Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316435--53501-3347284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

No. 29 DIEE0&ELT 713 von jur. Alfred Loewenstein. Anfang Juli fand ein Vortrag des Herrn Dr. Samuel Schur aus Stanislau über das Thema: „Gegenwart und Zukunft des Zionismus" statt. Der Redner verstand es in meisterhafter Weise, die verschiedenen Stadien des Zionismus zu schildern und die Voraussetzungen darzulegen, unter denen der Zionismus in der Zukunft dauern wird. Seine Rede erntete stürmischen Beifal1. Am 13. Juli fand ein ungemein zahlreich besuchter Vortrag der Frau Rechtsanwalt Lachmann aus Königshütte über die Stellung der jüdischen Frau zum Judenelend statt. Die Dame, das rührigste Mitglied des Kurgastkomitees, wußte durch jhre zu Herzen gehenden Worte den anwesenden Frauen die Überzeugung beizubringen, daß auch die jüdische Frau am besten durch praktische zionistische Tätigkeit dem Judenelend begegnen kann. Eine nachher für die Zwecke des Kulturverbandes jüdischer Frauen vorgenommene Sammlung ergab über 100 Kr. Anschließend daran sprach Herr Dr. Spindl aus Lemberg, der derzeitige Obmann des Kurgastkomitees, dessen Ausführungen großen Eindruck auf die Versammlung machten. Das finanzielle Ergebnis der Veranstaltungen ist ein recht hübsches und wird verschiedenen zionistischen Institutionen zufließen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß sich die Zionisten jeden Mittwoch, 8 Uhr abends, im Restaurant Lincoln (Kirsch), Egerstraße, treffen und das Kurgastkomitee bei schönem Wetter vormittags zwischen 9 und 11 Uhr im Cafe Schönbrunn anzutreffen ist. Deutschland Bad Kissingen. Hier findet während der Saison im Cafe Neptun ein durch Herrn Bucksdorf-Berlin veranstalteter Verkauf von Bezalel-Gegenständen statt. England London. In der am Sonntag den 17. d. M. abgehaltenen Halbjahreskonferenz der English Zionist Pederation wurde die Resolution, welche die Auflösung der E. Z. F. vorschlug, mit 21 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Einige Mitglieder des Exekutiv-Komitees gaben ihre Demission. Bulgarien Varna. Der zionistische Turnerverband Bulgariens veranstaltete letzte Woche hier ein Schauturnen sowie eine Verbandskonferenz. Vom „Makkabi" in Konstantinopel beteiligte sich eine starke Abordnung an dem Turnfest. Rußland Ein „Feuerbuch44 zugunsten der jüdischen Abbrändler in Rußland Der bekannte Jargonschriftsteller Scholem-Aleichem(S. Rabbinowitz), der gegenwärtig in Badenweiler (Schwarz wald) zur Kur weilt, erläßt im „Hed Hasman" einen Aufruf an die jüdischen Schriftsteller, Journalisten, Zeichner und Komponisten Rußlands, in dem er folgende Aktion anregt: Es soll eine Sammelschrift in hebräischer, jüdischer und russischer Sprache mit Bilderschmuck und musikalischen Beiträgen herausgegeben werden, deren Ertrag zum Besten der von der Feuersbrunst heimgesuchten jüdischen Bevölkerung im Ansiedlungsrayon verwendet werden soll. Sämtliche literarischen, zeichnerischen und musikalischen Beiträge sollen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, desgleichen sollen jüdische Papierhändler das Papier umsonst liefern, und auch der Satz und Druck sowie die Buchbinderarbeiten usw. sollen ohne jedes Entgelt besorgt werden, so daß die Herstellung des „Feuerbuches" — diesen Namen schlägt Scholem-Aleichem für das geplante Sammelwerk vor — völlig kostenlos erfolgen würde. Die jüdischen Zeitungen sollen Gratisannoncen betreffs der Sammelschrift aufnehmen, die jüdischen Buchhändler den Vertrieb unentgeltlich übernehmen. Ein eigenes Redaktionskomitee, das selbstverständlich ebenfalls unentgeltlich mitwirkt, soll sich an sämtliche bekannten Schriftsteller und Künstler Rußlands — eventuell auch an nichtjüdische — um literarische Beiträge, Autogramme, Zeichnungen, Kompositionen usw. wenden und alle erforderlichen Vorarbeiten leisten. — Auf diesen Aufruf hin haben sich bereits die Hand- und Maschinensetzer des „Hed Hasman" bereit erklärt, zehn Bogen des.geplanten Feuerbuchs