serben heftig an, weil sie nicht für Hinkovic gestimmt hatten. Und Dr. Hinkovic ist Jude. Allerdings getauft. Der „Srbobran" hat also inzwischen seine Ansichten geändert. Begeht nun ein Serbe Hochverrat, wenn er mit Dr. Hinkovic oder einem seiner jüdischen Verwandten verkehrt oder spricht? Der Artikel der „Srbobran" ist ein kleines Glied in der Kette, mit der man uns vernichten will. Wir befinden uns in Kroatien in verschwindender Minorität, wir haben keine besonderen Prätentionen, — und da kommen unsere Feinde und erklären jeden für einen Britischer Konsulatsbericht über den Distrikt von Jerusalem Das englische Ministerium des Äußern hat soeben zusammen mit dem Handelsministerium einen Bericht für das Jahr 1909 über den Handel in dem Konsulardistrikt Jerusalem, welcher die drei Städte Jerusalem, Jaffa und Gaza in sich schließt, herausgegeben. Wir reproduzieren im nachfolgenden einige der wichtigeren und interessanteren Stellen des Berichts. Bericht über den Handel im Konsulardistrikt von Jerusalem für das Jahr 1909 vom Konsul H. E. Satow Bevölkerung und Industrien. Die Bevölkerung der Stadt Jerusalem beträgt ungefähr 80 000 Personen, davon etwa 50 000—60 000 Juden, meist der ärmern Klasse angehörig. Die Zahl der britischen Untertanen in Jerusalem und Umgebung beträgt insgesamt ungefähr 370 Personen. Von diesen sprechen nur ungefähr 140 englisch, die übrigen sind größtenteils Juden. Die wichtigste Industrie ist die Fabrikation von Seife. Es zeigte sich im Berichtsjahre eine leichte Steigerung im Wert der exportierten Seife. Die einzige sonstige Industrie* ist die Fabrikation der sogenannten „religiösen Artikel", die in Jerusalem und in Bethlehem betrieben wird Öffentliche Qesundheit. Es gab im Jahre 1909 keim besondern Merkmale. Die Epidemie der Gehirnhautentzündung welche im Jahre 1908 anfing, dauerte mit verringerter Intensitä während des ganzen Jahres 1909. Gegen Ende des Jahres wa; sie beinahe verschwunden. Der Stand der öffentlichen Gesundheit ist, wenn man dii schmutzigen und unreinen Behausungen und Gewohnheiten eine beträchtlichen Teiles der Bevölkerung in Betracht zieht, über raschend gut, obgleich Malaria und andere Krankheiten immer an zutreffen sind. Bergbau. Es existieren nur geringe Anhaltspunkte über d\> bergbaulichen Möglichkeiten des Distrikts. Angeblich hat eii italienisches Syndikat um eine Konzession für die Ausbeutung de Phosphatminen in der Nachbarschaft von Es-Salt, östlich voi; Jordan, nachgesucht. Es heißt, daß die Konzession sozusage schon bewilligt ist und nur noch die endgültige Genehmigung dt Kammer in Konstantinopel erhalten muß. Es verlautet, daß d;; Syndikat, welches eine 40 km lange Zweigbahn von Es-Salt nac Maan zur Hedjasbahn bauen muß, ein Kapital von 22 000 000 Frc haben wird. Handel in 1909. Die Ernte des Jahres 1909 war im aigemeinen schlecht. Nichtsdestoweniger zeigt die Einfuhr eine Zi nähme von ungefähr 170000 £, während in der Ausfuhr eii : kleine Zunahme von fast 5000 £ zu verzeichnen ist. Einfuhr. Die Einfuhr für 1909 zeigte eine Zunahme v< > ungefähr 170 000 £ gegenüber der des vorhergehenden Jahres. B mag indessen sein, daß die wirkliche Zunahme geringer ist, als d j Zahlen zu zeigen scheinen, da das neue Zollverfahren wahrschei - lieh eine genauere Schätzung der eingeführten Artikel erzielt. Z - nahmen zeigen sich besonders in Baumwollwaren, welche ungefaldie Zahlen von 1907 erreichen, Zucker, Reis, Wein und Maschim während sich die hauptsächlichsten Abnahmen in Eisenware Bauholz, Ziegeln und Olivenöl zeigen. Die Abnahmen in d. i ersten drei Artikeln sind wahrscheinlich einer zeitweisen Erschlaffedes Bauhandwerks zuzuschreiben. Ausfuhr. Diese zeigte einen ganz geringfügigen Aufschi-.;,! auf die Zahlen für das Jahr 1908, welches indessen eine bedeuten - Zunahme gegenüber 1907 zeigte. Die Ausfuhr von Seife ist unverändert geblieben, während 68 000 Kisten Orangen mehr;^ 1908 exportiert wurden; der Wert ist ungefähr 17 000 £ trieb- Lupinen, Früchte, Olivenöl und Wolle zeigten alle eine kleine Zunahme. Der Hauptrückgang zeigt sich in Bohnen, veranlaßt dum die Mißernte. Dann kommen religiöse Artikel. Hier ist der Rückgang veranlaßt durch eine verringerte Nachfrage nach solche1 Dingen, durch auswärts etablierte Eingeborene, die andere Handelszweige aufgenommen haben, ferner durch den vermehrten Gebrautn

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