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Die Welt · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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710 DIE^ lenken. Der nächste Kongreß wird unzweifelhaft die zukünftige Leitung auf Grund der Beschlüsse, die auf der Jahreskonferenz einstimmig von allen Vertretern der Bewegung, die an ihr teilgenommen haben, zusammenstellen. Die Vereine und alle Parteifunktionäre in den Orten können und müssen jetzt ihre ganze Energie auf die Stärkung der Organisation im Innern, auf die Vergrößerung der Zahl der organisierten Zionisten-Schekelzahler, auf die Verstärkung der Arbeit und Propaganda der Idee der Wiedergeburt in ihrer ganzen Größe unter den breiten Massen des jüdischen Volkes richten. Preßstimmen „Jewish Chronicle", London. Die Jahreskonferenz der zionistischen Organisation hat die Bewegung nicht weitergeführt. Es gab eine Menge Beteurungen der Ernsthaftigkeit. Aber dieser Eifer tat sich hauptsächlich kund in einer Reihe von Beschlüssen, die an der Konstitution herumfiickten. Wir haben diese Operation schon früher gehabt. . . . Die ganze Lage ist ungesund und unbefriedigend, und es ist nur ehrlich und liegt im Interesse der Bewegung, welche von weit größerer Bedeutung ist als die Organisation, die Tatsachen ins Auge zu fassen. Die Organisation hat vor einigen Jahren auf einem Kongreß beschlossen, mit der praktischen Arbeit in Palästina sofort zu beginnen. Die Schwierigkeiten der Lage haben vorläufig dieser Tätigkeit einen Riegel vorgeschoben; aber diese Tatsache wird nicht anerkannt, und statt dessen werden Führer, die ihr Äußerstes versuchen, getadelt. Selbst der Sitz der Organisation wird verdammt. Aber in Wirklichkeit sind es nicht diese Dinge, die in Betracht kommen, und wir bedauern aus dem Bericht über die Verhandlungen, wie er in dem offiziellen Organ der Bewegung erschienen ist, zu entnehmen, daß in der Konferenz niemand den Mut hatte, dies zu sagen. Die Moral daraus ist sonnenklar. Die Zionisten müssen ihre Energie der Erstarkung der Kräfte widmen, mit denen sie in den Kampf ziehen können. Sie müssen unter das Volk gehen und dort ihr Ideal vom jüdischen Nationalismus großzügig verbreiten und so Anhänger für ihre Sache gewinnen. Sie müssen so die Triebkraft erhalten, welche nötig ist, um solch einer Bewegung zum Erfolg zu verhelfen. Wenn die Zionisten so gerüstet sind, ihre Anzahl groß ist, wenn die Zionisten und ihre Anhänger einmütig an ihren großen Prinzipien festhalten, statt sich durch Kleinigkeiten zersplittern zu lassen, wird eine richtige Organisation schnell erstehen, und praktische Arbeit wird die Mittel finden, um Schwierigkeiten zu überwinden.... Menschen, nicht Maschinen, Kraft, nicht Herumorganisieren, sind die dringenden und unentbehrlichen Bedürfnisse des heutigen Zionismus. „Die Jüdische Gazette" (Newyork): Die Nachricht, daß die Führer der beiden kämpfenden Parteien Frieden geschlossen haben, wird von allen begrüßt werden, welche einen Erfolg der nationalen Bewegung wünschen. Der Friede in Berlin, wenn er ernst gemeint und durchgeführt worden ist, hat eine große Bedeutung für das ganze jüdische Volk. „Rasswjet" (Petersburg): Alle gewöhnlichen Arbeiten der letzten zionistischen Konferenz, alle ihre Beschlüsse über die Frage der Bewegung, -— all dies tritt zurück vor einem ihrer Resultate von besonderer Bedeutung. Die Konferenz brachte der Organisation den Frieden zurück und schuf auf diese Weise den Boden, auf welchem ein Forlsetzen der organischen Arbeit und ein Sammeln der Kräfte, die seit dem IX. Kongreß fast stillgestanden haben, möglich ist. In die Konferenz sind in dieser Beziehung große Hofnungen gesetzt worden; gerade hier, in der Versammlung unserer ältesten und verdienstvollsten Arbeiter, mußte am schnellsten die Notwendigkeit erkannt werden, dem Kongreßkampf ein Ende zu machen, der die ganze Zeit bis zum nächsten Kongreß auszufüllen drohte. Es mußte die Unmöglichkeit verstanden werden, der ganzen Partei die Funktion eines Kongreßpermanenzausschusses zu übertragen. Anderseits mußte man bedenken, daß gerade hier in der Sitzung der langjährigen Führer der Bewegung, die in alle Details ihres Mechanismus eingeweiht sind, die Dringlichkeit der radikalen Reformen in der Organisation unserer Zentren in der Richtung erkannt werde, die von der Minderheit des letzten Kongresses verteidigt wurde. Wenn die Konferenz — so schien es — unfähig sein wird, die Organisationskrisis zu lösen, so wird der X. Kongreß dazu noch weniger imstande sein, weil bis dahin der Kampf sich noch weiter verbreiten und die Situation sich noch mehr verschärfen wird. Die Wirklichkeit erfüllte die größten Hoffnungen..... „Jewish Express" (London): Die Jahreskonferenz hat in Frieden zwischen den beiden Parteien geendet, die sich vom Kongreß bis zur Konferenz