Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 29 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Safed 3× ep/1046078
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No/29 DIE^ELT 707 und den gottbegnadeten, — in unserer Literatur leider nicht genug gewürdigten, — von lurjanischem Geiste angewehten, später in Damaskus blühenden Dicher Israel Nagarah, wie sie unter Anführung Jzchak Lurjas, in weißes Gewand gehüllt, am Freitagnachmittag verzückt und verträumt in die Gärten Safeds wallen, um im Glänze der untergehenden Sonne, von Blüten und Blumenduft berauscht, wie liebestrunkene Freier die heißersehnte Braut, — die Königin Sabbat zu erwarten, in deren Armen die Leiden und Trübsale des schmerzensreichen Judenlebens vergessen werden. Nur wer in seinem Elternhause die Ruhe und den heiligen Frieden der Sabbatweihe mitempfunden, der versteht sie und beneidet sie, jene großen glücklichen Schwärmer. Auch einen persönlich wohlbekannten Freund traf ich auf dem Friedhofe zu Safed — meinen alten hochverehrten Talmudlehrer Rabbi Josef Müller aus Narol. In meiner Jugend während der langen Winternächte nach Beendigung des Talmudpensums erzählte er mir vom hohen Glücke jener, die im Lande der Väter leben und in seiner Erde ruhen. „Wohl dem, dem das zuteil wird" — sagte er stets wie verzagt — „alle Juden wünschen es, aber wenige sind dessen würdig." Schon sind sechs Jahre verstrichen, seitdem er mir glückstrahlend zurief: „Ich fahre dorthin, wohin unser ganzes Volk einst kommen wird. Auf Wiedersehn in Erez Israel!" Ich sah ihn nicht wieder, aber sein ewiges Heim suchte ich und fand es in Safed. Mir scheint, ich höre ihn jauchzen im Grabe. Sein heiß ersehnter Wunsch ist erfüllt. Nicht jedem ist es gegönnt, im Lande der Väter zu ruhen! Er aber schlummert sanft in geweihter Erde, des großen Weckens harrend. . . . Nicht weit vom Friedhofe liegt die schöne, sagenumwobene Synagoge R. Izchak Lurjas. In dieser Synagoge sollen auf Einladung Lurjas die Patriarchen Abraham, Izchak und Jakob wie die Könige David und Salomo gebetet haben und von ihm zur Thora aufgerufen worden sein. Die Nische, in der Lurja gebetet, und zu der der Zutritt durch einen Stein versperrt ist, wird noch heute gezeigt- Das Mauerwerk dieser Synagoge ist wie das fast aller übrigen Synagogen (darunter die angeblich Rabbi Izchak Abuhabs) zum großen Teil in neuerer Zeit (18. und 19. Jahrhundert) hergestellt, nachdem sie unter dem Erdbeben stark mitgenommen worden sind. Wieder führt der Weg durch ärmliche, schmutzige Straßen in die übrigen Bethäuser wie Talmudschulen, die mit Ausnahme der wie überall in französisch-assimilatorischem Geiste geführten unbeliebten . Allianceschule die Stätte der Jugenderziehung bilden Trostlos wie das Innenbild Safeds ist die Zukunft der talmudbeflissenen Jünger, die außer talmudischer Disziplin gar keinen profanen oder gewerblichen Unterricht genießen. Die Zukunft eines Chalukahnehmers oder im besten Falle eines ärmlichen Kleinkrämers winkt dieser Jugend, die unter andern Verhältnissen doch so viel zur Verwirklichung unserer Träume beitragen könnte. . . . Ebenso erschütternd ist das Bild des Heimes, in dem die lebensmüden Greise und Greisinnen ruhig ihre Tage beschließen sollen. Durch ungenügende Hilfsquellen leiden diese Ärmsten unter den Armen Not und nicht selten Hunger. Erfreuend wirkt der prächtige, von der Ferne sich erhebende Neubau, das ist das vom edlen Baron Rothschild erbaute neue Hospital, durch dessen Fertigstellung einem großen Bedürfnis in Safed wie in den benachbarten Kolonien abgeholfen wird. Schnell verrinnt uns die Zeit. Schon müssen wir aufbrechen, da wir noch ein gutes Stück nach Rosch Pinah