Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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5. Sollte ein Kolonist die erste Pflanzungsrate nicht gleich nach Aufforderung mittels rekommandierten Briefes leisten, so ist die P. L. D. C, um nicht gleich beim Anfang in der Ausführung der Pflanzung gehindert zu sein, ohne weiteres berechtigt, auf jenen Teil einen andern pünktlichem Zahler einzusetzen; der nichtzahlende Kolonist kann auf Wunsch seine Anzahlung ohne Zinsvergütung zurückbekommen oder kann sich für eine zweite Hundertschaftskolonie einschreiben und seine gemachte Anzahlung dorthin übertragen lassen. 6. Bei Nichtzahlung der weitern Raten zu den festgesetzten Terminen hat die P. L. D. C. den Kolonisten im Laufe des Jahres vierteljährlich zur Zahlung aufzufordern, damit er bis zu Ende des Jahres seine Rate zuzüglich Verspätungszinsen einschicken kann. 7. Ist aber das Jahr verflossen und die Rate nicht geleistet worden, dann ist die P. L. D. C. im Rechte, mit dem nichtzahlenden Kolonisten resp. mit seinem Anteil so zu verfahren, wie bei der Nichtzahlung in bezug auf das erste Pflanzungsjahr. 8. Die Verpflanzung und Verwaltung der Kolonie geschieht nach dem Gutdünken der P. L. D. C. resp. ihrer Beamten. 9. Im Fall« radikaler Abänderungen im Plane der Kolonie oder in der Bepflanzung gegenüber den ursprünglichen Bestimmungen müssen die Kolonisten befragt werden. Stimmenmehrheit entscheidet. 10. Im neunten Pflanzungsjahr wird die Verwaltung der Kolorite den Kolonisten überlassen. * Wird dieses Projekt in die Praxis umgesetzt werden können, wird die P. L- D. C. den nötigen Kredit bei den zionistischen Institutionen und bei den andern jüdischen Organisationen finden können, so wird sie der Brennpunkt aller zerstreuten Strahlen, die „Sammlerin vieler Zerstreuten Israels" werden. Sie wird so die Vorläuferin des großen Agrarkredits sein und der eigentlichen Getreidebaukolonisation den Weg ebnen. REVUE DER WOCHE =^31 ' Cr -^ <> □□□□□) fv. Jj ((; o rf -o ' O □□□□□ o o ->0 ( ± Siedelungspläne. Wie wir in Nr. 30 bereits berichtet haben, wird in der Bukowina die innere Kolonisierung der durch die Aufhebung des Propinationsgesetzes „freigesetzten" jüdischen Schanker ernstlich erwogen. Aut Vorschlag des Abg. Dr. Straucher wurde vor zwei Wochen in Czernowitz im Jüdischen Nationalhause eine Konferenz abgehalten, in der die finanziellen Details des Projekts eingehend diskutiert wurden. Es handelt sich vorläufig um einen Versuch der Ansiedlung von 25 Schänkerfamilien. Nach den von verschiedenen Konferenzteilnehmern gemachten Berechnungen muß ein Fonds von etwa 170 000 Kr. gesichtet werden, außerdem soll jede Familie ein Vermögen von 8000 Kr. besitzen. Einige wohlhabende Juden haben sich auch bereit erklärt, bedeutende Beträge zur Verfügung zu stellen. Der Bukowinaer Kolonisationsversuch erfordert, nach den überschlägigen Berechnungen der Konferenzteilnehmer, ebensoviel Geld wie etwa die Begründung einer Kolonie desselben Umfangs in Palästina. Wir unterschätzen keineswegs den Wert der Zuführung der Juden zum Akerbau und namentlich der landwirtschaftlichen Erziehung in den Ländern der Diaspora. Der Grundgedanke der Aktion der Jüdischnationalen der Bukowina — die produktive Berufsänderung, eine gesunde sozialwirtschaftliche Umschichtung — ist durchaus zionistisch, auch wenn an keine Ortsverätiderung gedacht wird. Allein dem segensreichen Unternehmen der Jüdischnationalen und Zionisten Bukowinas sind natürliche Schranken gesetzt, die nicht übersehen werden dürfen. Besteht die Absicht, über den kleinen Versuch hinauszugehen, dann sind bedeutende finanzielle Mittel nötig, deren Sammlung eine große Kraftanstrengung der Juden der Bukowina erfordern würde. Es ist aber auch aus einem andern Grunde nicht möglich, an eine umfassende Siedelungsaktion zugunsten der Schänker in Galizien und