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Die Welt · 1910-07-15 · 28 (15.7.1910) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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690 DIEE0KELT No. 28 und Dr. I. L. Lurje. Barkai will von Palästina aus auf die gesamten Zweige der Literatur einwirken und zu diesem Zwecke Zeitschriften und Bücher aus verschiedenen Gebieten herausgeben. Die pekuniären Mittel sucht er durch den Absatz von Anteilscheinen für je 100 Frcs. zu gewinnen. Der Verlag „Jeffeth" hingegen hat «in beschränktes Ziel. Er hat sich zur Aufgabe gestellt, klassische Bücher der Weltliteratur ins Hebräische zu übersetzen. In erster Reihe sollen die geistigen Bedürfnisse der erwachsenen Schuljugend und der Sefafdim berücksichtigt werden. In nächster Zäit werden Bücher von Goethe, Lermontoff, Tolstoj, Hauptmann, Björnson* Emerson, Chamisso, Lagerlöff u. a. in der Übertragung von M. Wilkansky, A. S. Rabinowitz, D. Schirnonowitz, I. Ch. Brenner, Sch. J. Agnon, R. Benjamin u. a. erscheinen. Die pekuniären Mittel des Verlags setzen sich zusammen aus einmaligen Beiträgen von 100 Frcs. und aus jährlichen Mitgliedsbeiträgen von mindestens 10 Frcs. Mitglieder erhalten die Bücher des Verlags gratis. Den Vorstand des Verlags „Jeffeth" bilden J. Feldmann, A. S. Rabino wit und Dr. J. Thon.- NACHRICHTEN Die Entfernung eines Pogrombildes aus dem Münchener Glaspalast Eine Maßnahme der Direktion des Münchener Glaspalastes wird in den München er Künstlerkreisen lebhaft besprochen: Die Direktion des Glaspalastes ließ nämlich am 27. v. M. dem polnischen Maler Fabiansky die Aufforderung zugehen, er möchte sein großes Gemälde „Aus dem Reiche des Zaren", das bisher unbeanstandet in der Münchener Ausstellung hing, sofort entfernen, weil das Gemälde politisch-tendenziösen Charakter trage. Diese Maßnahme erfolgte auf Einsprache von russischer diplomatischer Seite. Das Gemälde stellt den Pogrom in Kiew aus dem Jahre 1905 dar. In wirrem Durcheinander liegen vor einem Spital getötete Männer, Frauen und Kinder, mit grausen Wunden bedeckt. An der Wand eines Hauses sieht man ein Plakat, welches das eben erlassene Manifest des Zaren über die Konstitution enthält. Hierin, so heißt es, sahen russische Kreise die Tendenz, glauben zu machen, daß der Zar die Gemetzel billige und begünstige. Fabiansky beabsichtigt, gegen die Verfügung der Direktion des Glaspalastes Protest einzulegen, weil sich die Direktion von Erwägungen unkünstlerischer Natur habe leiten lassen. Fabiansky, der ein Jahr lang an dem Gemälde arbeitete, hat in den letzten Tagen bereits Kaufangebote auf das Bild erhalten. Hierzu wird uns aus München noch weiter berichtet: Der Kunststreit um das Fabianskysche Bild, das die Judenmetzeleien in Kiew darstellt, wird voraussichtlich den Rücktritt einiger Vorstandsmitglieder und einiger Mitglieder der Jury in der Münchener Ausstellung im Glaspalast zur Folge haben. Die Münchener Künstler sind über die Nachgiebigkeit gegenüber dem Terrorismus und der russischen Schnüffelei auf deutschem Boden sehr erregt. Die Jury erklärte, sie habe in dem Bilde keine Beleidigung des Zaren erblickt, sondern ein vollkommenes Kunstwerk. Hilfsverein der Deutschen Juden Am 22. Juni fand in Berlin unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Mit großer Genugtuung nahm der Ausschuß von der Mitteilung des Vorsitzenden Kenntnis, daß dem Hilfsverein der Deutschen Juden im Laufe der letzten neun Monate für die Hauptgebiete seiner Tätigkeit erhebliche Mittel zugeflossen seien. Jedoch reichen diese Mittel noch immer nicht für die großen Aufgaben, die der Hilfsverein im Jahre 1910 zu erfüllen hat, und die wiederum eine halbe Million Mark erfordern dürften. Zugunsten der russischen Juden, deren Lage immer trauriger und trauriger wird, sind rund Mk. 120 000 eingegangen. Außerdem erhielt der Verein von vier hochherzigen Spendern Mk. 80 000, und zwar von den Erben der Frau Adelheid Bleichröder Mk. 30 000, aus dem Nachlasse der Frau Kommerzienrat Cäsar Wollheim Mk. 10 000. Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins, der unermüdliche, tatkräftige Förderer seiner Bestrebungen, machte zum Andenken an seine verewigte Gattin eine Stiftung von Mk. 10 000 zur Verwendung für arme russische Juden. Ein anderes Vorstandsmitglied stellte dem Verein Mk. 30 000 zum weitern Ausbau seines Schulwerks in Jerusalem zur Verfügung. Aus den Bewilligungen des Vereins sei hervorgehoben, daß für drei von Brandkatastrophen heimgesuchte russische Orte gemeinsam mit dem Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. Mk. 3750 angewiesen wurden. Die Ausgaben für das Hilfswerk in Rußland und die Tätigkeit auf dem Gebiete der Auswanderung betragen im ersten Halbjahr 1910 bereits über Mk. 130 000, die Ausgaben für das Schulwerk bisher über Mk. 100000. Verein für Statistik der Juden Dem Verein für Statistik der Juden ist eine bemerkenswerte Förderung zuteil geworden. Der vor wenigen Jahren verstorbene Professor an der Universität zu Berlin, Dr. Wilhelm Meyerhof f er, hat in seinem Testament einen Betrag von 20000 Francs für jüdischstatistische Arbeiten hinterlassen, mit "dem Wunsche, daß der Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausgetretenen Familien besondere Aufmerksamkeit zugewendet werde. Im Sinne des Testators, der zu den ersten Mitgliedern und eifrigen Förderern des „Vereins für Statistik der Juden" gehört hatte, hat nun seine Witwe, Frau Prof. Maria Meyerhoffer geb. Bachrach das genannte Kapital als Prof. Wilhelm Meyerhoff er-Stiftung auf Grund einer besondern Satzung dem Verein f. St. d. J. zur Verfügung gestellt. Wie die Familie des Stifters dem Kuratorium des Vereins mitteilte, hat der Verstorbene durch die Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausscheidenden Familien nicht nur die Schaffung eines wirksamen Mittels gegen die Taufbewegung bezweckt. Er wollte vielmehr auch festgestellt sehen, inwieweit jüdische Familien nach ihrem Austritt aus dem Judentum sich rassenrein erhalten, inwieweit sie sich mit andern Völkern vermischen und wie sie sich in intellektueller und ethischer Beziehung entwickeln. Prof. Meyerhoffer war der Überzeugung, derartige Studien würden den Nachweis erbringen, daß die oft gehörte Behauptung von dem zersetzenden Einfluß des jüdischen Blutes und der jüdischen Rasse unbegründet sei. Zahlreiche ehemals jüdische Familien hätten in verschiedenen Ländern hervorragende Stellungen eingenommen und auf mannigfachen Gebieten ihrem Geburtsstande und der Menschheit große Dienste geleistet. Was der Stifter beleuchtet sehen wollte, war das Marannenproblem in physiologischer und kultureller Hinsicht. Prof. Meyerhoffer erachtete dieses Problem als wissenschaftlich so interessant und praktisch so bedeutungsvoll, daß er annahm, sein Beispiel würde Nachahmung finden und der von ihm gestiftete Fonds durch Spenden anderer Glaubensgenossen erhöht werden. Doch sollen die Zinsen der Prof. Meyerhoffer-Stiftung auch andern jüdisch-statistischen Arbeiten zugute kommen. Auch in dieser Hinsicht dürfte die letztwillige Verfügung des verstorbenen Gelehrten vorbildlich wirken. Die Kosten des von dem Verein begründeten Bureaus für Statistik der Juden werden gegenwärtig fast ausschließlich durch Jahressubventionen einer Reihe jüdischer Gemeinden und Wohlfahrtsorganisationen gedeckt. Das Budget des Bureaus ist infolgedessen ein so beschränktes, daß größere Originalerhebungen, insbesondere in den Ländern, die keine staatliche Statistik besitzen, vorläufig undurchführbar sind. Bei der grundlegenden Bedeutung der statistischen Erforschung der jüdischen Bevölkerung für alle sozialen Abhilfsaktionen eröffnet sich hier für eine einsichtsvolle, moderne Privatwohltätigkeit ein dankbares Feld. Es ist zu hoffen, daß nach dem Vorgange von Prof. Dr. Meyerhoffer auch andere wohlhabende Juden größere Fonds für jüdisch-statistische Arbeiten stiften werden. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Am 30. Juni fand in Berlin eine Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Der geschäftsführende Vorsitzende, Prof. Dr. Martin Phillippson, war in der Lage, eine Reihe wichtiger und erfreulicher Mitteilungen machen zu können. Die Zahl der Mitglieder sei im abgelaufenen Halbjahre um abermals 100 gewachsen; den Mitgliedern sei, soweit sie es gewünscht hätten, der zweite Band der gesammelten Schriften David Kaufmanns zugestellt worden; von Steinthals Aufsätzen „Ober Juden und Judentum" sei eine neue Auflage erschienen; das Erscheinen der ersten beiden Bände des umfassenden Werkes über die „Talmudische Archäologie" von Prof. Dr. Krauß-Wien sei im Herbste dieses Jahres bestimmt zu erwarten. Ferner seien der Gesellschaft von mehreren Gönnern der jüdischen Wissenschaft, von Frau Marie Errera in Brüssel 4000^, von Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel, Baron Edmund von Rothschild in Paris als erste Rate für die Mischnaausgabe des Corpus Tannaiticum je 5000 Ji zur Verfügung gestellt worden. Bei der Beratung über die wissenschaftlichen Arbeiten der Gesellschaft legte Herr Dr. Baneth einige Probeseiten der beabsichtigten Michnaausgabe vor, die den Beweis lieferten, daß dieses bedeutsame Unternehmen nunmehr aus

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