Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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680 DIE^ELT No. 28 gründet«; Hoffnung vorhanden, daß wir dank diesem Kredit, in nicht zu feiner Zeit mit der Parzellierung neuer Grundstücke und Schaffung neuer Siedlungen auf geschäftlicher Basis werden beginnen können. Damit wir indes diesen Kredit gehörig ausnutzen und weitere Kredite erlangen können, müssen wir unser eigenes Kapital, das trotz der jüngsten Erfolge noch immer recht gering ist, wesentlich vermehren, und wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Gesinnungsgenossen in sämtlichen Ländern uns hierbei von jetzt ab tatkräftiger als bisher unterstützen werden. Wie aus dem Meinungsaustausch, der aus Anlaß des Vorschlages des Herrn Dr. Amn Sandler wegen der Einführung des Kolonialfouds in der Parteipresse erfolgt ist, hervorgeht, ist der Widerstand gegen die P. L. 1). C. geschwunden, und es ist für uns gewiß eine besondere Genugtuung, festzustellen, daß die P. L. D. C. heute prinzipielle Gegner nicht mehr hat. Immobiliengesellschaft „Palästina". Neben der Fortsetzung der Kapital Werbung für die P. L. D. C. haben wir uns bemüht, die von uns in Angriff genommene Immobiliengesellschaft „Palästina" zustande zu bringen. Die rechtliche Konstituierung dieser Gesellschaft wird endlich am 29. d. Mts. als G. m. b. H. mit dein Sitz in Berlin erfolgen, nachdem bereits 58000 Jl in bar hierfür eingegangen sind. Wir hoffen, daß sich dieses Unternehmen zu einem lukrativen entwickeln und seinen Teilnehmern gute Dividenden bringen wird. Palästina-Industriesyndikat. Das Industriesyndikat, dessen Geschüft«» von unserm vereinigten Palästinabureau geleitet werden, hat sich im verflossenen Jahre auf die Pachtung der heißen Quellen, auf die Beteiligung an einer vorläufig noch kleinen Zementziegelfabrik und auf die Gründung eines chemischen Studiensyndikats in Palästina beschränken müssen. Das Studiensyndikat, wurde hauptsächlich zu dem 55weck der Herstellung guten Tafelöls sowie der Fabrikation ätherischer Öle aus den in Palästina wachsenden Blumen ins Leben gerufen, und ein Chemiker wurde nach Palästina entsandt, der bereits ein Laboratorium in Jaffa eingerichtet hat. Wie uns vor kurzem berichtet wurde, hat dieses Laboratorium auch bereits einige größere Aufträge von dritten Personen erhalten. Was den Hauptzweck des Indnstriesyndikats, nämlich die Erwerbung und Verwertung von Konzessionen, anbelangt, so müssen wir leider damit warten, bis das türkische Parlament das Konzessionswesen auf gesetzlichem t Wege gerogelt haben wird. Plantagengesellschaft. Eine von mehreren hauptsächlich russischen Kapitalisten begründete Plantagengesellssliaft dürfte gleichfalls in aller Kürze ihn? rechtliche Konstituierimg finden, lieber die Tätigkeit dieser sehr jungen Gesellschaft läßt sich vorläufig natürlich noch nicht viel sagen. Es ist anzunehmen, dal.i sich dieses Unternehmen bei umsichtiger Führung günstig entwickeln und auch andere Kapitalisten veranlassen wird, ähnliche Gesellschaften ins Leben zu rufen. Verein Ölbaumspende. Bis Mitte April dieses Jahres haben wir auch die Geschäfte des von uns begründeten Vereins 01baumspende geführt, und nachdem wir die Bilanz des Vereins per 1. April lOlü festgestellt haben, übergaben wir die Buchführung und die Kassengebarung dein Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln. Jewish Agricultural Experiment Station. Das bei weitem erfreulichste Ergebnis der Berichtsperiode war die finanzielle Sicherstellung der landwirtschaftlichen Versuchsstation, deren Gründung die zionistische Konnnission zur Erforschung Palästinas vorbereitet hat, und die jetzt, nachdem sie als eine amerikanische Gesellschaft eingetragen ist, den Namen „Jewish Agricultural Experiment Station" führt. Die amerikanisch-jüdischen Philanthropen, die die Finanzierung dieses für die landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas so außerordentlich wichtigen Instituts übernommen haben, sind dos Dankes aller Palästinafrounde sicher. Der Direetor managing der Station, Herr Agronom A. Aaronsohn, befindet sich bereits auf dem Wege nach Palästina und dürfte noch in diesem Monat seine Tätigkeit beginnen. Hygienisches Institut. Unser Bureau hat während der Berichtsperiode die schriftlichen Arbeiten für die zur Gründung des hygienischen Instituts in Palästinn eingesetzte Kommission erledigt, und nachdem die Vorarbeiten dieser Kommission weiter vorgeschritten sein werden, wird diese Kominission wahrscheinlich ein eigenes Sekretariat einsetzen. Wie unsere Gesinnungsgenosse]; aus den in der .Presse veröffentlichten Berichten ersehen haben werden, sehreiten die Vorarbeiten der Kominission vorwärts. Ob es gelingen wird, dieses Institut auf dem Wege 1; leine)- Sammlungen finanziell sicherzustellen, erscheint uns .