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Die Welt · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Jaffa eingetroffen und reiste am 6. d. M. nach Saloniki, um den Rabbiner Jakob Meir, mit dem er befreundet ist, zu besuchen und ihn zu bestimmen, die Stelle des Chachambaschi von Jerusalem anzunehmen. Sowohl in Jerusalem als in Saloniki und Konstantinopel sieht man dem Entschlüsse Rabbi Jakob Meirs mit gespannter Erwartung entgegen. Aus der Fauna Palästinas In Heft 1 (1910) von „Das Heilige Land", Organ des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, berichtet P. Ernst Schmitz, Direktor des St. Paulushospizes in Jerusalem, daß auf der Besitzung des genannten Vereins in Tabgha am See Genesareth im Laufe des 'letzten Jahres ein Tier entdeckt werden ist, das bisher in der wissenschaftlichen Welt völlig unbekannt war, und welches bis jetzt nirgendwo anders in der Welt angetroffen wurde. In einem auf der Beil zung liegenden natürlichen Wasserbecken, daß schon seit der ^ömerzeit wegen seines thermalen und rnineralhaltigen Charakters u Bädern benutzt wurde und deshalb zum Teil sorgfältig mit lauerwerk eingefaßt wurde, beobachteten die in Tabgha wohnenden .azaristen unter verschiedenen kleinen Fischen auch weiße Krebse, iie aber nur mit größter Mühe und in wenigen Exemplaren gemgen werden konnten. Bei der geringsten außergewöhnlichen Bewegung des Wassers verschwanden sie sofort im Schlamme, avei Exemplare dieser zur Familie der Garneeleri (Carididae) gehörigen weißen Krebse wurden durch Herrn R. Großmann in Liberias dem britischen Museum in London zugesandt und von )r. W. J. Calman, einer Autorität auf diesem zoologischen Gebiete, sorgfältig untersucht und in einem besondern Hefte der Transactions >f the Linnean Society of London (XL Bd., 5. Heft) sehr genau eschrieben. Eine lithographische Tafel in Großquart stellt das Her selbst, sowie seine charakteristischen Teile, die es von allen jinesgleichen unterscheiden, deutlich dar. Dr. Calman konnte zunächst feststellen, daß die Tiere dieser \rt völlig blind sind. Dieser Umstand sowie die schneeweiße arbe lassen darauf schließen, daß dieselben für gewöhnlich in iiterirdischen Wasseransammlungen leben. Aber zu welcher Gattung ■ 'er Garneelen sollte diese unbekannte Art nun gerechnet werden? iele Merkmale ließen auf die Gattung Pontonia, andere und wich- ,^ere auf die Gattung Palaemon schließen. Aber andere, noch Wesentlichere Merkmale stimmten mit keiner derselben und nötigten ,ur Aufstellung einer ganz neuen Gattung unter dem Namen Ty- Milocaris. Von blinden unterirdischen Arten der Gattung Palaemon waren bisher nur zwei bekannt, von welchen eine auf der Insel Kuba, die andere in Texas vorkommt. Dr. Calman erbat sich zur vergleichung Exemplare dieser beiden Arten aus dem Nationalniuseum der Vereinigten Staaten in Washington. Diese aberstellten sich heraus als durchaus verschieden von den Exemplaren aus Tabgha, die als typische fortan unter dem neuen Gattungs- und Art-Namen Typhlocaris galilea, Calman, im Britischen Museum aufbewahrt werden. In der Folge gelang es, sechs weitere, und y.war größere Exemplare zu fangen, die in Jerusalem in dem Museum Jes St. Paulushospizes aufgestellt sind. Abgesehen von dieser neuen Garneelengattung und Art waren schon seit vielen Jahren die Quellen und Wasseransammlungen auf •lern Gebiete des Vereins bei Tabgha unter den Naturforschern vohlbekannt wegen der eigentümlichen Fische, die man nirgendwo •o gut zu beobachten und zu untersuchen Gelegenheit hat wie eben iort. Es handelt sich besonders um die Quellen Ain et Tin und \'m et Tabgha. Unter andern sind es der französische Forscher )r. Lortet in seinen monumentalen Werken über Syrien und Paästina und der englische Domherr H. B. Tristram in seiner Flora -md Fauna of Palestine, die auf dieselben aufmerksam gemacht haben. Es handelt sich zunächst um die Fischart Chromis Simonis, Günther, über welche Dr. Lortet schreibt: Der in diesen Teichen gefundene Laich von Chromis Simonis hat die Größe von Schrot- Körnern Nr. 4 und eine tiefgrüne Farbe. Der weibliche Fisch •nacht zwischen den Wurzeln und dem Schilf eine Vertiefung und iegt in diese 100 bis 200 Eier. Ist dies getan, so verweilt er eine Zeitlang wie ganz erschöpft in einiger Entfernung von der Stelle. Das Männchen im Gegenteil erscheint überaus aufgeregt, schwimmt beständig um und über den Laich, wahrscheinlich um ihn zu befruchten. Venige Minuten nachher nimmt er den Laich, Ei für Ei, in sein Maul -ind verwahrt ihn in den Seiten der Mundhöhle, die außergewöhnlich erweitert und geschwollen erscheint. Einige Eier freilich gehen wieder -rloren durch die Kiemenöffnung. Obwohl nicht aneinanderklebend, 'leiben diese Eier zusammen. Nur