unentgeltlich zu setzen. Dumapräsident Gutschkow über die Judenfrage Der Präsident der Reichsduma Gutschkow, der auf der Durchreise nach Sofia zum Panslawistenkongreß Odessa passierte, empfing den Vertreter der „Odesskija Nowosty" und hatte mit ihm ein längeres Gespräch über die Judenfrage. Gutschkow sprach die Vermutung aus, daß die Gesetzesvorlage wegen Aufhebung des Ansiedlungsrayons von der Duma mit der Einsschränkung angenommen werden wird, daß den Juden das Wohnrecht in den Städten, keineswegs aber in den Dörfern eingeräumt wird. Bezüglich der jüdischen Schulnot erklärte Gutschkow offenherzig, daß er gegen die Aufhebung der Prozentnorm für jüdische Aspiranten ist, da in diesem Falle die Juden sehr bald die autochthonen Elemente aus den Schulen verdrängen würden. Hingegen ist Gutschkow für eine Vermehrung der staatlichen Schulen; dadurch würden sich auch der jüdischen Schuljugend neue Bildungsmöglichkeiten eröffnen. Gutschkow verwies schließlich auf die in den Kreisen der Rechten geplante Vorlage betreffs Schaffung einer speziellen Hochschule für die Juden, während die allgemeinen Hochschulen für sie ganz gesperrt werden sollen. Auf diese Welse würden die jüdischen Abiturienten Unterkunft finden und die russische Jugend vor dem „demoralisierenden politischen Einfluß der Juden" bewahrt bleiben. . . . Man sollte es gar nicht glauben, von welch zärtlicher Fürsorge für das Wohl der studierenden jüdischen Jugend die herrschenden Parteien in Rußland beseelt sind. Nun wollen sie sogar eine eigene jüdische Hochschule gründen. . . . Man darf der angekündigten Vorlage der Rechten mit einiger Spannung entgegensehen. Das fünfundzwanzigjährige Schriftstellerjubiläum Frugs Der bekannte russisch-jüdische Dichter Samuel Frug feiert in diesem Sommer sein 25-jähriges Schriftstellerjubiläum. Frug war einer der ersten Wortführer der jüdisch-nationalen Idee, die er dichterisch verherrlichte. Durch seine hervorragenden jüdischen Balladen und Legenden wie auch durch seine von edlem Pathos und poetischer Kraft getragenen Zionslieder hat sich Frug in weiten Volkskreisen eine außerordentliche Popularität erworben. Auch die russische Literaturgeschichte erkennt Frug als erstklassigen Dichter an. Frug hat auch in jüdischer Sprache viele hervorragende Gedichte geschrieben. Die jüdisch-literarischen Kreise in Rußland treffen Vorbereitungen, um die Jubiläumsfeier des beliebten Dichters in gebührender Weise zu begehen. Vor einigen Monaten hat sich Frug aus Gesundheitsrücksichten in Odessa, dessen mildes Klima ihm zuträglich ist, niedergelassen. Das Protokoll der russischen Rabbinerkonferenz Die von der Rabbinerkonferenz zur Abfassung des Protokolls ihrer Verhandlungen eingesetzte Kommission hat ihre Arbeit unter der Leitung des Rechtsanwalts Sliosberg bereits beendet und wird das Protokoll demnächst der Regierung zur Genehmigung unterbreiten. In dem Bericht an die Regierung wird insbesondere für diejenigen Beschlüsse die Genehmigung erbeten, die die Bildung autonomer jüdischer Gemeinden zum Gegenstande haben. Diese Gemeinden sollen die religiösen und humanitären Angelegenheiten ihrer Mitglieder selbständig regeln und insbesondere das Recht zur freien Rabbinerwahl haben. Bisher wurden bekanntlich die sogenannten „geistlichen" Rabbiner von der Regierung überhaupt nicht anerkannt, und die als offizielle Oberhäupter der jüdischen Bevölkerung geltenden Kronrabbiner bedurften der behördlichen Genehmigung. Palästina Der Empfang des Chacham Baschi Der Besuch Rabbi Haim Nahums hat sich zu einem bedeutsamen Ereignis für die palästinensische Judenheit gestaltet. Schon die Tatsache aliein, daß das offiziell anerkannte Oberhaupt der Juden des ganzen Reiches hier erschienen ist und auch seitens der Behörden mit allen gebührenden Ehren empfangen wurde, wodurch unser Ansehen bei der übrigen Bevölkerung beträchtlich stieg, wird allgemein hoch eingeschätzt. Die Freude über den Besuch des Chacham Baschi war aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.