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Die Welt · 1910-07-15 · 28 (15.7.1910) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 28 DIE2^ELT 683 fr (f o yi_ ----Q FEUILLETON □ □□□□□ Ii o -0 o WIENER KUNSTBRIEF Von Dr. Oskar Rosenfeld II. heitlichkeit führt von einem zum andern, und die Grenzen seiner In den stilvollen Räumen der Sezession ist jetzt Otto Friedrichs Kunst werden nicht von der Beschränkung der geistigen und male- Kollektivausstellung zu sehen, weniger bezeichnend für den Geist der rischen Mittel gezogen, sondern von einer in der Natur des Künst- Leitung des Künstlerbundes als für die Entwicklung des Wiener lers schaffenden Einsicht. Kunstgeschmacks, der in den letzten zehn Jahren den abenteuer- Spät genug ist Otto Friedrich in Wien gewürdigt worden lichsten Schwankungen unterworfen war. Spaltung folgte auf Spaltung, und die Richtung jüngsten Datums wurde von einem Programm verworfen, das seine Lebensfähigkeit noch nicht einmal auf dem Papier bewiesen hatte. Merkwürdig genug, daß unter den vielen Neuerern der Wiener Sezession sich verhältnismäßig wenig Künstler jüdischer Rasse befanden. Otto Friedrichs Kunstgeschmack entsprangdem gesunden Instinkt eines denkenden und darum nach keiner Richtung hin exaltierten Menschen. Wer sein Werk als Ganzes betrachtet, dem fällt vor allem die sichere Harmonie seiner Form¬ und Farbenempfindung auf, das beste Kennzeichen eines Künstlers, der sich seines Weges bewußt ist. Daß seine Bilder jedes Inhalts entbehren, der sich durch Worte wiedergeben ließe, befremdet nur den Laien und den Anekdotensucher. Der Kenner findet sie um so tiefer. Trotz des Raffinements in der Behandlung der Ton werte und des Bildausschnittes wirken Friedrichs Porträts wie die Schöpfungen einer plötzlichen Eingebung, in sich abgeschlossen und vollendet. Diese innere Harmonie besitzen auch die Landschaften und Gruppenbilder in hohem Maße. Es würde unsere Kenntnis von der Individualität Friedrichs nicht erweitern, wollte ich auf die einzelnen Werke näher eingehen. Ein dunkler Strom kaum merkbarer Ein- Lazar Kr est in: Musikunterricht. Um so reicher und zahlreicher werden nun dem bescheidenen Manne die längst verdienten Ehren zufallen. Viel bunter, mannigfaltiger und darum abwechslungsreicher spiegelt sich Emil Orliks Physiognomie. Obwohl seine Ausstellung im Hellerschen Kunstsalon am Bauernmarkt nur einen kleinen Teil seiner Schöpfungen vereinigt, überrascht er dennoch durch die Vielseitigkeit des Stoffes und der Technik. Unter den gegenwärtig lebenden Künstlern gibt es wenige, die an die Schaffensfreudigkeit Orliks heranreichen, wenige, deren Stoffgebiet ein so weites Feld umfaßt. Seitdem Orlik am Berliner Kunstgewerbemuseum eine leitende Stelle innehat, ist seine Tätigkeit umfangreicher, sein Stil klarer, sein künstlerischer Ausdruck prägnanter geworden. Voriges Jahr hatten wir Gelegenheit, seine dekorativen Panneaus in der Wiener Kunstschau zu bewundern; bei Heller zeigt er sich uns (nebst einigen Reminiszenzen an seine japanische Studienreise) mehr von der zeichnerischen Seite. Es ist wertvoll zu beobachten, daß er trotz der Beschäftigung mit kunstgewerblichen Entwürfen, die doch für die praktische Verwertung bestimmt sind, nichts an Frische und Unmittelbarkeit eingebüßt hat. Unter den zahlreichen Porträtradierungen findet sich 9*

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