gefangen und auf das Ufer geworfen, läßt der Fisch im Todeskampf einen Teil derselben fahren, -n dieser sonderbaren Brutmaschine geht der Laich durch alle seine gewöhnlichen Entwicklungsstufen. Die Jungen entwickeln sich und [ühlen sich natürlich sehr beengt in ihrem Gefängnis. Aber sie bleiben, zusammengepreßt wie die Samenkörner in einem reifen Granatapfel. Das Maul des Nährvaters dehnt sich jetzt dermaßen aus, daß es sich nicht mehr schließen kann und der Fisch einen merkwürdigen Anblick gewährt. Einige Junge suchen Platz in den Kiemen, die andern bleiben zusammen, den Kopf der Mundöffnung des Vaters zugekehrt, und verlassen ihren Gewahrsam erst, wenn sie etwa vier Zoll lang sind und ohne größere Gefahr da draußen sich blicken lassen können. Es ist unbegreiflich, wie das Männchen mit etwa 200 Jungen im Maule einige Wochen hindurch sich selbst ernähren kann, ohne mit der Nahrung auch die eigene Brut zu verschlingen. Die Fische laichen im Frühling.. Eine ganz besondere Erwähnung verdient der gleichfalls in den Gewässern des Grundbesitzes von Tabgha sehr häufige Fisch Ciarias macracanthus, Günther, von den Einheiniischen barbut genannt. Er erreicht eine Länge von mehr als drei Fuß, liebt schlammige Stellen und sucht solche besonders zum Laichen auf. Tristram erzählt, wie er im April 1887 den kaum einen Fuß tiefen schmalen Wasserlauf überschreiten wollte, der von einem der Quellwasser wie ein Faden zum See führte. Da sah er eine ununterbrochene Prozession dieser Fische durch diese Wasserrinne vom See heraufkommen, offenbar zum Laichen. „Unbekümmert um meine unmittelbare Nähe drängten sie vorwärts, der Kopf des einen reichte jedesmal bis an den Schwanz des andern, stellenweise war das Wasser so gering, daß die obere Körperhälfte stetig über das Wasser hinausragte; an zwei Stellen verschwand sogar das Wasser völlig unter Sand und Steinchen. Trotzdem drängten sie immer vorwärts, wie im Wasser so außerhalb desselben. Ich ergriff einige und schleuderte sie seitwärts. Sie quiekten und gaben Töne von sich, die an Katzenschrei erinnern, und suchten mit Eifer wieder an Wasser zu kommen über Gras und Steingeröll hinweg. Ich wählte sechs Stück von mehr als drei Fuß Länge, steckte sie in einen mit meinen Mantel improvisierten Sack, warf diesen auf mein Pferd und brachte sie so zu meinem drei Stunden entfernten Lagerzelt, während welcher Zeit sie fortfuhren, diese eigentümlichen Laute von sich zu'geben, .wie um die Wette. Nach dem dreistündigen Ritte waren sie nicht nur lebendig und munter, sondern sie lebten auch noch zwei volle Tage nachher. Der Letzte der überlebenden wurde wieder ins Wasser gelassen. Das Fleisch des Fisches, an Aal erinnernd, war überaus wohlschmeckend, wie kaum das eines andern Fisches des Sees Genesareth. Auch Dr. Lortert hat seinerseits bestätigt, daß diese Fische Laute von sich geben können." Unser deutsches „Stumm wie ein Fisch" hat also am See Genesareth keine Geltung. Auch von diesen obenerwähnten vier Fischarten befinden sich jetzt Exemplare in Spiritus im neuen Museum des St. Paulushospizes; selbst mehrere kleine Chromis Simonis, der Mundhöhle ihres Vaters entnommen, und dienen so zum Anschauungsunterricht der jungen Lehrerseminaristen sowie vieler Pilger und sonstigen Besucher des Hauses. NACHRICHTEN Ein neues jüdisches Theater in London Eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von zwölftausend Pfund wurde diese Woche in London unter dem Namen „The Feinman Yiddish People's Theatre Company" zur Errichtung eines Jüdischen Theaters in Whitechapel gegründet. Die Gründer beabsichtigen ein modernes Theater zu bauen, das allen Ansprüchen der Kunst genügen soll. Das Unternehmen erfreut sich großer Beliebtheit im Eastend. Personalnachricht Am 20. Juli feierte Gg. Herr Philipp Scherlag in Wien sein 25 jähriges Dienstjubiläum im Hause Lajos Kriser, wo er als Disponent tätig war. Dem Evidenzhaltungsgeometer bei der bosnischen Landesregierung, Gesinnungsgenossen Ingenieur Markus Riemer, A. H. der jüdisch akademischen Verbindung „Unitas" in Wien, wurde in Anerkennung besonderer Verdienste das goldene Verdienstkreuz verliehen. Ende Juni d. J. absolvierte die juristische Fakultät in Bern einer der zionistischen Akademiker, der junge jüdische Gelehrte Samuel Eisenstadt aus Borissof (Rußland) und erhielt den Doktortitel mit Auszeichnung („magna cum laude") für seine interessante wissenschaftliche Studie auf dem Gebiete des alten jüdischen Prozeßrechtes. Die Arbeit führt den Titel: „Das jüdische Prozeßrecht bis zum Abschluß des Talmuds", und ist der erste Versuch des jungen Gelehrten, die moderne historische Forschungsmethode in der Jurisprudenz auf das ältere jüdische

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