der Bukowina zu sprechen. Es gibt in diesen Ländern unsers Wissens keine brachliegenden Gebiete, die des befruchtenden Menschenstroms harren. Dagegen gibt es in Galizien und der Bukowina einen Bauernstand, dessen Bodenhunger der Macht des rentengenießenden Großgrundbesitzes proportional ist. Dreiviertel aller landwirtschaftlichen Betriebe Österreichs umfassen eine Fläche von 1—5 ha. Die Zahl dieser bodenarmen Bauern ist gewiß besonders groß in Galizien und in der Bukowina, den Latifundienprovinzen Österreichs. Jeder Versuch einer größern landwirtschaftlichen Niederlassung in diesen dichtbevölkerten Ländern wird den schärfsten Widerspruch der polnischen, ruthenischen und rumänischen Bauern hervorrufen und dem Antisemitismus den denkbar besten Agitationsstoff liefern. Herr Abg. Dr. Strau eher hat gewiß recht,, als er mit Hinweis auf die Drohungen der judenfeindlichen Presse in Czernowitz erklärte, daß sie uns nicht einschüchtern werden. Freilich, der Antisemitismus ist nicht bestimmend für unser Tun, er ist für uns stets nur ein Symptom und ein Beweis dafür, wie leiclit es ist, das schlummernde Gefühl des Judenhasses zu erwecken. Aber das soll nicht geleugnet werden, das eine bodenhungrige Bevölkerung den planmäßigen Ankauf von benachbarten Gütern — die im Rechtsbewußtsein des Volkes ihm gehören! —, ihres Parzellierung und systematische Ansiedlung durch Juden als eine Invasion betrachten wird. Es drängt sich daher unwillkürlich der Gedanke auf, daß ein großes jüdisches Siedlungswerk ohne eime vorhergehende Ortsveränderung und Emigration nicht durchzuführen ist. Was im Golus notwendig und auch durchführbar ist, sind Einzelkolonien, Musterfarmen, landwirtschaftliche Schulen. Es wird kaum gelingen, darüber hinauszugehn. Daszynskis Credo. Der Führer der polnischen Sozialdemokratie Österreichs, Ignaz Daszynski, veröffentlicht in der Wiener „Arbeiterzeitung" einen Artikel wider die „Leipziger Volkszeitung", in der „ein polnischer Genosse, der die polnische Bewegung sorgsam verfolgt", die Beteiligung der polnischen Sozialdemokraten an der Grunwaldfeier einer heftigen Kritik unterzogen hat. Die Gründe, die die polnischen Sozialdemokraten bestimmt haben, gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien den fünfhundertsten Jahrestag der Schlacht bei Grunwald (Tannenberg) festlich zu begehen, interessieren uns nicht. Viel bemerkenswerter ist das nationale Bekenntnis, das Daszynski hier nicht zum ersten Male ablegt, and die freundlichen Worte, die er seinen polnischen Parteigenossen nachruft, die „im Ausland leben" (von D. gesperrt hervorgehoben) und „die leider noch sehr leicht die ausländische, besonders die reichsdeutsche Parteipresse gegen die P. P. S. D. mißbrauchen können." Wahrhaftig, wir begreifen diesen Schmerz Daszynskis. Der Typus des 'jüdischen „Freiheitlichen" und Sozialisten, der seinen Einfluß in der „ausländischen" und nichtjüdischen Presse mißbraucht, um jede Freiheitsbewegung, um auch die jüdische sozialistische Bewegung den „andern" in der ihm eigenen lieblichen Weise darzustellen und zu denunzieren, ist uns gleichfalls nicht fremd. Nur daß es auch in der unmittelbarsten Nähe Herrn Daszynskis Leute gibt, die derartige politische Vernaderung auf dem Gewissen haben. Folgen wir aber Herrn Daszynski, der diesmal einige beherzigenswerte Wahrheiten ausspricht. Er kennzeichnet die „polnischen Ausländer", — ob er zum Schluß nicht gar die prinzipienfeste Frau Rosa Luxemburg meint!—in folgender Weise: „ .. Sie sind nicht imstande zu begreifen, daß eine unterjochte und in drei Teile gewaltsam getrennte Nation und ihr Proletariat noch eine Reihe von Aufgaben vor sich hat, die in einer geeinigten oder unabhängigen Nation entweder entfallen oder ganz anders ausschauen. Es ist leicht, mit den Schimpf wo rten, wie „Nationalisten", „verseuchte Partei" usw. herumzuwerfen, wenn