haben, wo wir noch heute zu einer Hochzeit erwartet werden. Wieder führt der Weg auf den Berg. Das wirkliche, armselige Safed entzieht sich allmählich unsern Blicken, und wieder erscheint es uns in seiner herrlichen Lage, in saftigem Grün und duftender Gartenpracht gebettet, von herrlichen Tälern und vergoldeten Bergen umgeben. Im Hintergrunde das wunderschöne, malerisch gelegene Ein Seitun, das einst eine blühende Judengemeinde und Gelehrte besaß. Im raschen Tempo geht's nun den Berg hinab, in kaum einer Stunde sind wir in Rosch Pinah. o o o o o o o /?=—— - 1 O 0 o o o o o )) AUS DER BEWEGUNG _f d o o o o o o o —O o o o o o o o Eine Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit Von Anfang an wird in unsern Reihen immer wieder die Klage laut, daß die jüdische Frau einen zu geringen Anteil an der nationalen Befreiungsarbeit nehme. Immer aufs neue ergehen tönende Mahn- und Weckrufe an die Töchter Judas, die sich endlich aufraffen sollen, um an der Seite ihrer Brüder für die Sache ihres Volkes zu kämpfen. Fragen wir uns aber, ob wir denn alles versucht haben, was dazu angetan war, um die jüdische Frau für unsere Arbeit heranzuziehen, uns ihre Kräfte nutzbar zu machen und ihr ein Arbeitsfeld einzuräumen, auf dem sie sich, ihrer natürlichen Veranlagung und Neigung entsprechend, betätigen könnte, so müssen wir gestehen, daß wir hier viel versäumt haben. Das ist aber noch nachzuholen! In dieser Erkenntnis hat das Zentralbureau nunmehr die systematische Bearbeitung dieses zukunftsreichen Gebietes aufgenommen. Es hat sich zunächst an die bestehenden zionistischen Frauenvereine sowie an die in der Bewegung arbeitenden Frauen in einigen Ländern gewandt, um einen Überblick über das schon Geschaffene zu gewinnen und das Urteil der zunächst Beteiligten kennen zu lernen. Dabei hat es sich ergeben, daß die Initiative des Zentralbureaus von vielen Seiten freudig begrüßt wurde. Anderseits wurde hier und dort der Wert der zu beginnenden Arbeit bezweifelt. Dieses abfällige Urteil stützte sich auf die irrige Voraussetzung, daß es sich darum handelte, die zionistischen Frauen in einer gesonderten Organisation zusammenzufassen. Es entspricht dies aber durchaus nicht den Absichten des Zentralbureaus. Dasselbe ist nur bestrebt, vorläufig den schon bestehenden Frauen vereinen neue Anregungen für ihre Arbeit zu geben, ihnen eine fruchtbringende und anregende Fühlungnahme unter einander zu ermöglichen und dort, wo die Frauen bis jetzt noch abseits stehen, sie zu der Arbeit heranzuziehen und ihnen Gebiete zu zeigen, auf denen sie sich nützlich betätigen können. Zu diesem Zwecke hat das Zentralbureau eine „Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit" geschaffen, welche zunächst als Auskunftsstelle für die zionistischen Frauenvereine und für die einzelnen Frauen funktionieren soll. Vereine und Einzelpersonen, welche sich für die zionistische Frauenarbeit interessieren, mögen sich von heute ab an diese Zentralstelle (Karolingerring 31, Köln) wenden. Zur Jahreskonferenz Ein Zirkular des Zentralkomitees der russischen Zionisten Das Zentralkomitee der zionistischen Organisation in Rußland versendet folgendes Zirkular: Seit dem IX. Kongreß bildete die Frage der Leitung und der damit zusammenhängenden Tätigkeit in Konstantinopel und Palästina den Kardinalpunkt der Sorgen des Zentralkomitees. Das vom Kongreß festgesetzte Provisorium konnte den auf dem Kongreß begonnenen Kampf nicht beilegen. Das Zentralkomitee glaubte sich ausschließlich mit den innern Angelegenheiten der Organisation in Rußland beschäftigen zu sollen, nachdem es in seinem ersten Zirkular unsere Kongreßforderungen und die von uns in der Frage der Leitung 2*