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Die Welt · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Herz Jakobus Kann forderte in seinem Briefe die für praktische Arbeit sich interessierenden amerikanischen Zionisten zur Beisteuerung zu den agrikulturellen Unternehmungen in Palästina auf. Dr. Bodenheimer erinnert die Delegierten in seinem Briefe an das durch Herrn Hugo Kaufmann jüngst eingerichtete Nationalfonds- Bureau in Amerika. Nach der Verlesung dieser Schreiben wurde ein aus sechs Mitgliedern bestehendes „Kredentialkomitee" bestellt und nach Absingen der „Hatikwah" die Vormittagssitzung geschlossen. Zu Beginn der Nachmittagssitzung wird der Bericht des Kredentialkomitees und der Plan eines neuen Organisationsstatuts verlesen, der die zionistische Organisation in Amerika auf eine vollständig neue Basis zu stellen beantragt. Nach einer heftigen Diskussion wurde dieser neue Plan zum Beschluß erhoben. Lebhafte Debatte rief die Angelegenheit des offiziellen Organs der Federation „Dos Jiddische Volk" hervor, welches eine Subvention von 1000 Dollar beanspruchte und mehr Entgegenkommen seitens der leitenden Personen forderte. In eine jährliche Verpflichtung ließ sich die Federation nicht ein, bewilligte hingegen infolge einer mit Beifall aufgenommenen Rede des Herrn Joseph Barondess eine sofortige Geldsammlung, die nicht weniger als 800 Dollar zugunsten des „Jiddischen Volkes" ergab. Es wurde ein Resolutions- und ein Nominationskomitee gewählt, ersteres, um die der Konferenz vorgelegten Resolutionen zu prüfen, letzteres um die freigewordenen Stellen im Amtskörper der Federation mit neuen Kräften, eventuell mit den frühern besetzen zu lassen. Das Komitee zog sich zu einer geheimen Beratung zurück, deren Resultat die Mitteilung war, daß Präsident Dr. Friedenwald das Amt weiterbehalten wolle, jedoch mit der Voraussetzung, daß Herr Prof. Friedländer (New York) einen Sitz in der Exekutive behaupte. Abends fand eine sehr gut besuchte Massenversammlung im Lyceumtheater statt, bei we'cher Gelegenheit der City Mayor (Bürgermeister) von Pittsburg die Delegierten im Namen der Stadt freundlichst begrüßte. Den Vorsitz führte Herr Adolf Ed Iis, Schatzmeister von Pittsburg. Reden wurden gehalten von den Herren Joseph Barondess, Rabbiner Achinsky, Rabbiner Lichter und Rudolf Koffe. Die Versammlung nahm ein Begrüßungstelegramm des Herrn Samuel Strauß, Redakteurs des New Yorker „Globe", beifälligst auf. Zweiter Sitzungstag, 4. Juli. Der zweite Verhandlungstag verging mit Beratungen über die Nominationsfrage, die auf Grund der Weigerung Dr. Friedenwalds, die Präsidentschaft anzunehmen, eine förmliche Stockung und Störung der Konferenzarbeit zu verursachen drohte. Die Delegierten atmeten leichter auf, als sie erfuhren, daß Dr. Friedenwald Bedingungen stelle, aber doch sein Amt als Führer der Federation behalten wolle. Er verlangte nämlich den ob seiner für den Zionismus geleisteten Arbeit allgemein geschätzten Prof. Dr. Friedlander zu seinem Hauptberater. Die Konferenz willigte gern ein und dachte die Lösung der Präsidentenfrage hiermit gefunden zu haben. Dritter Sitzungstag, 5. Juli. Die Dienstagssitzung fing mit einer Beratung hinter geschlossenen Türen an. Es gab eine harte Nuß zu knacken: die Beilegung der Finanzplage, die seit Jahren im zionistischen Lager der „Federation of American Zionists" herrscht und den Gesinnungsgenossen so manche bittere Stunde bereitet hatte. Die Deckung des Defizits sofort bewerkstelligen zu können, schien eine Unmöglichkeit; hingegen gelang, es Wege zu finden, die einer eventuellen künftigen Finanzkrise vorbeugen können. Das Nominationskomitee schlug vor, daß es keinen besoldeten Sekretär, sondern vier Ehrensekretäre geben solle, die gemeinsam und unentgeltlich ihr Amt zu versehen und sämtliche Geschäfte der Federation zu leiten hätten. Bevor dieser Antrag zur Abstimmung gelangte, wurde eine Resolution angenommen, wonach sämtliche der Federation zufließenden Gelder mit Ausnahme der Schekolirn, durch das jüngst errichtete Nationalfondsbureau an die Hauptzentrale abzuliefern seien. Herr Hugo Kaufmann, der der Konferenz beiwohnte, machte hierzu einige erläuternde Bemerkungen. Herr Ab. Goldberg, Redakteur des „Jiddischen Volkes", beantragte, die Mitglieder der Exekutive größtenteils aus New Yorkern wählen zu wollen, da daselbst die Federation ihren Hauptsitz hat und bei den Beratungen die andern Mitglieder ohnehin nicht anwesend seien, infolgedessen auch nicht verantwortlich gemacht werden können; die nicht in New York ansässigen Mitglieder dürfen nur in dem Falle ihr Stimmrecht ausüben, wenn sie den Beratungen der Exekutive beiwohnen und ihren Standpunkt unmittelbar zu äußern imstande sind. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Am Nachmittag nahm die Konferenz die Wahlen vor. Präsident Dr. Friedenwald gab nach langem Zögern dem Willen der Majorität nach und nahm die Wahl zum Präsidenten der Federation mit der Zurückweisung jeder Verantwortlichkeit für eine eventuell gute oder schlechte Geschäftsführung im nächstfolgenden Jahre an. Dr. Magnes wurde zum zweitenmal als Vizepräsident gewählt. Ins Sekretariat wurden gewählt: Miß Henriette Szold, Sekretärin der „Jewish Publication Society", Dr. Ja sin, gewesener besoldeter Sekretär der Federation, Prof. Dr. Friedländer vom „Jewish Theological Seminary" und Herr L. Lipsky. In die Exekutive wurden gewählt: Herr Prof. Dr. Friedländer, Präsident, Dr. J. L. Magnes, M. Schalit, G. Boblik, Joseph Barondess, A.A. Lubarsky und W. Chase, sämtlich aus New York; Rev. Schaefer (Baltimore), Rev. Margolis (Cleveland), Dr. B. L. Gordon (Philadelphia), S. Goldman (St. Louis) u.a.m. Zum Schatzmeister der Federation wurde Herr Hermann Kohnheim, Schwager des Herrn Dr. Seh. Lewin, gewählt Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Delegierten den Antrag auf Erwählung des Herrn Cyrus Sulzberg er, des berühmten Philanthropen aus Philadelphia, zum Ehrenvizepräsidenten mit der Begründung zurückwiesen, daß er vermutlich Beziehungen zu der „Ito" unterhalte und demnach kein Zionist reinsten Wassers sein könne. Herr S. Frankel, der jiddische Agitator der Bewegung, wurde wiedergewählt, nachdem er erklärte, sich den Verfügungen der Exekutive unbedingt fügen zu wollen. Die Konferenz beschloß einstimmig, an die der Konferenz diesmal ferngebliebenen Führer der Federation, Herrn Prof. Dr. Gottheil und Dr. J. L. Magnes, ein Begrüßungsschreiben zu richten. Abends fand bei Anwesenheit eines die Halle bis fast zur Erdrückung füllenden Publikums eineTheateraufführung desNordauschen Stückes „Eine Ehrenfrage" statt. Vierter Sitzungstag, 6. Juli. Während die vorangegangenen Tage viele unerwartete Schwierigkeiten ans Tageslicht brachten, kann der letzte als der erfolgreichste und fruchtbarste Tag der Konferenz angesehen werden, insofern nämlich die an diesem Tage eingebrachten Resolutionen auch realisiert werden. Vor allem nahm die Konferenz eine gründliche Durchberatung des neuen Organisationsstatuts vor, das in den meisten Punkten angenommen wurde. Dem neuen Entwürfe gemäß wird jeder einem Vereine angehörende Zionist einen jährlichen Beitrag von 50 Cent als Kopfsteuer an die Federation zu entrichten haben. Jedweder Verein hat ferner über seine Tätigkeit der Federation einen monatlichen Bericht zugehen zu lassen, ein Beschluß, dessen Nichtbeachtung die Ausschließung des Vereins von der Federation zur Folge haben kann; der neue Statutenentwurf macht es schließlich Vereinigungen, die nicht direkt mit der Federation verbunden sind, aber auf dem Boden des Baseler Programms stehen, möglich, der jährlichen Konferenz beizuwohnen und Sitz und Stimme in derselben zu besitzen. Herr Zwi Cohen, Autor von „Der Spiegel von Palästina", der gegenwärtig in Amerika weilt und vom ungarischen Zionistenverein in New York ein Mandat für Pittsburg erhalten hatte, hielt eine begeisternde Ansprache. Er besprach in einem warmen Appell die Einrichtung der Landspende, der er viel Zeit widme und zu deren Durchführung er nach den Vereinigten Staaten delegiert worden sei. Es wurde nachher eine Resolution angenommen, in der der allgemeinen Zufriedenheit der Konvention über den bei der letzten Jahreskonferenz des A. C. in Berlin gestifteten Frieden Ausdruck verliehen wurde. Es wurde ein Komitee gewählt, das alle nötigen Vorbereitungen zu treffen hat, um die Ankunft des Präsidenten Wolffsohn, die im Herbst erfolgen soll, zu einer großen Manifestation für den Zionismus zu gestalten. Auf Antrag des Herrn Meyers (Boston) wurde beschlossen, eine spezielle Sammlung von Geldern zugunsten der Landspende anläßlich des 25jährigen Todestages von Moses Montefiore zu veranstalten, der, wie Redner betonte, als ein Champion des politischen Zionismus angesehen werden muß. Dr. Harry Frieden wald hielt vor Schluß der Jahreskonferenz eine mit Beifall aufgenommene Rede und dankte den wackern Pittsburger Zionskämpfern für das großartig durchgeführte Arrangement, das die Delegierten stets in dankbarer Erinnerung behalten würden. Unter Absingung der „Hatikwah" nahmen die Delegierten von einander Abschied. Österreich Karlsbad: Der Einzelverein Zion und das derzeitige äußerst rührige Kurgastkomitee entfalten seit Beginn der Saison eine rege zionistische Tätigkeit. Mitte Juni veranstaltete der Verein eine stark besuchte Herzlfeier, die einen sehr schönen Verlauf nahm. Die Rede hielt der Obmannstellvertreter des Vereins Herr Richard Steiner. Daran schlössen sich Vorlesungen aus Herzls Werken

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