-ehr fraglich. Wir glauben aber, daß, falls dieser Weg sieb nicht als gangbar erweisen sollte, es bei planmäßigem Vorgehen uns wahrscheinlich gelingen dürfte, jüdische Philanthropen für diesen so äußerst wichtigen Zweck zu gewinnen. Hebräische Wandkarte. Die vom Palästinaressort in Gemeinschaft mit dem Odessaer Palästinakomitee herauszugebende hebräische Wandkarte wird hoffentlich bald erscheinen können, nachdem die Vorarbeiten, wie uns vor kurzem aus Palästina berichtet wurde, demnächst ihre Beendigung gefunden haben werden. Kulturfonds. Wie aus der Bilanz des Kulturfonds hervorgeht, haben sich die Einnahmen dieses Fonds im letzten Jahre nur um einen geringen Betrag vermehrt, was darauf zurückzuführen ist, daß es unserm vereinigten Palästinabureau mit Rücksicht auf unser sehr beschränktes Personal nicht möglich ist, sich auch mit der Propaganda für diesen Fonds zu befassen, während unser Vorschlag betreffs der Einsetzung einer besondern Propagandakomniission für diesen Fonds vorläufig noch keine Genehmigung seitens des A. C. gefunden hat. Außerdem möchten wir noch der Jahreskonferenz die uns vom Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und von dem ehrenamtlichen Geschäftsführer des Vereins Bezalel, Herrn Bertrand Hamburg, zugegangenen Berichte unterbreiten. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Am 5. Januar dieses Jahres hat die Generalversammlung des Verbandes stattgefunden. Der Jahresbericht ist seinerzeit den Kongreßteilnehmern zugestellt worden. Seit dieser Zeit hat der Verband weiter erfreuliche Fortschritte gemacht. Es sind zirka 550 neue Mitglieder hinzugekommen. Das Spitzenatelier in Jaffa hat sieh gut entwickelt; Aufträge sind genug da, nur fehlt es an Arbeiterinnen, so daß in den letzten Tagen auch in Jerusalem im Anschluß an den Bezalel ein Atelier gegründet wurde. Für das Krankenhaus Schaare-Zion in Jaffa wurde Schwester Stiebel engagiert, die auch die Leitung der von der Moskauer Ortsgruppe gegründeten Wöchnerinnenstube übernehmen wird. Der Verband hat ferner beschlossen, Herrn Dr. Auerbach bei der Einrichtung eines Hospitals in Haifa behilflich zu sein und durch eine besondere Sammlung die hierzu erforderlichen 6000 Jt aufzubringen; 2500 Jt haben wir hierfür bereits erhalten. Die vom Verband ausgebildete Schwester Galanti aus Jaffa hat in Breslau ihr Examen bestanden und ist dort noch einige Zeit in der Augenklinik tätig gewesen. Sie ist vor einiger Zeit nach Palästina zurückgekehrt und hat wohl inzwischen ihre Tätigk eit aufgen ommen, Auf Veranlassung des Palästinaanites hat der Verband für die Neuorganisation der Arbeiterküche in Rischon-le-Zion 150 Francs leihweise hergegeben. Bezalel. Seit dem letzten Kongreß bis heute läßt sich folgendes sagen: Was die Finanzlage des Bezalel anbetrifft, so hat dieselbe durch die Schaffung einer weitern Anzahl Untervereine und durch eine Anzahl Vereine, die in Bildung begriffen sind, ferner durch weitere energische Propaganda eine Kräftigung erfahren. Trotzdem im verflossenen Jahre sich die Einnahmen fast verdreifacht haben, sie betrugen 53 000 Jt gegen 20 000 Jt im Vorjahre, ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auch in diesem Jahre die für die Schule eingehenden Beträge bis zum Schluß unseres Geschäftsjahres eine beträchtliche Steigerung erfahren haben werden. Die Zahl unserer Mitglieder hat sich beträchtlich vermehrt, und wir werden einen Zuwachs von mindestens 100U bis 1500 Mitgliedern zu verzeichnen haben. Die Schule selbst entwickelt sich in fortgesetzt steigender Weise. Vor einigen Tagen wurde gemeinsam mit dem Verband jüdischer Frauen in Palästina ein Spitzenatelier der Schule angegliedert, welches bereits von ca. 80 jungen Mädchen besucht wird. Die Zahl der am Bezalel beschäftigten Personen beträgt heute 237. Infolge Veranstaltung einer großen Anzahl von Ausstellungen in ca. *25 verschiedenen Städten des In- und Auslandes sind der Schule Aufträge in beträchtlicher Hohe zugekommen, dadurch sind die verschiedenen Ateliers auf längere Zeit hinaus mit Aufträgen versehen. Im ganzen liegen der Schule für ca. 50 000 Frs. unerledigte Aufträge vor. Der Absatz der Erzeugnisse wird in diesem Jahre ca. 100 000 Frs. betragen, gegen nur 20 000 Frs. im Vorjahre. Die verschiedenen Ateliers entwickeln sich in ausgezeichneter Weise, und die meisten derselben müssen eine beträchtliche Erweiterung erfahren. Es ist dringend erforderlich, zur Aufnahme von ca 100 jungen Mädchen ein Teppichatelier zu errichten. Das lithographische Atelier hat sich gleichfalls so gut bewährt, daß wir dasselbe ebenfalls zu vergrößern beabsichtigen. Das gleiche wird bei dein Filigran- und Damaskusmetall-Atelier erforderlich sein. Die Qualität der Erzeugnisse verbessert sich ständig; bei den Teppichen ist dieselbe eine so gute, daß an derselben in