herumgezankt hatten. Die offizielle Erklärung lautet: „Die Jahreskonferenz erklärt alle Mißverständnisse, welche in der Bewegung in letzter Zeit sich bemerkbar gemacht haben, für geklärt und behoben." Dies ist gewiß eine freudige Nachricht für jeden guten Zionisten, und wir wünschen, daß alle guten Zionisten :e|_t .. Np. 29 die Kriegswaffen begraben und anfangen mögen, in Einigkeit zusammenzuarbeiten. Als ein Beispiel der Friedfertigkeit kann uns am besten unser Präsident, Herr Wolffsohn, dienen. Er hat nicht darauf bestanden, daß gerade das beschlossen werde, was er wollte, obgleich er die Majorität auf seiner Seite hatte. Um des Friedens willen und im Interesse der Bewegung im allgemeinen hat er in fast allen Stücken der unzufriedenen und hartnäckigen Partei nachgegeben. Aber um des Friedens willen müssen wir auf zwei Unrichtigkeiten die Aufmerksamkeit lenken, in der Hoffnung, daß der Kongreß keinesfalls seine Zustimmung dazu geben wird. Schon in Berlin haben dreizehn Mitglieder eine Erklärung gegen den Punkt unterschrieben, daß der Präsident nicht vom Kongreß, sondern vom E. A. C. gewählt werden soll. Das ist keineswegs demokratisch und schwächt den Einfluß des Präsidenten sowohl nach innen als auch nach außen. Der Kongreß soll feierlich den Führer der Bewegung wählen, und nicht die drei oder fünf oder sieben Mitglieder des E. A. C. Der zweite Mißstand ist der, daß im E. A. C. alle Strömungen vertreten sein sollen. Wenn alle Strömungen im E. A. C. vertreten sein sollen, so muß es so groß sein wie der Kongreß selbst, da jeder Jude eine besondere Welt mit besondern Strömungen bildet. Wenigstens müßte das E. A. C. aus einem politischen Zionisten, einem praktischen, einem kulturellen, einem Misrachi, einem Poale-Zionisten und einem Kapitalisten (Bankpräsidenten) bestehen. Kann ein Komitee, aus solchen heterogenen Elementen zusammengesetzt, existieren? Kann es etwas leisten? Unserer Meinung nach ist das total unmöglich. Wir hoffen, daß der Kongreß diese beiden unrichtigen Punkte nicht annehmen wird. Die europäische und amerikanische Presse In der großen europäischen Presse hat die Berliner Jahreskonferenz lebhafte und objektive Beachtung gefunden, wie denn überhaupt die Totschweigetaktik, welche auf die Einflußnahme der Assimilation zurückzuführen war, im Schwinden begriffen ist. Die „Times", „Morning Post'*, der „Manchester Guardian", — um einige englische Blätter zu nennen, — haben über die Jahreskonferenz referiert, ebenso wie von holländischen Organen u. a. „De Nieuwe Courant", „De Telegraaf". Auch die österreichische Presse deutscher Zunge, sowie viele amerikanische und schweizerische Zeitungen haben Berichte veröffentlicht. Posen. In der Ortsgruppen-Versammlung am 9. Juli sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Köllen scher über „die Jahres konferenz". Wenn auch an sich eine Einigung der beiden Parteien im Zionismus durchaus wünschenswert sei, so könne das vorliegende Ergebnis dieser Bestrebungen nicht befriedigen. Es sei durchaus ungewöhnlich, daß die Einigung in der Weise erfolge, daß die Majorität alle Forderungen der Minorität, lediglich um des lieben Friedens willen, erfülle. Die sachlichen Bedenken gegen die Forderungen der Minorität seien durchaus nicht beseitigt. Ein starkes Präsidium sei heute nötiger denn je. Statt dessen würden die Einigungsbeschlüsse die Wirkung haben, die Macht des Präsidiums in bedenklicher Weise zu schwächen und durch ein einem unbegreiflichen Mißtrauen entspringendes Maß von Aufsichtsinstanzen seine Aktionsfähigkeit zu hemmen. Besonders verwerflich sei natürlich der Vorschlag, den Präsidenten nicht vom Kongreß, sondern vorn Aktionskomitee wählen zu lassen, da dies eine Abkehr vom demokratischen Prinzip bedeute und die Autorität des Präsidenten schwächen müsse. An die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen knüpfte sich eine Diskussion, ander sich die Henen LehrerGuttmann, Dr. Jeremias, Kareski und Dr. Manasse beteiligten und die deren vollkommene Übereinstimmung mit dem Referenten ergab. Die 13. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten (Von unserm Berichterstatter) Pittsburg, am 2. Juli. Die Konvention soll am 3. Juli ihren Anfang nehmen, aber schon gestern wimmelte es in allen Synagogen des Judenviertels von Delegierten, die aus weiter Ferne, wie Texas usw., nach Pittsburg gekommen sind. Die Delegierten aus den zum Staate Pennsylvania näher gelegenen Gegenden werden erst Samstag abends hier erwartet. Einen großartigen Anblick bietet die Dekorierung der Stadt mit weiß-blauen Fahnen. Herzlbilder in den Fenstern jüdischer Häuser, zionistische Fahnen auf allen öffentlichen jüdischen Instituten Pittsburgs, laute Debatten in den Ghettostraßen künden die Feier des Tages. Heute wurde

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